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Gute Musik von heute von Stars von morgen

5 junge Musiker und Bands aus England, die Sie kennen sollten

Im Dezember 2020 war es für Bands und Musiker, die in England ihrer Kunst fröhnten, soweit. Der Kunstbetrieb hat mit dem Brexit zwar gerechnet, doch inzwischen wissen wir mehr: die Situation ist kein Witz für sie und uns, die Konzertbesucher. Jetzt beklagt die Musikbranche auf der Insel tagtäglich, dass die Kosten für eine Europa-Tournee steigen.

The Lathums
The Lathums. (Foto: © Sam Crowston)
Aber die vergangenen schrecklichen 12 Monate mit ihren Krisen waren nicht das Einzige auf dem Plan der Musikhelden aus Brexitland – die Branche erwartete gebannt die Veröffentlichung des „BBC 2021 Sound Poll“. Ein jährlich wiederkehrendes Weihnachtsgeschenk an Musikerinnen, den Musikbetrieb und ihr Publikum. Dabei sagen Experten – Journalisten, Radio-DJs, Produzenten usw. – weis, welche Musiker im neuen Jahr eine besondere Beachtung verdienen würden. Vorhersagen, die niemand ernst nimmt. Im Gegensatz dazu stehen die Weissagungen von Nordisch, wir stellen heute die wirklichen Talente und Musikstars Englands von morgen vor.

Um Fair zu bleiben, die Journalisten, DJs und andere „Tastemakers“, die für BBC befragt wurden, haben durchaus ein paar gute Antworten gegeben. Doch nun kommen wir zu dem wahrhaft britischen Sound des Jahres 2021.

The Lathums

Am Rand der Grafschaft Manchester liegt Wigan, ein Geburtsort der industiellen Revolution und fast vergessen, würde nicht eine berühmte literarische Referenz an die mittelgroße Stadt erinnern. Wahrscheinlich haben die Leute aus Wigan genug von „Der Weg nach Wigan Pier“, dank George Orwell, aber das Werk gilt als der Hauptgrund dafür, wieso die Leute in Großbritannien von der Stadt überhaupt wissen. In Deutschland dürfte die Stadt außerdem Fußballfans bekannt sein, der Wigan Athletic F.C. spielte einige Jahre in der Premier League.

Wir geben euch heute einen neuen Grund, an Wigan zu denken: The Lathums. Eine melodische, vier-köpfige Band aus Wigan, die von Jugendlichen in ganz England gefeiert wird. Bei Konzerten ist die Band ein Phänomen, deshalb ist die Pandemie so furchtbar für sie. Trotz fehlender Auftritte konnte sich die Band 2020 weiterentwickeln, mit tollen Singles wie „All My Life“ und „I See Your Ghost“. Gedulgig wartet The Lathums auf den Neustart nach der Pandemie, dann sprengen sie wieder Konzerte und Festivals.

Drug Store Romeos

Gibt’s etwas Besseres als New Order? Kaum eine Band des Genres konnte in den vergangenen vierzig Jahren den legendären Synth-Meistern aus Manchester das Wasser reichen. Die Band steht einsam und allein auf dem Synth-Olymp.

Auch Drug Store Romeos schafft es nicht, an New Order heranzukommen oder sie gar zu überschatten. Aber das dürfte den drei Musikern aus Hampshire sicherlich egal sein. Sie verleihen ihrer Musik einen Hauch von New Order, Goldfrapp und Cocteau Twins – doch ihre Musik bleibt einzigartig. Insbesondere als Teil einer zeitgenössischen englischen Musikszene, die hauptsächlich mit schreiendem, ernst gemeintem pseudo-literarischem Punk oder urbaner Kaffeehaus-Poesie beschäftigt ist. Bei den Drug Store Romeos trifft weibliche Stimme auf Beats und elektronische Melodien aus einer anderen Welt.

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Chubby and The Gang

Ab und an benötigt man eine Flucht aus dem Alltag, das Wohnzimmer auseinandernehmen und dabei vielleicht die Wände anspucken … richtig? Wer glaubt, dass Punk tot und überwunden ist, liegt falsch. Punk lebt – mit Chubby and The Gang. Eine Ansammlung von Musikern, die seit einem Jahrzehnt in verschiedenen Punk Bands in Südwestengland gespielt haben, veröffentlichte ihr erstes Album Anfang 2020. Was als nächstes passierte, es kam die Pandemie; kein Toben, kein Pogen und kein Spucken mehr, was bleibt, ist die Musik. Sie läuft weiter, und in dunklen, trostlosen Zeiten braucht man diese laute Musik, in der man sicht verliert und vergisst.

Dry Cleaning

Lässige Stimme, uninteressierte Haltung und anziehungskräftige Lieder. In die Lieder, die Dry Cleaning produziert, verliebt man sich nur langsam. Es kann ein langer Weg von Missverständnis bis zur Liebe sein, doch wenn man sie so oft hört wie in diesem Januar mit ihrer fast ständigen Präsenz in der britischen Musikpresse und auf BBC Radio, kommt die Liebe unvermeidbar.

Die promotion zahlt sich aus: nach einem starken Auftakt im neuen Jahr mit der Single „Scratchcard Lanyard“ – Gesang mit echt Londoner Dialekt und klugen Liedtexten – ist ihr Debut-Album bereits angekündigt. So weit so gut! Wenn man den Klang der coolsten Typen in der Oberstufe mag, und man selbst nie dazugehörte, weil man sich auch in den wildesten Traümen nie für cool genug gehalten hat, Dry Cleaning liefert genau den passenden Soundtrack dazu.

Lucy Deakin

In England herrscht Popmusik über alles. Es war immer so und wird wahrscheinlich immer so sein. Die intellektuellen Jungs, Mädchen und Kinder mögen kluge Indie-, Tanz- und New Wave-Musik, aber was macht berühmt, macht Geld und macht Schlagzeilen? – Popmusik. Wenn dann Klugheit auf Pop trifft, dann hat man Superkräfte, und so eine Superfrau ist Lucy Deakin aus Manchester.

Es gibt so viel strahlenden Pop neben R’n’B und eingängiger Tanzmusik in den britischen Charts, dass es schwierig für Künstlerinnen wie Deakin ist, durchzubrechen, dennoch scheint ihre Zukunft echt glänzend. Die Geschichten der Lieder holen andere junge Frauen ab und die poppigen Beats sind tanzbar. Disko für das sensibelste Alter.

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Rob Allen

Über den Autor
Rob Allen ist ein freier Journalist und PR-Experte aus dem Norden Englands. Er schreibt u.a. für The Guardian, News of the World und Manchester Evening News. Nun schreibt er auch auf Deutsch für NORDISCH.info. – Auf Twitter unter @northernrob zu finden.
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