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Von unbejubelten Helden und Musikinnovatorinnen

Fünf Musiker und Bands aus Wales, die Sie kennen sollten

Wales und Musik sind vor langer Zeit eine besondere Verbindung eingegangen. Wales ist das „Land des Gesangs“ (Land of Song) – von der verlorenen Vergangenheit der alten Bergbaudörfer bis zu den entlegensten Bauernhöfen liegt eine Melodie im Kern jeder Gemeinde und in jedem stolzen walisichen Herzen. Nicht nur die Einwohner des Landes, sondern auch Besucher sind nie weit entfernt von einem Chor.

Das kleine Land befindet sich noch im Würgegriff der Politiker in Westminster, aber die einzigartige walisische Kultur ist lebendig wie eh und je. Die Bewegung zur Rettung der Sprache, die Musik, die in dieser Sprache komponiert und aufgenommen wurde, und die erfrischende Anerkennung der Wichtigkeit der eigenen Identität durch die jüngeren Generationen, führten zu einer Wiederauferstehung des walisischen Selbstbewusstseins. Bitte, nehmen Sie eine Kostprobe vom Klang aktueller Bands aus Wales.

Boy Azooga

Boy Azooga
Boy Azooga, angeführt vom „freundlichsten Mann“ der Branche, Davey Newington.
(Foto Heavenly)

Manchmal geht Erfolg mit schlechtem Benehmen einher, aber eigentlich ist es immer besser, sich mit Rücksicht und Freundlichkeit im Musikgeschäft zu bewegen. Aus Cardiff, der Haupstadt von Wales im Süden, kommt Boy Azooga mit Sänger und „freundlichstem Mann“ der Musikindustrie, Davey Newington. In einem Moment ist es Punk, im anderen Melodie, die quasi-melancholischen Lieder des ausgezeichneten Debütalbums „1, 2, Kung Fu“, haben Kritiker, Radio-DJs und Musiker-Kollegen gleichermaßen überzeugt.

Neben der verspielten Musik und Texten genießt auch der Frontmann Newington einen bemerkenswerten Ruf. Auf Fotos ist er immer mit einem breiten Lächeln zu sehen, und er staunt immer noch ungläubig über den eigenen Erfolg. Doch diesen hat er sich wahrlich verdient.

El Goodo

El Goodo Musik aus Wales
El Goodo in ihrem Element: Musizieren. (Foto Debbie Ellis)

Weiß irgendjemand etwas über El Goodo? Diese herrliche Band schleicht im Schatten der walisichen Musikszene. 2017 erst kam ihr zweites Album heraus. Das erste erschien 2009. Fans müssen vielleicht ein weiteres Jahrzehnt darauf warten, um das nächste zu hören. Die Band arbeitet im Allgemeinen wirklich langsam, offensichtlich auf der Suche nach der perfekten „West Coast“-Melodie. Die Zukunft wird sich um sich selbst kümmern, wir sollten deshalb am besten bloß Lieder wie „It Makes Me Wonder“ hören, und wenn es gefällt, knöpfen wir uns das Album „By Order Of The Moose“ vor.

Hen Ogledd

Hen Ogledd
Unsere Lieblingsproblemkinder: Hen Ogledd. (Foto Hen Ogledd)

Kreativ, humorvoll und künstlerisch, hier kommt Hen Ogledd. Der Name bedeutet „der alte Norden“. Eine vierköpfige Band, die über eine Mischung von alten Instrumenten und neuer Technologie herrscht, um ihren eigenen Klang zu kreieren. Wenige Musiker/–innen bekommen eine Gelegenheit, die Harfe zu spielen, dennoch fand Rhodri Davies eine Anstellung für sich und sein unübliches Instrument bei Hen Ogledd. Die Singles „Problem Child“ und „Tiny Witch Hunter“ (Kleiner Hexenjäger!) wurden von bunten Videos begleitet und sind gut bei spezialisierten britischen Radiosendern platziert worden, dennoch bleibt Hen Ogledd außerhalb des Bewusstseins der meisten Musikliebhaber. Genau da, wo sich die Band am liebsten aufhält.

Sweet Baboo

Sweet Baboo
Sweet Baboo schwebt über allem. Sein aktuelles Album erschien auf Vinyl in einer limitierten Auflage von 150 Stück. (Foto Sweet Baboo)

Der Künstlername von Stephen Black aus Bethesda in Nordwales, heute in Cardiff situiert, Sweet Baboo, ist zwar eine Band, aber auch ein Solo-Projekt des begabten Musikers. Vor zehn Jahren hat Black sein erstes Album herausgebracht, dann, 2013, kam sein meistgenannter Erfolg mit der Veröffentlichung des Albums „Ships“. Es enthielt die Singles „Let’s Go Swimming Wild“ und „C’mon Let’s Mosh“, die seine Einflüsse demonstrierten, – von melodischem Indie-Rock bis zu filmischen Soundtracks.

Fünf Jahre später, und fast unbemerkt, hat er das „The Vending Project“-Album (ürsprunglich nur auf Automaten in Cardiffs Stadtmitte verfügbar) auf Vinyl herausgebracht, ohne die Werbetrommel dafür zu rühren. Darin hat er den Discoklassiker „Lost Out On The Floor Without You“ versteckt. Hier haben wir ihn ausgebuddelt und präsentieren ihn nun. Stephen Black ist ein unbejubelter Held der Musikwelt.

Gwenno

Gwenno
Gwenno, die außergewöhnliche Musikerin singt auf Kornisch und Walisisch.
(Foto Heavenly)

Eine außergewöhnliche Reise durch die Musikwelt einer außergewöhnlichen Künstlerin. Vor einem Jahrzeht konnte man Gwenno Saunders in der Pop Band „The Pipettes“ sehen, die eine Karriere im Mainstream anstrebte. Der Versuch scheiterte und Gwenno nahm sich die Zeit, ihre wahre Stimme zu entwickeln. Wie ein Schmetterling aus einem Kokon, tauchte Gwenno 2012 wieder auf, als sie eine Platte ganz auf Walisisch herausbrachte.

Süße Popmusik ist entfernt und ein frischer Synthieklang eingeführt worden. Beim hochgeschätzten Label „Heavenly“ hat sie zwei Alben veröffentlicht. Dabei hat sie sich eine besondere Position in der Musik erschaffen: sie singt in zwei Minderheitensprachen des britischen Königreiches – Kornisch und Walisisch. Keine Musikerin zuvor hat so ein Projekt versucht und niemand hätte sich die überwältigende Anerkennung ihrer Innovation vorstellen können.

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Rob Allen

Über den Autor
Rob Allen ist ein freier Journalist und PR-Experte, Schwerpunkt Kunst und Musik, aus dem Norden Englands. Er schreibt u.a. für The Guardian, News of the World und Manchester Evening News. Nun schreibt er auch auf Deutsch für NORDISCH.info. – Auf Twitter unter @northernrob zu finden.
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