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„Unrecht korrigieren“

Britischer Historiker prophezeit: Irlands nationale Vereinigung längst auf dem Weg

Die Vereinigung Irlands werde binnen einer Generation kommen, prophezeite dieser Tage der renommierte britische Historiker und Journalist Sir Max Hastings gegenüber der Irish Times.

Irland Nordirland Vereinigung
Rathaus von Belfast, Nordirland. (Foto: Dimitry Anikin)
„Ein solcher Schritt würde den besten Interessen des irischen Volkes dienen“, so Hastings. Lediglich ein „Rest historisch aus der Zeit gefallener Protestanten“ könne noch ernsthaft anderer Ansicht sein. Es sei an der Zeit, „historisches Unrecht zu begleichen“.

Es sind markige Worte, die der Ex-Redakteur des Daily Telegraph und Autor mehrerer militärhistorischer Bücher verwendet, um eine der politisch unpopulärsten Fragen im Vereinigten Königreich zu beantworten. Nämlich die, ob eine Teilung Irlands – bei nüchterner Betrachtung – überhaupt noch Sinn ergibt.

Ja, da seien in der Tat noch etliche „unionistische Protestanten“, so Hastings, deren einziges „politisches Argument der Fortbestand der Anbindung an Großbritannien ist“. Aber sonst?

Nur wenige im Königreich würden sich noch für die Union mit Nordirland interessieren, sagte der Historiker unter Verweis auf entsprechende Kommentare des (immerhin) britischen Ex-Finanzministers George Osborne. Eines Konservativen, wohlgemerkt.

Damit sei nichts mehr ausgeschlossen, urteilt Hastings. Zumal mit dem Brexit eine neue Realität geschaffen worden ist, die den Nordiren zuletzt in Form von leeren Supermarktregalen alles andere als schöne Bilder präsentiert hat.

Grund hierfür ist die durch die Irische See verlaufende Zollgrenze zur EU, was den für Nordirland so lebenswichtigen Warentransfer aus England merklich komplizierter gemacht hat.

Aber auch vor dem Brexit, so Hastings, dürfte man rund um Belfast bereits mehr und mehr den Eindruck gewonnen haben, ein ökonomischer Klotz am Bein der britischen Regierung geworden zu sein.

Das liegt vor allem am massiven Rückbau der alten, ehemals gewinnbringenden Industrien des Nordens. Des Schiffbaus beispielsweise oder der Textilindustrie, wodurch Nordirland nur mithilfe massiver Subventionsmaßnahmen aus Großbritannien am Laufen gehalten werden kann. Geld, das man in London (hinter vorgehaltener Hand) auch anderweitig gut gebrauchen könnte. Corona und die Brexit-Folgen – da kommt noch was.

„Der Süden hingegen“, so Hastings, „hat sich zu einer wohlhabenden, selbstbewussten Gesellschaft entwickelt und ist ein begeistertes EU-Mitglied, wie aus aktuellen Befragungen hervorgeht. Warum also nicht auch der Norden?

Nicht ganz auf Linie scheint hingegen der britische Premierminister Boris Johnson zu sein, der für den politischen Fortbestand der Anbindung Nordirlands an das Vereinigte Königreich gerade einen 40 Kilometer-Tunnel unter der Irischen See hindurch prüfen lässt.

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sh

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