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Kitt fürs Vereinigte Königreich?

UK: 40 Kilometer-Tunnel von Schottland nach Nordirland wird konkreter

Dass der britische Premierminister Boris Johnson eine lebhafte Fantasie mitbringt, hat er bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Davon können sie in Brüssel aus vielerlei Gründen ein Liedchen singen. Aber eine Brücke von Schottland nach Nordirland? Als architektonischer Garant sozusagen für den Zusammenhalt des Vereinigten Königreichs?

Tunnel Nordirland
Der rund 54 km lange Seikan-Tunnel in Japan. Er verbindet die Hauptinsel Honshū mit der nördlich davon gelegenen Insel Hokkaidō. (Foto: Bmazerolles, CC BY-SA 4.0)
Das schien dann doch eine Nummer „too much“, nachdem Johnson die zugegebenermaßen charmante Idee 2018 erstmals ins Spiel brachte. Zu teuer, lauteten die einen Bedenken, zu komplex und gefährlich in der Umsetzung, die anderen. Thema vom Tisch, dachte man.

Nun aber ist Brexit, was für Nordirland und seine wirtschaftliche Vereinigung mit dem Rest von UK den ultimativen Stresstest bedeutet. Grund dafür ist eine in der Tat etwas krumm geratene Lösung zwischen der Europäischen Union und UK, wonach die Zollgrenze der beiden frisch entzweiten Wirtschaftszonen unter gar keinen Umständen über Land verlaufen durfte.

Allein die Idee von einer „physischen“ Landgrenze quer über die irische Insel weckte logischerweise schlimmste Sorgen vor einem Wiederaufflammen des Nordirland-Konfliktes.

Also entschied man sich zwischen Brüssel und London nach endlos langem Hin und Her für eine Zoll-Lösung durch die Irische See, was nun zwar Irland und Nordirland schiedlich-friedlich beisammenhält, aber eben auch einen wirtschaftlichen Keil durch einen hoch sensiblen Teil des Vereinigten Königreichs treibt.

Das jedenfalls zeigten die ersten operativen Wochen des Brexits, die für Nordirland wenig vertrauenserweckende Bilder von leeren Supermarktregalen und kilometerlangen LKW-Staus bereithielten.

Der Frust über den Grenzdeal, der politisch kein anderer sein durfte, ist aktuell gewaltig. Und mit ihm auch der Ärger über Brexit-Verkäufer Boris Johnson. So der gegenwärtige Stand.

Es dürfte dem britischen Premier also wie gerufen kommen, dass seine Idee von einer starren Verbindung zwischen der nordirischen Provinz und dem Rest von UK nun doch noch ihre Fans findet – vornehmlich aus Angst vor sich möglicherweise konkretisierenden Abspaltungsgedanken Nordirlands.

Zur Brücke wird es zwar nicht reichen, da Experten nun auch noch davor warnen, dass ein solches Bauprojekt wegen des rauen Wetters über der Irischen See bis zu 100 Tage pro Jahr geschlossen sein müsste. Nichts wäre gewonnen.

Aber ein Tunnel? „Warum eigentlich nicht?“, wird eine solche Lösung laut Sky News inzwischen zumindest in Fachkreisen als durchaus machbar eingestuft. Technologisch sowieso, weil es mit dem Eurotunnel unter dem Ärmelkanal einen in Stein gemeißelten Erfahrungswert gibt.

Und finanziell auch, weil – trotz angespannter Corona-Brexit-Gesamtlage – eben alles besser klingt als ein möglicher politischer Bruch durch das Königreich.

Derzeit läuft es daher auf erste konkrete Studien zur Machbarkeit des Tunnels hinaus. Das setzt zudem Zeichen und bringt Zeit in einer aufgewühlten Situation. Als „Haltet ein, wir kümmern uns!“, wird es London in Belfast verkaufen, da muss man kein Prophet sein.

Was bisher bekannt ist: Etwa 25 Meilen, also 40 Kilometer, müsste der Tunnel den Berechnungen zufolge lang sein – preislich zu haben für etwa 10 Milliarden Pfund. Bevorzugt würde dabei wohl eine Kombination aus Straßen- und Schienenverbindung, wie sie auch bei dem Fehmarnbelt-Projekt zwischen Dänemark und Deutschland vorgesehen ist.

Hierbei handelt es sich um eine fast 20 Kilometer lange Tunnelverbindung, die ab etwa 2030 eine wichtige wirtschaftliche Lücke zwischen Mitteleuropa und Skandinavien füllen soll.

Ob solche Bauwerke auch politische Gräben schließen können, ist hingegen Neuland. Neuland, für das der britische Politbetrieb jedoch mehr und mehr Sympathie zu empfinden scheint. Muss der endgenervte Supermarkbesucher in Nordirland nur noch mitziehen.

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sh

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