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180° und NOA Chef’s Hall

Estland feiert seine ersten Michelin-Sterne überhaupt – gleich zwei Restaurants ausgezeichnet

  • 2 Restaurants mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet

  • Darunter der deutsche Küchenchef Matthias Diether

  • 5 Restaurants erhielten einen Bib Gourmand

  • 2 Restaurants werden mit einem Michelin Green Star für ihr Engagement für nachhaltige Gastronomie ausgezeichnet

Letzten Monat hat der Michelin-Stern endlich auch Estland erreicht. Ausgezeichnet wurden zwei Restaurants in Tallinn, das 180° und NOA Chef’s Hall – beide direkt an der Tallinner Bucht gelegen, aber mit ordentlich Abstand dazwischen.

180 degrees Restaurant Tallinn
Der Eingang zum Restaurant 180° ist bereits mit den Michelin-Schildern verziert. (Foto: fb/180°)
Das 180° liegt etwas zentraler und wurde vor wenigen Tagen von ERR.ee portraitiert. Oder besser: Der Chef des Hauses, der deutsche Küchenvirtuose Matthias Diether, hat erzählt von seinen Erfahrungen in Estland und seinem kulinarischen Anlauf hin zu seinem insgesamt neunten Stern.

„Estland hatte noch nie einen Michelin-Stern, der Guide Michelin war noch nie hier. Daher ist der Hype größer, der Druck aber auch“, schilderte er seine jüngsten Eindrücke im Interview. Und ja, „wir haben in Estland ein bisschen Geschichte geschrieben.“

Wir, das sind Diether und sein Team, das zu weiten Teilen seit der Restauranteröffnung 2018 zusammen ist. Und zwar aufs Engste miteinander verbunden, sagt der Chef. „Wie ein bestens funktionierendes Uhrwerk“, sieht Diether die Abläufe im 180° voll auf Kurs.

Das Restaurant liegt direkt am Hafen, und schon ein flüchtiger Blick auf die Speisekarte zeigt, was einen hier erwartet: nichts von der Stange, aber rein gar nichts. Und die Preise? Sind erlesen, was auch sonst? Bis zu 240 Euro fürs Menü + Wein fallen an, wenn wir die Karte richtig gelesen haben. 140 Euro ohne Wein, alles pro Person. Da schmeckt’s automatisch.

Dass es dafür aber auch ordentlich was gibt, ist jetzt mit dem Michelin-Stern quasi offiziell, allemal in Fachkreisen. Er habe nie daran gezweifelt, dass die Auszeichnung irgendwann wieder kommen würde, sagt Diether. „Wir arbeiten strikt nach unseren Standards. Wir waren uns sicher, dass das was wird.“

Zuvor aber scheint für ihn alles erstmal eine Spur zu viel gewesen zu sein. Jedenfalls beschreibt ERR.ee, dass Diether vor nunmehr sechs Jahren nach Estland gezogen ist, um dem Stress in Berlin zu entfliehen. Dort war er bis dahin gut ein halbes Jahrzehnt Küchenchef des First Floor.

Raus aus dem stressigen Berlin – rüber auf die beschauliche Insel Muhu

Sein persönlicher Cut brachte ihn dann 2016 auf die Insel Muhu, die mit ihren nicht ganz 2.000 Einwohnern, mit ihrer Ruhe und Beschaulichkeit das glatte Gegenteil der Bundeshauptstadt ist. Hier hat Diether drei Jahre auf dem Gutshof Pädaste verbracht, bevor es mit dem 180° in Tallinn wieder auf Sternejagd ging bzw. gehen konnte.

„Für mich war es zu dieser Zeit einfach sehr wichtig, aus Berlin herauszukommen und ein bisschen mehr in die Natur zu gehen. Ich hatte das große Glück, dass ich einen Anruf aus Estland bekam, um rüberzukommen“, beschreibt er den Schritt raus aus der Heimat.

Seit der neunte Stern da ist, ist scheinbar alles wieder ein wenig anders. Auch in Estland, wo die Auszeichnung schon in kürzester Zeit Spuren hinterlassen hat. Quasi über Nacht sollen annähernd 200 Reservierungen eingegangen sein.

„Aus dem Stand war bis Ende Juli komplett ausgebucht“, beschreibt Diether die ersten Stunden nach der Bekanntgabe. Von überall her kommen nun die Gäste, um einen der beiden ersten Michelin-Sterne Estlands zu erleben und zu genießen.

Laut Diether ist es nicht nur für ihn, sondern für die ganze Szene in Estland ein Befreiungsschlag nach zwei zähen Corona-Jahren. „Es ist eine sehr gute Sache, dass Michelin jetzt in Estland ist. Das bringt einen Hauch von Aufregung und Leidenschaft mit sich. Jeder will jetzt den Michelin-Stern haben, und das ist sehr gut für den Wettbewerb.“

5 Restaurants mit einem Bib Gourmand ausgezeichnet

Der Bib Gourmand ist eine unter Feinschmeckern besonders beliebte Auszeichnung. Diese Auszeichnung wird Restaurants verliehen, die eine gute Küche zu angemessenen Preisen anbieten. Fünf Restaurants wurden als besonders gut im Preis-Leistungs-Verhältnis ausgewählt:

NOA, Tallinn – In der Begründung des Michelin-Führers heißt es: „Dieses Restaurant bietet einen herrlichen Blick über die Stadt und das Meer. Besonders frischer Fisch steht im Mittelpunkt der Küche. Der gemütliche Raum ist mit natürlichen Materialien eingerichtet und durch die bodentiefen Fenster lichtdurchflutet. Licht. Die modernen, saisonalen Menüs bieten eine große Auswahl.“

Härg, Tallinn – Begründung: „Diese geschäftige, dynamische, ganztägig geöffnete Brasserie verfügt über Steinwände, freiliegende Rohrleitungen und auffällige Kupferlüster. Moderne Gerichte zu vernünftigen Preisen werden mit Schwerpunkt auf dem Holzkohlengrill serviert, wobei die Steaks im Mittelpunkt stehen. Das ‚Dirty Steak‘, ein Ribeye, wird direkt auf der Holzkohle gegrillt. Der Innenhof ist ein beliebter Ort.“

Fellin, Viljandi – „In diesem Café-Bistro in einem roten Backsteingebäude am Rande der Altstadt wird man herzlich empfangen. Es hat etwas Bohèmehaftes an sich, mit einer gekachelten Bar, einer Mischung aus Kunstwerken und einer entspannten Atmosphäre. Sorgfältig zubereitete, traditionelle europäische Gerichte, die vor Frische und Geschmack nur so strotzen.“

Lore Bistroo, Tallinn – „Dieses moderne Bistro befindet sich in einem riesigen Lagerhaus mit Blick auf den Hafen in Port Noblessner. Stahlträger, Hebebühnen und Betonsäulen bilden die Kulisse, und eine offene Küche sorgt für Aufregung. Das Konzept: Gerichte sind zum Teilen gedacht und von den Reisen der Besitzer inspiriert.“

Mantel ja Korsten, Tallinn – „Dieses Schindelhaus, dessen Name ‚Mantel und Schornstein‘ bedeutet, sieht aus wie ein Postkartenmotiv. Ein grün gekachelter Kamin und ein Kaminsims
stehen im Mittelpunkt eines mit hellen, kühnen Mustern eingerichteten Raums. Zu den mediterran inspirierten Gerichten werden ausgesuchte Weine mit einer Vorliebe für biologische und
und biodynamische Weine.“

2 Restaurants werden mit einem Michelin Green Star ausgezeichnet

Der Michelin Green Star wurde an zwei Restaurants verliehen, die eine Vorreiterrolle in der nachhaltigen Gastronomie spielen: Põhjaka Manor in Mäeküla und Fotografiska in Tallinn.

Ob durch ihr lokales Konzept, ihre Bemühungen den ökologischen Fußabdruck des Restaurants zu reduzieren, ihre Initiativen zur Wiederverwertung von Lebensmittelabfällen, zum Anbau von eigenem Gemüse und Kräutern und zur Aufklärung ihrer Gäste über eine ökologischere Version der Gastronomie – „diese Restaurants sind eine wahre Quelle der Inspiration für Feinschmecker und Gastronomen gleichermaßen“, heißt es im Michelin-Führer Estland.

Hier die Webseiten der beiden Sternegewinner:
180°
NOA Chef’s Hall

Unser Geographie-QUIZ zum Thema ESTLAND

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