Facebooktwitterpinterestrssinstagram

Ein spezieller Landstrich in Estland

Viljandi: Zentrum des (eigentümlichen) Mulklandes

Viljandi (zu Deutsch: Fellin) ist die Hauptstadt des Landkreises Viljandimaa. Typisch für diese Region sind eiszeitlich geformte Hügel- und Tallandschaften, was man sich in Viljandi zunutze machte.

Viljandi
Auf der Ortseingangsstraße nach Viljandi. (Foto: Nordisch.info)
Denn die Stadt liegt auf einem dieser Hügel und hatte so in ihrer langen Geschichte immer einen natürlichen Vorteil in der Wehrhaftigkeit.

Bis zur Erfindung der Kanone, die die Kriegsführung gemeinhin revolutionierte, konnte die Hügelfeste nur ein Mal vom Feind eingenommen werden: Nach vielen Versuchen und unter großen Verlusten war es lediglich den Rittern des Deutschen Ordens gelungen.

Viljandi-See
Viljandi-See von der Burgruine aus gesehen. (Foto: Nordisch.info)
Zu Füßen des Hügels liegt der schöne langgezogene Viljandi-See (Viljandi järv). Was früher ein strategischer Vorteil war, ist heute einfach nur pittoresk.

Viljandi ist auch das Zentrum des uralten Mulklandes (besser bekannt unter dem estnischen Namen Mulgimaa).

Das in Südestland gelegene Mulgimaa beherbergt einen eigenen Menschenschlag, der allgemeinhin wie folgt charakterisiert wird: Ein Mulg ist wohlhabend, weil er fleißig und geschäftstüchtig ist.

Er ist wagemutig, sparsam bis zum Geiz, eigensinnig bis zur Sturheit und gilt obendrein als arrogant. Lauter Vorurteile ihrer Landsleute, die die Mulgid sich hart erarbeitet haben.

Die Leute aus Mulgimaa waren die ersten Esten, die es durch ihren Fleiß und ihren Geschäftssinn zu einem Wohlstand brachten, der es ihnen ermöglichte, die Ländereien und Gutshöfe des zumeist deutschen Adels, der inzwischen seine eigenen Geldsorgen hatte, systematisch aufzukaufen.

Zunächst in ihrer Region, später in ganz Estland. Nicht zuletzt dadurch hatten die Mulgileute ihren Ruf weg. Durch ihre Umtriebigkeit trugen sie auch ihre Bräuche und ihre Küche nach ganz Estland.

Lesen Sie auch:  Estonia-Katastrophe: Hat Schweden etwas zu verbergen?

Heute haben viele estnische Gerichte den Zusatz “Mulgi-“ im Namen – siehe zum Beispiel Mulgipuder (Kartoffelbrei mit Graupen) oder Mulgikapsas (Sauerkraut nach Mulgiart).

Bevölkerung mit großer Heimatverbundenheit

Museum Viljandi
Heimatmuseum von Viljandi, Johan Laidoner Platz, Ecke „Schlossstr.“ 12. (Foto: Nordisch.info)
Viljandi bietet ein ausgewogenes Ensemble aus hübscher Stadtarchitektur in geschichtsträchtiger Umgebung, angenehmem Lebensraum und vielen Freizeiteinrichtungen. Die Einheimischen sind heimatverbunden und leben gerne in ihrem hügeligen Land.

Mit Freude empfangen sie Besucher der Stadt. Wenn man ihnen mit zurückhaltender Freundlichkeit begegnet, kann es passieren, dass der Kuchen, den man in einem Kõrts zu seinem Kaffee bestellt hat, aufs Haus geht.

Das Stadtbild wird etwa hälftig von Holz- und Steinhäusern geprägt. Die ein- bis dreistöckigen Gebäude sind entweder im eklektizistischen Stil erbaut, im Neobarock oder Jugendstil.

Rathaus Viljandi
Das Rathaus ist eines der vier ältesten erhalten gebliebenen Steinhäuser von Viljandi.
(Foto: Nordisch.info)
Das Rathaus ist eines der ältesten Steingebäude der Stadt, Baujahr 1768-1774. Der Uhrturm wurde 1838 hinzugefügt. 1931 gab es eine Komplettsanierung, seinerzeit war es das modernste Rathaus Estlands.

Eine Stadtbesichtigung fängt man am besten auf dem Burghügel an, von dem aus man einen herrlichen Blick auf das Tal und den Viljandi järv hat. Eine historische Hängebrücke führt in den Burgpark.

Ein Spaziergang von dort in die Stadtmitte führt automatisch an dem Herrenhaus von Viljandi vorbei.

Das Neorenaissance-Gebäude aus dem 19. Jahrhundert gehörte früher den Adelsfamilien de la Gardie und von Ungern-Sternberg, heute ist es in Privatbesitz.

Guter Blick von oben

Burgruine Viljandi
Auf dem Gelände der Burgruine von Viljandi. (Foto: Nordisch.info)
Weiter durch die hübsche Stadt, sich schräg-rechts bzw. in Richtung des Sees haltend, gelangt man zum Johan Laidoneri plats.

An dessen Rand steht der Alte Wasserturm (Vana veetorn). Dieser bietet aus 30 Metern Höhe einen guten Blick über die Stadt. Gegenüber steht das weiße Rathaus und dahinter befinden sich die wenigen Reste der Stadtmauer.

Treppenberg Viljandi
Der Treppenberg. (Foto: Nordisch.info)
An Ort und Stelle beginnt auch der Abstieg des sogenannten Treppenberges (Treppimägi), über dessen 158 Stufen man geradewegs zum Strand des Viljandisees gelangt. Den Hang des Berges säumen hübsche Bürgervillen aus der Gründerzeit und späteren Perioden. Manche davon sind renovierungsbedürftig.

Lesen Sie auch:  Käsekuchen mit süßer Kondensmilch und Himbeeren

Zu Füßen des Berges erinnert ein Denkmal an den berühmtesten Sportsmann der Stadt, Hubert Pärnakivi.

Hubert Pärnakivi
Statue zu ehren des Läufers Hubert Pärnakivi. (Foto: Nordisch.info)
Der Ausnahmeläufer hat den traditionellen Lauf rund um den Viljandi järv (Suurjooks ümber Viljandi järve) insgesamt elf Mal gewonnen.

Dieses Rennen geht über ca. 15 km und findet jeweils am 1. Mai des Jahres statt; 2009 wurde es zum 80. Mal veranstaltet, damit ist es die älteste Sportveranstaltung Estlands. Die Namen der Sieger werden in Stein gemeißelt.

Der angrenzende See bietet viele Möglichkeiten

See Viljandi järv
Am Viljandi järv die Sonne genießen. (Foto: Nordisch.info)
Auf dem Weg zwischen dem Stadion, Tennisplätzen und anderen Sportanlagen gelangt man zum See. Darin kann man schwimmen, Tretboot und Wasserski fahren, eine Bootstour unternehmen oder einfach nur am Ufer picknicken und ausspannen. Auch unter Anglern ist der See als Reiseziel beliebt.

Die Stadt bietet zusammen mit der sie umgebenden Natur eine hohe Erholungsqualität.

Wassersport Wasserski Viljandi
Wasserski auf dem Viljandi. (Foto: Nordisch.info)
Die Infrastruktur für Ferien ist vollends ausgebaut, Übernachtungsmöglichkeiten (fast) jeglichen Niveaus sind vorhanden, der Viljandi järv bietet gepflegte Grasstrände. Schwimmen, Bootfahren, Angeln, Tauchen, Wandern sind am und um den See lediglich Standardaktivitäten.

Hinzu kommen die jährlich stattfindenden Traditionsveranstaltungen der Stadt – Musikalisches, Sportliches, Theater, Hanse-Tage etc.

Nationalpark Soomaa

In Viljandimaa liegt auch der Nationalpark Soomaa, der unbedingt sehenswert ist. Dort findet man das höchste Hochmoor Europas.

Der im Osten Viljandimaas gelegene Võrtsjärv (deutsch Wirzsee) ist der größte Binnensee Estlands und zugleich der zweitgrößte des Baltikums, gleich nach dem Peipus.
In Viljandi leben etwas mehr als 20.000 Menschen (sechstgrößte Stadt Estlands).

Sie erstreckt sich auf 14,6 Quadratkilometern und liegt 160 Kilometer südlich von Tallinn und 80 Kilometer südwestlich von Tartu entfernt.

Lesen Sie auch:  Mit dem Fahrrad durch ein Stückchen Kingdom of Alba – Schottland, zweiter Teil

Weiterführende Infoszu Viljandi

  • Offizielle Tourismus-Webseite: Die Seite Visitviljandi.ee geizt nicht mit Eindrücken und Reisetipps zu Viljandi. Die Highlights der Region werden sehr anschaulich auf den Punkt gebracht. Darunter der Viljandi Castle Park (Burgpark) oder Wandermöglichkeiten rund um den Viljandi-See. Dazu Museen, Monumente und kulturelle Einrichtungen.

  • Webseite: www.visitviljandi.ee (auf Englisch)

  • Viljandi-Museum: Das Viljandi-Museum befindet sich in einem alten Apothekengebäude und präsentiert über zwei Etagen die Historie von Viljandi bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts. Es ist eine sehr abwechslungsreiche Sammlung von archäologischen Fundstücken. Manches davon reicht bis in die Vorgeschichte der Region zurück. Auch das Mittelalter ist natürlich prominent vertreten: Ein Modell des Ordensschlosses, zahlreiche Fundstücke aus der Epoche, Kleidung und Schmuck. Ein Teil des Museums ist eine Wechselausstellung.

  • Webseite: www.muuseum.viljandimaa.ee (auf Englisch)

sh

Facebooktwitterredditpinterestmail
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen