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Urlaubseindrücke von der estnischen Westküste

Insel Muhu – weit mehr als nur ein Zwischenstopp

muhu ostsee
Schöner Ausblick vom XXX über die Ostsee. (Foto: Nordisch.info)

Kurz-Zusammenfassung:

  • Muhu ist mit einer Gesamtfläche von 200 Quadratkilometern die drittgrößte Insel Estlands. Sie liegt vor der Westküste des baltischen Landes.

  • Vielen Urlaubern dient sie als „Transit-Insel“ zur südwestlich gelegenen Großinsel Saaremaa – ein Straßendamm macht es möglich (s. folgende Karte).

  • Muhu selbst lockt mit wunderbarer Natur und kulturellen Sehenswürdigkeiten: Z. B. das urige Fischerdorf Koguva, die Üügu-Steilküste oder Herrenhaus Pädeste.

  • Muhu ist Teil eines riesigen Naturreservats vor der Westküste Estlands. Natur und Naturschutz genießen auch touristisch allerhöchsten Stellenwert.

  • Erreichbar ist Muhu vom Festland aus über die Fährverbindung Virtsu-Kuivastu. Die Überfahrt auf den modernen Schiffen dauert etwa eine halbe Stunde.

muhu landkarte

Wegweiser durch diesen Artikel:

Muhu nimmt in der Rangfolge der größten estnischen Inseln mit fast 200 Quadratkilometern die dritte Position ein. Sie liegt rund zehn Kilometer vor der Westküste des Festlandes und ist Saaremaa, der größten Insel Estlands, nordöstlich vorgelagert.

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Wunderbare Urlaubsinsel: Muhu geizt wahrlich nicht mit seinen Reizen. (Foto: Nordisch.info)

Muhu, im Deutschen auch Mohn genannt, ist für den regionalen Fremdenverkehr schon deshalb von Bedeutung, weil es Besuchern über einen 1900 fertiggestellten Verbindungsdamm den bequemen Landweg nach Saaremaa ebnet.

Erreichbar ist die Insel mit dem Pkw oder dem Rad über die Fährlinie Virtsu-Kuivastu. Die Überfahrt vom estnischen Festland (Virtsu) aus dauert etwa 30 Minuten. Am besten ist es, ein paar Tage vorher – oder noch etwas früher – zu buchen. Gerade im Sommer kann es nämlich voll werden auf der Fähre (Buchung, s. unten).

Muhu: Teil eines Naturreservats – und handwerklich begabt

Es wäre falsch, Muhu aufgrund seiner Lage auf den Status einer reinen „Übergangsstation“ zur riesigen Nachbarinsel Saaremaa zu reduzieren. Denn auch Muhu gehört neben Saaremaa, Hiiumaa und Vormsi einem rund 15.000 Quadratkilometer umfassenden Naturreservat an, das sich unmittelbar vor der Westküste Estlands in die Ostsee erstreckt.

Für Muhu gilt: Die Insel ist schlichtweg schön. Üppige Wälder, von Wacholder und Moosen bewachsene Küstenstreifen und die allgegenwärtigen Findlinge aus der Eiszeit prägen das Bild in besonderer Weise – vom Meer ganz zu schweigen.

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Delikat essen: Das Tuul Resto auf Muhu bietet estnische Küche vom Feinsten – nahe an der Autostraße 10. (Foto: Nordisch.info)

Es gibt kleine Ansiedlungen und Gehöfte, die sich der Natur idyllisch unterordnen. Ansonsten ist Muhu nahezu unbewohnt. Es leben gerade einmal 2000 Menschen auf der Insel, lediglich im Sommer erhöht sich die Bevölkerungsdichte regelmäßig durch den Tourismus.

Dem wachsenden Interesse begegnet man auf Muhu jedoch mit Ruhe und Gelassenheit. Zwar hat der Fremdenverkehr den Fischfang längst als Haupterwerb abgelöst. Beschaulich ist und bleibt das Leben auf der Insel dennoch. Und sehr naturverbunden.

Muhus Bewohner sind seit jeher gute Handwerker, wovon nicht zuletzt die kunstvoll gefertigten Insel-Trachten zeugen. Ihr Tragen ist ein Stück gelebter estnischer Tradition. Andere wiederum, vor allem Männer, beweisen ihr handwerkliches Geschick bei der Fertigung traditioneller Reetdächer oder im Boots- und Hausbau allgemein.

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Und ja, der Wind spielt auf Muhu seit jeher eine nicht ganz unwichtige Rolle. (Foto: Makalu)

Holz, Stein und Metall sind auf Muhu seit Jahrhunderten Werkstoffe des Alltags. Aus ihnen wurden mit viel Mühe sämtliche Gehöfte erbaut. Sie bilden sozusagen – parallel zum Tourismus – die wirtschaftliche Lebensgrundlage vergangener und (hoffentlich auch) kommender Generationen.

Schönes Fischerdorf Koguva auf Muhu

Der imposanteste Beleg des handwerklichen Könnens auf Muhu findet sich im Westen der Insel. Es handelt sich um das historische Fischerdorf Koguva, das heute einem bewohnten Freilichtmuseum ähnelt.

Die erste urkundliche Erwähnung der Siedlung datiert aus dem Jahr 1532, als ein gewisser Wolter von Plettenberg (1450-1535), seines Zeichens Livländischer Ordensmeister, Bauer Hanske einen Freibrief erteilte.

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Bild mit Symbolwert: Wirtschaftlich hat der Tourismus auf Muhu vielerorts den Fischfang abgelöst. (Foto: Nordisch.info)

Den Bewohnern Koguvas kam diese Episode über Generationen hinweg zugute. Die hier ansässigen Fischer und Bauern vermochten ihren „freien“ Status jahrhundertelang zu wahren, was dem Dorf zu überdurchschnittlichem Wohlstand verhalf.

Verwinkelte Sträßchen, aus mehreren Gebäuden bestehende Gehöfte und dicke Natursteinmauern zeigen, dass die Uhren in Koguva noch etwas anders ticken. Die ehemalige Fährstation des Dorfes wurde bereits 1968 unter Denkmalschutz gestellt. Ein lohnendes Ziel für Inselbesucher.

Altehrwürdiges Herrenhaus Pädeste: ein 5-Sterne-Luxushotel

Auch der Adel hat sich auf Muhu eindrucksvoll verewigt. Das spätmittelalterliche Anwesen Pädeste beispielsweise liegt an der Großen Meerenge (Suur vain) im Süden der Insel und verweist auf eines der längsten Kapitel in der estnischen Geschichte.

Denn ab 1566 gaben sich auf Pädeste stets Mitglieder des privilegierten deutschen Adels die Klinke in die Hand. Zunächst Lehnsherr Johannes Knorr, dann folgten die Rosens, die Vietinghofs, die Aderkas, die Buxhoevedens, die Stackelbergs und die Bocks.

In seiner heutigen Form existiert das Herrenhaus jedoch erst seit 1875. Das an der Fassade angebrachte Wappen derer von Buxhoeveden klärt die Frage nach den Erbauern quasi im Vorbeigehen. Ansonsten verrät ein schneller Blick über das Anwesen: Pädeste wurde geschaffen, um es sich gut gehen zu lassen.

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Herrenhaus Pädeste: Hotel der Spitzenklasse im Süden von Muhu. (Foto: www.padaste.ee)

Das Herrenhaus ist heute das einzige estnische 5-Sterne-Hotel außerhalb der Hauptstadt Tallinn. Unglaublich romantisch, aber für hiesige Verhältnisse auch recht hoch im Preis. Selbiges gilt für das hauseigene Restaurant. Doppelzimmer gibt es für um die 200 Euro pro Nacht.

Insgesamt bietet das von Grund auf renovierte Herrenhaus 24 Gästezimmer der luxuriösen Art und einen nicht minder gehobenen Spa-Bereich. Pädeste ist in jeder Hinsicht ein Traum, daran besteht kein Zweifel.

Zugleich ist Pädeste als das „meernächste“ Gut des gesamten Baltikums bekannt. Von der Restaurantterrasse aus hat man so einen wunderbaren Blick auf die See. Die Parkanlagen sind für jedermann frei zugänglich.

Insel Muhu: Die sehenswerte Steilküste von Üügu

Im Norden der Insel – nahe Kallaste – befindet sich die sehenswerte Steilküste von Üügu. Sie besteht aus Dolomitgestein und fällt bis zu 10 Meter ab.

An ihrem Fuß hat das Meer über die Jahrtausende zwei Höhlen ausgespült, im Volksmund als Kitsekamber (Ziegenkammer) und Sokutuba (Bockstube) bekannt. Weitere Steilküsten finden sich südöstlich von Kallaste. Sie heißen Kautliku, Rannaniidi und Püssina.

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XXX: Eine von mehreren sehenswerten Steilküsten auf Muhu. (Foto: Nordisch.info)

Verwunderlich ist hingegen, dass bis auf das Püssina-Kliff alle genannten Steilküsten teils deutlich vom eigentlichen Ostsee-Ufer entfernt liegen – eiszeitliche Spätfolgen.

Der Grund: Mit dem Rückzug der schweren Eismassen Richtung Norden schwand sprichwörtlich aller Druck von den Schultern des Landes, und ein noch immer nicht abgeschlossener Prozess gigantischer Bodenerhebungen setzte ein. Hierdurch trotzt der Norden Europas der See Jahr für Jahr einige Millimeter ab. Bislang jedenfalls, denn der Klimawandel hat anderes im Sinn.

Andere Sehenswürdigkeiten der Insel Muhu tauchen dagegen fast beiläufig am Wegesrand auf. Bestes Beispiel hierfür ist die Windmühle von Eemu, die, obwohl bereits Ende des 19. Jahrhunderts erbaut, noch immer in Betrieb ist. Graubrot (leib) ist eines der Haupterzeugnisse des Ungetüms aus Stein und Holz.

Geschichte Muhu: Blutspur des Schwertbrüderordens

Weitaus weniger idyllisch mutet die Historie der estnischen Wallburg auf Muhu an. Überlieferungen zufolge wurde mit der Feste Anfang 1227 auch die letzte verbliebene Bastion vom Schwertbrüderorden eingenommen.

Die Kreuzzügler waren offenbar mit einem großen Heer aufmarschiert und bildeten einen undurchdringlichen Belagerungsgürtel, dem die Verteidiger nach rund einer Woche nachgeben mussten.

Laut Überlieferung wurden alle Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Eroberung in der Burg aufhielten – d. h. die Mehrheit der estnischen Inselbevölkerung – brutal niedergemetzelt. Verbliebener Rest der Anlage ist ein zerfurchter, rund 8 Meter hoher Erdwall, in dessen Zentrum schon 1928 ein Mahnmal errichtet wurde.

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Keine Sorge, hier spritzt kein Blut, sondern nur der Rotwein: Das Muhu Weinhaus Luscher & Matiesen im Dorf Vahtraste. (Foto: Nordisch.info)

Heute erblickt man an selbiger Stelle eine restaurierte Form des Gedenksteins samt stolzem Schriftzug: „Zu Ehren der mutigen Kämpfer, die im Kampf gegen die deutschen Eroberer im Jahre 1227 ihr Leben gelassen haben.“

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden dem Wall Steine entnommen und beim Bau des Dammes in Richtung Saaremaa eingesetzt. Im Zuge der Abtragungen kam ein Silberschatz zum Vorschein, der von den Verteidigern vermutlich erst kurz vor der Erstürmung durch die Kreuzritter vergraben worden war. Wenn man so will ein kleines Happy End an einem Ort großer (un-)menschlicher Tragik.

Weiterführende Infos und Attraktionen

Zwei weitere Attraktionen – jedoch moderner Prägung – sind ebenfalls einen Besuch wert:

  • Die (1) Straußenfarm mit ihrem kleinen Laden und einem „Anfasszoo“, wo man für wenig Geld diverse Arten des Riesenvogels mit Knabbereien versorgen kann.

  • Das (2) alljährlich Ende Juni stattfindende Future Music Festival, bei dem es für estnische Verhältnisse recht ordentlich zur Sache geht.

Beides zu finden in einem Dorf namens Nautse, nahe der Transitstraße Richtung Damm bzw. Saaremaa gelegen. Abschließend sei gesagt, dass alle aufgeführten Lokalitäten gut ausgeschildert und mit dem Auto oder dem Rad gut zu erreichen sind.

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Ganz schön was los, wenn der Anlass stimmt: das XXX. (Foto: Nordisch.info)

Obwohl die Insel vergleichsweise übersichtlich ist, tut man ihr mit nur einem Tag Aufenthalt fast Unrecht. Es gibt viel zu erblicken und zu bestaunen. Muhu ist eben mehr als nur eine kleine Insel vor der Küste Estlands.

  • Erreichbarkeit: Eine Fährverbindung zwischen dem estnischen Festland und Muhu besteht auf der Strecke von Virtsu (Festland) nach Kuivastu (Muhu). Die rund 10 Kilometer lange Fahrt dauert etwa eine halbe Stunde. Die modernen Fähren bieten bis zu 150 Fahrzeugen und 700 Gästen Platz. Trotzdem bittet der Anbieter Praamid – der auf der etwas nördlich gelegenen Strecke Heltermaa-Rohuküla übergens auch Hiiumaa ansteuert – um frühzeitige Online-Buchung. Nachfolgend der Link hierzu.

  • Webseite: www.praamid.ee (auf Englisch)

  • Herrenhaus Pädeste: Das Herrenhaus Pädeste lässt so gut wie keine Wünsche offen. Das Restaurant ist mehrfach ausgezeichnet, es gibt einen hervorragenden Spa-Bereich, schöne Außenanlagen und wunderbare Zimmer – verteilt auf mehrere Häuser, die sich auf dem Gelände befinden. Kurz: Man darf das Ganze guten Gewissens als Luxus bezeichnen, weshalb auch die Preise für estnische Verhältnisse „luxuriös“ ausfallen. Weitere Infos gibt es auf der offiziellen Homepage des Herrenhauses.

  • Webseite: www.padaste.ee (auf Englisch)

  • Fischerdorf Koguva: Das an der Westküste der Insel Muhu gelegene Dorf Koguva ist ein Paradebeispiel für klassisch estnische Bauernarchitektur. Und mehr noch: Es verkörpert als Freilichtmuseum sprichwörtlich den Freigeist seiner ehemaligen Bewohner. Denn die Bauern von Koguva waren frei – und keine Leibeigenen. Das Dorf lässt seine Besucher unaufdringlich teilhaben am traditionellen Leben der Bauern in Estland. In verschiedenen Ausstellungen wird zudem die Geschichte der Insel beleuchtet. Inklusive Volkstrachten, alter Dorfschule und einem Museumsladen.

  • Webseite: www.muhumuuseum.ee (auf Englisch)

Unser QUIZ zum Thema ESTLAND

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