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Sehenswürdigkeiten Englands

Stonehenge – die bekannteste Steinkreis-Anlage der Welt

Die Steinkreisanlage Stonehenge liegt im mittleren Süden Englands, in der Grafschaft Wiltshire nahe der Stadt Salisbury. Das mystische Areal ist aufgrund seiner monumentalen Ausmaße und der schier unvorstellbaren Leistung der Erbauer weltweit bekannt.

Stonehenge Sehenswürdigkeit England
Steinkreisanlage Stonehenge – vielleicht die berühmteste Sehenwürdigkeit Englands.
(Foto James Jang)
Entstanden ist Stonehenge ausgehend von der Jungsteinzeit in drei Bauphasen, wobei heutigen Schätzungen zufolge bis zu 500 Menschen gleichzeitig am Transport der riesigen Felsblöcke beteiligt gewesen sein müssen. Über die exakte ursprüngliche Bestimmung der Anlage streitet die Fachwelt hingegen bis heute. Wie dem auch sei: Stonehenge ist ein Muss für alle Englandbesucher, die es gerne historisch mögen.

Aufbau von Stonehenge

Ganze Anlage Stonehenge
Computer-Grafik der Stonehenge-Gesamtanlage.
Stonehenge bezeichnet eine Grabenanlage, die von einer aus mehreren Steinkreisen bestehenden Megalith-Struktur umgeben wird. Am beeindruckendsten sind der äußere Kreis – bestehend aus Pfeilersteinen, die von Decksteinen überbrückt werden – und die innere, fast hufeisenförmige Anordnung. Die Anlange besteht aus insgesamt drei Teilen: der (1) Avenue von Stonehenge zum nahegelegenen Fluss Avon, der (2) Wall- und Grabenanlage und der (3) Steinkreisanlage.

Die Avenue
Die Avenue beginnt am nordöstlichen Rand von Stonehenge. Sie ist auf die Sommer- und Wintersonnenwende ausgerichtet, knickt dann aber fast exakt nach Osten ab und führt später Richtung Südosten zum Fluss Avon.

Die Wall- und Grabenanlage
Die Anlage ist von einem Wall und einem Graben umgeben, der früher einmal 2 Meter tief bzw. hoch war. Heute sind davon nur noch die Ansätze zu sehen. Am nördlichen Teil befindet sich der Ausgang zur Avenue.

Steinkreisanlage
Die innere Steinkreisanlage besteht aus 5 Trilithen, die hufeisenförmig aufgestellt sind. Der mittlere Stein ist stolze 7 Meter hoch, die anderen jeweils 6 Meter. Hinzu kommen die Blausteine, die zur Mitte der Anlage vor den Trilithen stehen. Die äußere Steinkreisanlage besteht hingegen aus zwei Steinkreisen: dem äußeren Trilithen-Steinkreis und dem konzentrisch darin befindlichen Blaustein-Kreis.

Stonehenges Entstehung

Fotografie Stonehenge
Eine frühe Fotografie von Stonehenge, aufgenommen im Juli 1877. (Public Domain)
Stonehenge wurde in der Jungsteinzeit begründet und mindestens bis in die Bronzezeit aktiv benutzt. Errichtet wurde die Stätte in mehreren Abschnitten, über einen Zeitraum von etwa 2000 Jahren hinweg. Die letzten kultischen Nutzungen werden etwa auf das 7. Jahrhundert n. Chr. datiert.

Erst im 20. Jahrhundert haben archäologische Untersuchungen verlässliche Informationen über die Entstehung Stonehenges hervorgebracht. Seither ist bekannt, wann und in welcher Reihenfolge die verschiedenen Strukturen erbaut wurden.

So haben die Untersuchungen ergeben, dass Stonehenge in drei Bauphasen in der Zeit von etwa 3000 bis 1500 v. Chr. entstanden ist. Die Frühphase der Anlage datiert auf etwa 3100 v. Chr., die beeindruckende Megalith-Struktur geht wahrscheinlich aus einer Periode zwischen 2500 und 2000 v. Chr. hervor.

Klar ist: Es müssen gewaltige Kraftanstrengungen gewesen sein, Stonehenge zu errichten. Millionen von Arbeitsstunden, aber auch viel Raffinesse bei der Planung und Umsetzung müssen der Schlüssel zum Erfolg gewesen sein. Bedenkt man, wie wenig technologisiert die Welt von damals war, wird die Existenz von Stonehenge umso unfassbarer.

3000 – 2100 v. Chr.
Aus der ersten Bauphase existiert nur noch der Ringwall, der die Stätte umgibt. Dieser war ursprünglich um die 2 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 114 Metern. Es gehörte auch noch ein etwa 2 Meter tiefer Außengraben dazu, dessen Durchgang in die Stätte mit zwei Steinblöcken markiert war. Außerhalb des Eingangs befanden sich der „Heel Stone“ sowie ein freistehendes Holztor. An der Innenseite des Walls existierte ein Ring aus 56 Erdgruben, die lange Zeit als Gräber dienten. Am Ende der ersten Bauphase wurden höchstwahrscheinlich die vier „Station Stones“ hinzugestellt.

2100 – 2000 v. Chr.
Die Anlage wurde von neuen Siedlern erweitert, Teile der Avenue wurden angelegt und der Felsenstein mit einem magischen Zirkel umrandet. Aus Wales wurden 4 Tonnen schwere Blausteine (Dolorit) herangeschleppt und im Abstand von 1,8 Metern in zwei Kreisen aufgestellt. Die Arbeit hierzu wurde aber abgebrochen.

Um 2000 v. Chr.
In der Frühbronzezeit ging es schließlich weiter. Es wurden aus den Marlborough Downs 50 Tonnen schwere Sandsteinblöcke herangeschleppt, die zu fünf Trilith-Konstruktionen in hufeisenförmiger Anordnung aufgestellt wurden – die mittlere 7 Meter hoch, die anderen etwa 6 Meter. Um dieses Hufeisen wurde ein 4,5 Meter hoher Steinring aus 30 Sandsteinblöcken (je 25 Tonnen schwer) errichtet, auf dem ringsherum Balken aus dicken Steinplatten lagen. Später sollten Blausteine in zwei Kreisen um den Sandsteinring gestellt werden. Ein Versuch, der dann aber irgendwann abgebrochen wurde.

Um 1500 v. Chr.
In dieser Zeit erhielt Stonehenge sein heutiges Aussehen. Im Inneren wurde ein Hufeisen aus einzelnen Blausteinen gebaut, in die Mitte wurde ein Altartstein gestellt. Konzentrisch zwischen die Sandsteinringe kamen Stelen aus Blaustein. Besondere Beachtung muss man der Leistung der Erbauer schenken: Die Materialien wurden über Entfernungen transportiert, die für die damalige Zeit unvorstellbar groß waren.

So kamen beispielsweise die Blausteine, eine Basaltart, aus den Preseli Hills in Südwales – also aus etwa 200 Kilometern Entfernung. Die Sandsteinfindlinge wurden in kräftezehrenden Märschen auf Schlitten fortbewegt. Je nach Untergrund und Steigung müssen daran 250 bis 500 Mann beteiligt gewesen sein. In Stonehenge angekommen, wurden die Steine dann bearbeitet, bis sie passten.

Sagen und Legenden um Stonehenge

Um die geheimnisvolle Kultstätte ranken sich viele Sagen und Legenden. Lange wurde das gigantische Bauwerk den Druiden zugeschrieben. Oft wird Stonehenge auch mit der Artussage in Verbindung gebracht. Doch es gibt auch ganz andere Erklärungsansätze für den Mythos Stonehenge.

Stonehenge und die Artussage

König Artus
König Artus mit Excalibur am Tintagel Castle, Westküste Cornwalls. (Foto Greg Montani)
Stonehenge wird häufig mit der Artussage in Verbindung gebracht. So behauptete Geoffrey von Monmouth, ein britischer Geistlicher und Gelehrter des 12. Jahrhunderts, in seinem Werk „Historia Regum Britanniae“, Merlin habe Stonehenge aus Irland nach England gebracht. In Irland sei es auf dem Berg Killaraus von Riesen erbaut worden, die die Steine aus Afrika geholt hatten. Nach dem Wiederaufbau von Stonehenge in England sollen nacheinander Ambrosius Aurelianus, Uther Pendragon und Konstantin III. im Kreisinneren begraben worden sein. Geffrey reicherte jedoch lediglich britische Legenden mit seiner eigenen Fantasie an, nichts davon ist historisch belegt.

Sage um den Fersenstein

Heel Stone Fersenstein
Im Vordergrund der Fersenstein, Heel Stone. (Foto BeerAndLoathing)
Der Fersenstein („Heel Stone“) wurde früher einmal Friar’s Hell („Mönchsferse“) genannt, in Anlehnung an eine Sage aus dem 17. Jahrhundert. Dieser Sage nach kaufte der Teufel die Steine bei einer Frau in Irland und brachte sie zur Salisbury Plain. Einer dieser Steine fiel dem Teufel jedoch in den Fluss Avon, die restlichen Steine legte er in der Ebene ab. Er schrie: „Niemand wird je erfahren, wie diese Steine hierhin kamen.“ Darauf antwortete ihm ein Mönch: „Das glaubst aber auch nur du!“ Daraufhin warf der Teufel mit einem der Steine nach dem Mönch und traf ihn an der Ferse. Der Stein steckte nun im Boden fest und kam so zu seinem Namen.

Begriffe rund um Stonehenge

Eine Liste von Begriffen rund um Stonehenge, in alphabetischer Reihenfolge und mit Erklärung.

Blaustein
– (Dolorit) ist eine Basaltart, die in diesem Fall aus den Preseli Hills in Südwestwales aus über 200km Entfernung stammt.

Dolorit
– siehe Blaustein.

Dreistein
– siehe Trilith.

Trilith
– Trilithen (Dreisteine) sind Steinkonstruktionen, bei der zwei Steine senkrecht nebeneinander auf dem Boden stehen und ein dritter quer auf ihnen. Das ganze sieht dann aus wie ein umgedrehtes „U“.

Megalithen
– Megalithen sind große, oft unbehauene Steinblöcke, die als Bausteine für Kult- und Grabanlagen verwendet wurden.

Salisbury Plains
– Salisbury Plains meint eine Ebene aus Kreide in Südengland. Sie ist bekannt für ihre vielen archäologischen Fundstellen, von denen Stonehenge am bekanntesten ist.

Sarsen
– Sarsen bezeichnen die Sandstein-Findlinge, aus denen die Trilithen bestehen. Sie wurden über hügeliges Land aus 120 bis 180 Meter Höhe auf Schlitten von 250 Mann, an Berghängen von bis zu 1000 Mann fortbewegt.

Stonehenge heute

Seit 1918 gehört Stonehenge dem englischen Staat. Die Anlange steht unter der Obhut von „English Heritage“, einem Verein, der in ganz England Schlösser, Burgen und andere Stätten der englischen Kultur unterhält und pflegt. Bis vor einigen Jahren konnte man noch beliebig in der Anlage herumlaufen. Mittlerweile gibt es Wege, auf denen man bleiben muss. Wie so häufig sollen Souvenirjäger der Grund dafür sein, dass man sich für diese Einschränkung entschied. Spektakulär bleibt Stonehenge trotzdem, versprochen. Seit 1986 zählt die UNSECO die Stätte zum Weltkulturerbe.

Anreise mit der Bahn
Ab London, Exeter, Plymouth, Bristol oder Southampton gibt es klasse Direktverbindungen nach Salisbury. Vom Bahnhof der Stadt fahren dann Busse weiter zum Besucherzentrum von Stonehenge.

Anreise mit dem Auto
Stonehenge ist weiträumig so gut ausgeschildert, dass man das Navi eigentlich zuhause lassen kann. Die Anlage befindet sich nahe der Kreuzung A303/A360. Ab hier führt eine Stichstraße zum Besucherzentrum, wo es Parkplätze gibt.

Anreise mit dem Schiff
Auch das ist möglich, denn Stonehenge ist ein beliebtes Ausflugsziel für Passagiere von Kreuzfahrtschiffen. Vom Hafen in Southampton kommend, wird der Besuch von Stonehenge häufig mit anderen Zielen verbunden (beispielsweise einer Besichtigung der nahe gelegenen Stadt Salisbury).

Kosten
Der Besuch von Stonehenge ist nicht eben günstig. Tickets für Erwachsene reichen an die 20 Pfund. Familienpässe (bis zu drei Kinder) sind für etwa 50 Pfund zu haben. Dazu Getränke, Essen, das Übliche. Und schnell ist man bei einem hübschen Sümmchen. Aber: Stonehenge lohnt sich. Ein Ort, den man gesehen haben muss.

Stephan Hartmann

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