Facebooktwitterpinterestrssinstagram

Tauchgang zum Wrack der gesunkenen Fähre

MS Estonia: Schwedisches Gericht verurteilt Dokumentarfilmer wegen Schändung einer Grabstätte

Das Bezirksgericht Göteborg hat in einer sehr sensiblen Angelegenheit ein eindeutiges Urteil gefällt: Per Urteil wurden zwei Dokumentarfilmer schuldig gesprochen, 2019 bei einem Tauchgang zum Wrack der Ostsee-Fähre MS Estonia Schändung einer Grabstätte begangen zu haben.

Estonia Estline Fähre
Die Fähre Estonia des estnisch-schwedischen Unternehmens EstLine. (Quelle: EstLine/Facebook)
Laut ERR.ee sind die beiden Filmemacher aus Schweden, die damals für ein Projekt des Discovery Networks einen ferngesteuerten Tauchroboter zum Grund der Ostsee schickten, zu einer Geldstrafe von insgesamt fast 4.000 Euro (ca. 40.000 Schwedische Kronen) verurteilt worden.

Viel schwerer als diese Strafe dürfte allerdings das Signal wiegen, das von dem Urteil ausgeht. Schließlich hatte es nach der Veröffentlichung der Aufnahmen vom Wrack der Fähre viel Kritik am Vorgehen der Filmemacher gegeben.

Und zwar parallel zu neuen (und in der Sache durchaus gerechtfertigten) Spekulationen über die Ursache der Katastrophe, bei der am 28. September 1994 insgesamt 852 Menschen jäh aus dem Leben gerissen wurden.

Entsprechend hatte das Gericht abzuwägen, was denn nun den Vorrang hat: das Recht auf Informationsfreiheit zu einer bis dato nie abschließend geklärten Katastrophe oder aber das starke Interesse der Hinterbliebenen an einer Wahrung der Grabesruhe. Ein Grenzfall, keine Frage.

Hintergrund: Bei den im September 2019 veröffentlichten Bildern kamen bis zu diesem Zeitpunkt unbekannte Schäden am Wrack zum Vorschein. Im Fokus der Spekulationen stand ein metergroßer Riss am Rumpf, der letztlich eine neue Untersuchung zur Ursache des Untergangs eingeleitet hat.

In der Unglücksnacht war die MS Estonia mit insgesamt fast 1.000 Menschen an Bord auf dem Weg von Tallinn (Estland) LINK nach Stockholm in Schweden, als bei schwerer See Wasser in den Rumpf der Fähre eindrang.

Gegen 1.30 Uhr in der Frühe riss der Funkkontakt zur MS Estonia dann auf etwa halber Strecke ab. Die Fundstelle des Wracks wurde 1995 von Schweden, Finnland und Estland offiziell zu einer Grabstätte erklärt.

Nach der Veröffentlichung der Bilder hatte Schweden seine Rechtsnormen geändert (LINK: https://www.nordisch.info/schweden/schwedens-regierung-ebnet-weg-fuer-neue-estonia-untersuchung/), um besagte Neuuntersuchung zum Katastrophenhergang zu ermöglichen. Diese ist aktuell noch im Gange, mit ersten Ergebnissen wird im Herbst dieses Jahres gerechnet.

Unser QUIZ zum Thema SCHWEDEN

Sie wollen diesen Beitrag teilen?

Facebooktwitterredditpinterestmail
guest

0 Comments
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen