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„Zeitkapsel geöffnet“

Frühneuzeitliches Stadtviertel im Zentrum von Tartu entdeckt

Beim Bau eines neuen Universitäts-Gebäudes sind in zentraler Lage von Tartu großflächig alte Gemäuer und Gegenstände zum Vorschein gekommen. Das berichtet Err.ee.

archäologischer Fund Tartu
Im Hintergrund das Hauptgebäude der Universität Tartu im Zentrum der Stadt.
(Foto: Neil Howard, CC BY-NC 2.0)
Die freigelegten Mauerwerkstrukturen sollen auf die Zeit des Großen Nordischen Krieges datieren (1700 bis 1721), als Tartu nahezu komplett zerstört wurde. Die gefundenen Gegenstände stammen aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit.

Es ist davon auszugehen, dass die Funde die Archäologen vor Ort für längere Zeit in Beschlag nehmen werden. Denn im Grunde wurde beim Öffnen des Asphalts so etwas wie eine Stadt unter der Stadt freigelegt.

Zwar ein Geschenk für die Forschung, aber auch eine gewaltige Herausforderung für die Stadt und ihre Bewohner. „Das Untersuchungsgebiet ist mehrere tausend Quadratmeter groß“, gab der Archäologe Rivo Bernotas bekannt.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Tartu wurde im Großen Nordischen Krieg bis aufs Mauerwerk nahezu komplett zerstört. „Man kann also sagen, dass wir hier mit dem Asphalt eine frühneuzeitliche Zeitkapsel geöffnet haben“, sagt Bernotas.

Das gesamte Viertel sei in seiner Grundsubstanz genauso geblieben, wie es bei seiner Zerstörung im Jahr 1708 war. Bislang wurden bereits mehrere alte Heizsysteme freigelegt.

Daneben kam eine Reihe von Haushaltsgegenständen zu Vorschein. Auch Tier- und Fischknochen konnten geborgen werden, von denen man sich neue Erkenntnisse über die Ess- und Zuchtgewohnheiten früherer Epochen erhofft.

Und die Spannung steigt mit jedem Meter Tiefe. Bernotas und seine Kollegen sind nämlich davon überzeugt, dass die besten Funde wahrscheinlich erst drei bis vier Meter unter dem aktuellen Suchniveau zum Vorschein kommen.

Für Bernotas kommt das Ganze einem Sechser im Lotto gleich: „Es ist ein sehr aufregendes Gefühl, zu diesem historischen Puzzle beitragen zu dürfen.“

Und vor allem: „Es kommt nicht jeden Tag vor, dass man mehrere Tausend Quadratmeter einer denkmalgeschützten Altstadt untersuchen kann.“ Auf Tartu scheinen sehr spannende Monate zu warten.

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sh

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