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„Gefährlicher Krimineller“

Schottland: Rufe nach generellem Einreiseverbot für Trump werden lauter

Als Mary Anne MacLeod Trump 1912 auf einer schottischen Hebrideninsel das Licht der Welt erblickte, hätte wohl niemand zu träumen gewagt, dass ihr Sohn Donald einst der mächtigste Mensch auf Erden werden würde – Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Donald Trump Einreiseverbot Schottland
Die Schotten waren nie Fans von Donald Trump: „Dump Trump“, „Stop Trump Now“, „No To Racism“ steht da u.a. auf Plakaten des Protestmarsches von Holyrood im Juli 2018. (Foto: kaysgeog, CC BY-NC-ND 2.0)
Ob diese Verbindung zu Schottland für Donald Trump eine Herzensangelegenheit darstellt, sei einmal dahingestellt. In jedem Fall aber gibt es eine starke wirtschaftliche Komponente, da der scheidende US-Präsident im Geburtsland seiner Mutter kräftig in Golfanlagen investiert.

Und da schließt sich bereits der Kreis zum bevorstehenden 20. Januar 2021, jenem Tag also, an dem Trumps mit „kontrovers“ noch wohlwollend beschriebene Episode als US-Präsident enden wird.

In seiner (aller-)letzten Twitter-Botschaft hatte Trump angekündigt, der Amtseinführung seines demokratischen Nachfolgers Joe Biden fernbleiben zu wollen.

Das veranlasste einerseits Twitter dazu, Trumps Account endgültig zu sperren (man wertete die Ankündigung als einen möglicherweise versteckten Aufruf zur Erstürmung der Veranstaltung).

Andererseits stellt sich damit die Frage: Was gedenkt Trump am Tag seines Machtverlustes zu tun, wenn er schon nicht seinem Nachfolger die Ehre erweist?

Gerüchteweise hatte es schon vor Wochenfrist geheißen, Trump könne den Tag nutzen, um auf seiner Golfanlage in Schottland ein paar Bälle fliegen zu lassen.

Ein Szenario, das von außen betrachtet zumindest Sinn ergeben hätte, wäre da nicht die Corona-Pandemie mit all ihren Einreisebeschränkungen, die laut der schottischen Regierungschefin Nicola Sturgeon natürlich auch für Trump gelten würden.

Ein Golfurlaub sei sicherlich kein triftiger Grund, um nach Schottland zu reisen, hatte Sturgeon die Gerüchte süffisant kommentiert und möglichen Hoffnungen Trumps auf eine präsidiale Ausnahmeregelung gleich mal eine klare Absage erteilt.

Das war – wohl gemerkt – Tage vor der Erstürmung des Kapitols durch Trump-Anhänger am vergangenen Mittwoch. In einem Zeitfenster also, als Trump-Befürworter sich noch die plumpe Freiheit nehmen konnten, die anhaltenden Warnungen vor möglicherweise ernsthaften Konsequenzen der Rhetorik ihres Präsidenten als reinen Alarmismus abzutun.

Nach den verstörenden Bildern von Washington ist jedoch alles anders. Und seither, so scheint es, stellt man sich in Schottland die Frage, ob man Trump nicht prinzipiell (und damit auch abseits von Corona) zur persona non grata erklären müsse.

Laut einem Bericht auf The Scotsman unterstützt eine wachsende Zahl von Politikern in Schottland diese Forderung.

Trump sei, so heißt es in dem Bericht unter Berufung auf mehrere hochrangige Politiker, inzwischen als ein „gefährlicher Krimineller“ zu betrachten, der strafrechtlich verfolgt werden sollte. Genug Grund also, ihn mit einem generellen Einreiseverbot zu belegen.

Die Bewertung der Angelegenheit liegt nun beim schottischen Innenministerium. Zu prüfen wird sein, so steht es in den Statuten, ob von einer Person, deren Einreiseberechtigung auf der Kippe steht, eine „Bedrohung für die britische Gesellschaft“ ausgeht.

Auch das hätte Mary Anne MacLeod Trump wahrscheinlich nie zu träumen gewagt.

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sh

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