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„Abrechnung mit Männern in Machtpositionen“

Russell Crowe spielt Rothko, Aisling Franciosi auch

Wenn man damals in der Küche saß und aus dem Fenster blickte, sah man das Russische Kaiserreich. Es ist 1903 und wir befinden uns in Daugavpils, einer Stadt im heutigen Lettland. Zar Nikolaus II. regiert autokratisch, sich dabei auf Armee und Geheimpolizei stützend. Nicht auf die Zustimmung durch die Bevölkerung.

Rothko Film Russell Crowe
Russell Crowe mit Nicole Kidman im Film „Der verlorene Sohn“.
(Foto: Focus Features – © 2018 Focus Features)
Die Bevölkerung im Kaiserreich ist unzufrieden mit der grassierenden Korruption und der sozioökonomischen Ungerechtigkeit, die in der Gesellschaft vorherrscht. Japan steht kurz davor, Nikos Zarenreich ohne eine vorherige Kriegserklärung, eine japanische Spezialität, anzugreifen. Russland wird den Krieg (1904-1905), und Nikolaus II. abermals an Ansehen in der Bevölkerung verlieren.

Eine komplizierte Zeit, in die Marcus Rotkowitsch als viertes Kind einer jüdischen Apothekersfamilie geboren wird. Wir ahnen es schon – wir ahnten es ja schon bei der Überschrift -, von wem die Rede ist: von dem berühmten Sohn Daugavpils‘, der später in Lettland als Marks Rotko und in den USA und der übrigen Welt unter dem Namen Mark Rothko als großer Künstler in die Weltgeschichte eingehen wird.

Es scheint ein Baustein der menschlichen Natur zu sein, in komplizierten Zeiten nach einfachen Antworten zu suchen. Die einfachste Antwort auf alle Probleme lautet damals: die Juden sind schuld. Im Zarenreich kam es zu zahlreichen antisemitischen Pogromen, die Familie Rotkowitsch sah sich gezwungen, in die Fremde zu ziehen. 1910 ging der Vater vor, nach Portland, USA, 1913 zog die restliche Familie nach.

Die USA ist das Land, wo aus dem Familiennamen Rotkowitsch Rothkowitz wurde und aus Marcus Rothkowitz noch später Mark Rothko, der heute von Russell Crowe in einem Film dargestellt wird. Die Dreharbeiten sollen im Sommer 2021 beginnen.

Mark Rothko war ein bedeutender Maler des Abstrakten Expressionismus und Wegbereiter der Farbflächenmalerei, einer Ausdrucksform der zeitgenössischen Kunst, die sich durch großflächige, homogen gefüllte Farbfelder auszeichnet. Kurz gesagt: 2007 wurde sein Gemälde White Center (Yellow, Pink, and Lavender on Rose) bei Sotheby’s für 65 Millionen US-Dollar versteigert; damals der höchste, je erzielte Preis für ein zeitgenössisches Kunstwerk.

Und Russel Crowe? Der hat schon alles gespielt: mal kraftstrotzend (Gladiator, Robin Hood), mal einfühlsam (A beautiful Mind), mal beides auf einmal (L.A. Confidential).

Und nun scheint man ihm zuzutrauen, der Richtige für Rothkos Lebenswerk zu sein. Sicherlich eine spannende Entscheidung.

Der Film Rothko

Im Sommer 2021 werden die Dreharbeiten zum Film mit dem Originaltitel „Rothko“ beginnen (der deutsche Titel wird sicherlich noch einen Zusatz erhalten, den die Vermarkter für verkaufsfördernd halten). Das Ensemble ist nicht nur mit Russel Crowe hochrangig besetzt, sondern auch mit Aisling Franciosi (The Nightingale), Aaron Taylor-Johnson (Tenet), Michael Stuhlbarg (Shirley) und Jared Harris (Chernobyl). Regie führt die Britin Sam Taylor-Johnson.

Der Film befasst sich nicht nur mit Mark Rothko selbst, sondern vor allem mit seiner Tochter, Kate Rothko (gespielt von Aisling Franciosi), und ihrem vor Gericht ausgefochtenen Kampf um das Vermächtnis ihres Vaters.

Es geht um den realen Rothko-Prozess – und die Ereignisse, die ihm vorausgingen.

Mit 19 Jahren findet sich Kate Rothko plötzlich als Waise und Mutter ihres jüngeren Bruders Topher (7 Jahre) wieder. Ihr manisch-depressiver Vater hatte sich kurz zuvor das Leben genommen.

Allein und unerfahren, wendet sie sich an die drei engsten Freunde ihres Vaters – den Anthropologie-Professor Morton Levine, den halbwegs erfolgreichen Maler Theodore Stamos und den Buchhalter und Galeristen Bernard J. Reis.

Als sie entdeckt, dass diese Männer einen ausgeklügelten Plan ausgeheckt haben, um Mark Rothkos Kunst auf betrügerische Weise zu veräußern, setzt sie Himmel und Erde in Bewegung, um diesen eklatanten Verrat an ihrem Vater zu verhindern. Eine scheinbar machtlose junge Frau nimmt es mit einer skrupellosen Gruppe von mächtigen Männern auf – und gewinnt.

„Rothko ist nicht nur ein Film über den großen Künstler, sondern vielmehr eine zeitlose Geschichte über richtig und falsch“, sagt die Regisseurin Taylor-Johnson in einem Statement. „Es ist Kate Rothkos Reise, um die bahnbrechenden Gemälde vor den korrupten Männern zu schützen, die ihren Vater verraten und seine Kunst gestohlen haben; es ist eine Abrechnung mit Männern in Machtpositionen, die alles versuchen, um das Vermächtnis ihres Vaters zu zerstören.“

Die Geschichte basiert auf dem Buch der Journalistin Lee Seldes, „Das Vermächtnis Mark Rothkos“, die beim Prozess anwesend war und 14.500 Seiten Protokoll durchgearbeitet hatte. Es ist ein Buch über eine große Verschwörung in der Kunstwelt, die in einem Gerichtsprozess aufgedeckt wurde. Das Drehbuch schrieb Lara Wood.

Der Erscheinungstermin für den Film ist noch nicht bekannt, vermutlich kommt er im Laufe des Jahres 2022 in die Kinos. Wir bestellen jedenfalls schon mal die Karten vor.

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ap

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