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Existenzielle Laune der Natur

Irland: Mysteriöser See flutete 2016 kleine Ortschaft – und will seither einfach nicht weichen

Eine normalerweise recht harmlose Laune der irischen Natur sind Seen, die sich mal eben bilden und binnen weniger Tage wieder verschwinden – je nach Witterung. Turloughs werden diese mysteriösen Gewässer in Irland genannt.

(YouTube-Video mit Vergleichsbildern und Drohnenkamera-Flug über Lough Funshinagh)

Ihr Geheimnis liegt im Untergrund, wo es Strukturen gibt, die das allmähliche Abfließen des gestauten Regenwassers ermöglichen. Daher kommt es vor, dass Landschaften, die heute noch einen guten Meter unter Wasser stehen, schon übermorgen wieder komplett trocken sind. Als hätte jemand in der Wanne den Stöpsel gezogen.

Was aber passiert, wenn sich der Stöpsel mal nicht mehr lösen lässt? Wenn er schlichtweg feststeckt? Diesen ungewöhnlichen Fall erleben seit nunmehr sechs Jahren die Anwohner des Lough Funshinagh im Zentrum Irlands, der sich 2016 nach starken Regenfällen bildete – und seither einfach in der Gemeinde blieb.

Entlang der Wasserlinie sind längst Häuser verloren, andere existenziell bedroht. Daher muss man nicht vor Ort sein, um sich vorstellen zu können, was für eine Zumutung Lough Funshinagh für seine Anwohner längst geworden ist.

Die Lösung für das Problem hätte eigentlich ein vier Kilometer langer Entwässerungskanal zum nahe gelegenen Fluss Shannon werden sollen. Aber auch dazu kommt es nun wohl nicht, weil der Regionalrat die laut EU-Recht notwendige Prüfung der Umweltverträglichkeit verdaddelt hat. Keine Prüfung, kein Kanal, lautet nun der Status quo.

Beim nächsten Unwetter hilft vielleicht nur noch der Umzug in den 1. Stock

Für die von den Fluten bedrohten Anwohner ist das natürlich ein Schlag ins Gesicht. Zumal hier viele der Meinung sind, dass bei vergleichbaren Bedrohungen in Dublin und Küstenumgebung Politik und Wissenschaft längst alle Hebel in Bewegung gesetzt hätten, um das Problem zu lösen. Aber eben nicht hier, auf dem platten Land.

Der Guardian berichtet in einem aktuellen Artikel über die Situation. Die Rede ist von Sandsäcken-Wällen, die als Schutz vor einem weiteren Anstieg des Pegels seit Jahren das Bild der Ortschaft prägen. Möglich, dass beim nächsten Unwetter nur noch der Umzug in den 1. Stock hilft. Man weiß es nicht.

Landkarte Lough Funshinagh
Die ungefähre Lage von Lough Funshinagh. (Quelle: Wikipedia)

Doch nicht nur die Menschen, auch bestimmte Tierarten, die eigentlich von der früheren Saisonalität des Sees lebten, leiden unter den Umständen. Seltene Schwäne und Vogelarten, die hier sonst heimisch waren, sind längst verschwunden. Auch das wurmt die Anwohner.

Das Ganze sei eine „schreckliche Plage“ für die Gemeinde, sagt ein älterer Herr. „Hier ist niemand der Gewinner, nur das Gesetz“, lässt eine Dame ihrem Frust freien Lauf. Wohl das Schlimmste: So recht weiß derzeit niemand, wie es am Lough Funshinagh weitergeht.

Nach Angaben der International Association of Hydrogeologists stieg der Wasserspiegel des Gewässers 2016 schlagartig um rund zwei Meter über Normalniveau. In einem Gutachten rechnete man später mit einer Abflusszeit von etwa zwei Jahren. 2018 war das.

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