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Iwangorod

Estland: In Grenzstadt Narva abgebautes Sowjetdenkmal wird 1-zu-1 ersetzt – auf russischer Seite

Man ist fast genötigt, diesen Schritt der russischen Behörden als kindisch zu bezeichnen. Wenige Tage nach dem viel diskutierten Abriss eines sowjetischen Panzerdenkmals in der estnischen Grenzstadt Narva kommt nun ein Konter aus Russland, der so nicht zu erwarten war.

Panzer Denkmal Narva
Das T-34-Denkmal als es noch an seiner Stelle nördlich von Narva stand.
(Archivbild: Mark Vegas / CC BY-SA 2.0)
Dabei geht es nicht um militärische Drohungen oder diplomatisches Gezänk, wie es derzeit an der Tagesordnung steht, sondern um einen symbolischen Akt mit ziemlich großem „Kindergarten“-Faktor.

Denn: Die russische Seite hat angekündigt, eine Monument-Kopie des T-34-Panzers sowjetischer Bauart kurzerhand in Iwangorod errichten zu wollen – lediglich einen Steinwurf vom estnischen Original entfernt. Nur eben in Russland, wo weder Tallinn noch Brüssel irgendetwas zu kamellen haben.

Der Gouverneur der Region Iwangorod, Viktor Karpenko, sagte gegenüber ERR.ee: „Ja, es ist geplant, einen T-34-Panzer aufzustellen. Es handelt sich um eine exakte Kopie des Denkmals, den die estnischen Behörden in Narva demontiert haben.“

Das Denkmal soll bereits am 11. September mit einer feierlichen Enthüllung aufgestellt werden. „Leider hat Estland uns weder einen Bronzesoldaten noch einen Panzer geschenkt, sodass wir beschlossen haben, eine Kopie aufzustellen“, lautet der bissige Kommentar Karpenkos.

Natürlich ist den russischen Behörden nicht entgangen, dass in Estland und andernorts in Nordosteuropa derzeit immer mehr Monumente mit Sowjet-Bezug abgebaut bzw. abgerissen werden. Als direkte Reaktion auf den furchtbaren Krieg, den Russland gerade in der Ukraine führt.

„Viele Einwohner von Narva bedauern sehr, dass die Erinnerung an die Toten des Großen Vaterländischen Krieges zerstört wurde“, lautet hingegen die Einschätzung von Karpenko mit Bezug zum 2. Weltkrieg.

Dazu muss man wissen: Narva ist nun einmal Grenzstadt und hat einen hohen Anteil russisch-stämmiger Einwohner. Entsprechend kontrovers wurde der Beschluss der Regierung in Tallinn, den T-34 abzureißen, hier in den vergangenen Tagen begleitet.

Es heißt, ein Stadtrat von Narva, Vladimir Žavoronkov, hätte in der Angelegenheit gerne anders gehandelt. Im Raum steht sogar eine Klage gegen den Staat wegen der Entfernung des Panzers. In der kommenden Woche soll darüber beratschlagt und entschieden werden.

Die Bürgermeisterin der Stadt, Katri Raik, hat allerdings angekündigt, dass sie rechtliche Schritte wegen des denkmals ablehne, und erklärte, sie werde zurücktreten, falls der Stadtrat den Staat verklagte.

Ob estnische Bürger an der Einweihung des neuen Denkmals in Iwangorod teilnehmen dürften, wurde Karpenko noch gefragt. „Das ist wahrscheinlich“, lautete die Antwort.

Hintergrund: Der Umgang mit Sowjet-Monumenten ist aktuell ein Streitthema sondergleichen. Und zwar nicht nur zwischen beispielsweise Tallinn und Riga auf der einen und Moskau auf der anderen Seite. Sondern auch innerhalb der Länder, in denen abgebaut und abgerissen wird.

Im Zentrum steht dabei die Frage, ob es sich bei den Monumenten um angebrachte Symbole der Befreiung von Nazi-Deutschland oder aber um völlig unangebrachte Symbole der danach folgenden Sowjet-Besatzung handelt. Die Gesetzgebung in den drei baltischen Staaten ist da beinah eindeutig.

Litauen verbot 2008 sowjetische und nationalsozialistische Symbole (Artikel 18818 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten) unter Androhung von Geldstrafen.

Im Juni 2013 billigte das lettische Parlament ein Verbot der Zurschaustellung von sowjetischen und nationalsozialistischen Symbolen bei allen öffentlichen Veranstaltungen. Das Verbot betrifft Flaggen, Hymnen, Uniformen, das Nazi-Hakenkreuz und die sowjetischen Hammer und Sichel-Symbolik.

In Estland existiert momentan nur ein Vorschlag zum Verbot sowjetischer und nationalsozialistischer Symbole, wenn diese in einer Weise verwendet werden, die den öffentlichen Frieden stört oder zum Hass aufstachelt. Parlamentarisch ratifiziert ist dieses Verbot zwar nicht, aber dass für Esten und Estinnen Hammer und Sichel genauso offene Wunden aufreißt wie ein Hakenkreuz, macht deutlich, wie wichtig die Perspektive der von der sowjetischen Besatzung Betroffenen in der Diskussionen ist.

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