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Einblick in „harte Realität der Schlacht“

Seltener Fund: Vollständiges Skelett aus der Schlacht von Waterloo entdeckt

Zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie 2019 sind in diesem Jahr wieder Ausgrabungen auf dem Terrain der Schlacht von Waterloo durchgeführt worden. Jenem Ort bei Brüssel, wo 1815 eine Allianz aus vor allem britischen und preußischen Truppen Napoleons Herrschaft für immer beendete.

Fotos: Waterloo Uncovered (www.waterloouncovered.com)

Obwohl in der Schlacht Zehntausende von Soldaten ihr Leben ließen, konnten von Archäologen bislang nur sehr wenige sterbliche Überreste gefunden werden. Hierfür gibt es verschiedene Theorien, von denen der Glasgower Professor Tony Pollard eine für am wahrscheinlichsten hält:

Die Skelette der Gefallenen von Waterloo könnten von Händlern im großen Stil vom Schlachtfeld bzw. aus Massengräbern geborgen und zu Knochenmehl verarbeitet worden sein. Und zwar zur Herstellung von Dünger, der zu jener Zeit vor allem im Vereinigten Königreich verwendet wurde.

Umso erleichterter zeigten sich die Verantwortlichen der Organisation „Waterloo Uncovered“, als vor wenigen Tagen dann doch ein vollständig erhaltenes Skelett ausgegraben werden konnte. „Näher werden wir der harten Realität der Schlacht wohl nicht kommen“, teilte einer der Experten mit.

Auch Pollard, als Forscher selbst an dem Projekt beteiligt, zeigte sich von dem Fund beeindruckt: „Ich bin seit 20 Jahren als Schlachtfeld-Archäologe tätig und habe noch nie etwas Vergleichbares gesehen.“

Fundort war der Hof Mont-Saint-Jean, wo sich während der Schlacht das Hauptlazarett der englischen Armee befunden hatte. Das Skelett konnte inmitten von Munitionskisten, medizinischen Abfällen sowie amputierten Beinen und Armen geborgen werden.

Fundort lässt auf chaotische Zustände während der Schlacht schließen

Am Tag der Schlacht war der Fundort wahrscheinlich eine Art Straßengraben oder eine Grube direkt neben dem Bauernhaus. Experten schätzen, dass in dem notdürftig eingerichteten Lazarett bis zu 500 Amputationen vorgenommen wurden.

„Der Fund eines Skeletts im selben Graben, in dem auch Munitionskisten und amputierte Gliedmaßen lagen, lässt darauf schließen, in welcher Notlage sich das Feldlazarett während der Schlacht befunden haben muss“, teilte eine Sprecherin von Waterloo Uncovered mit.

Man gehe davon aus, dass tote Soldaten und amputierte Gliedmaßen in den Wirren der Schlacht schnellstmöglich entsorgt und vergraben wurden, um die hygienischen Zustände im Umfeld des Lazaretts zumindest halbwegs im Rahmen zu halten. Es müssen schlimme Zustände geherrscht haben.

Historiker beschreiben die Schlacht von Waterloo, die am 18. Juni 1815 etwa 15 Kilometer südlich von Brüssel stattfand, als einen gleichsam epischen wie blutigen Wendepunkt in der europäischen Geschichte. Etwa 50.000 Soldaten sollen an jenem Tag getötet oder verwundet worden sein.

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