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Letzter Teil unseres Schottland-Reiseberichts

Roadtrip Schottland IV: Glen Affric – das schönste aller Täler

Nach zwei großartigen Tagen auf Skye machten wir uns schon auch mit einer Portion Wehmut auf den Weg zur letzten Etappe unserer Schottlandreise. Vor uns lagen einmal mehr viele Autokilometer, wenngleich unser erstes Tagesziel schon nach wenigen Minuten erreicht war: Eilean Donan Castle – die einzig wahre Highlander-Burg. Sie erinnern sich? 1986? Richtig, es war das Jahr, in dem das mittelalterliche Schottland mit dem Kino-Klassiker „Highlander“ international höchst präsent war. Und die architektonische Hauptrolle zu Beginn des Films ging damals an Eilean Donan Castle.

Eilean Donan Castle in Loch Duich
Eilean Donan Castle in Loch Duich.

Tatsächlich hätte sich die Burg kein Bühnenbildner in Hollywood besser ausdenken können. Sie wurde auf einer kleinen Insel in Loch Duich erbaut, erreichbar nur über jene legendäre Brücke, die Christopher Lambert im Film mit Pauken und Trompeten überschritt. Der Preis, den man als Besucher für so viel Prominenz zahlt, ist (leider auch in Schottland) der totale Kommerz. Schon am Kassenhäuschen gibt es neben den üblichen Büchern und Abbildungen den tollsten Tinnef zu kaufen. Dennoch lohnt der Besuch allemal, alleine schon der traumhaften Lage und des großartigen Gemäuers wegen.

Wer braucht schon Loch Ness, wenn ein Stück weiter Afrika wartet?

Weiter ging es für uns in Richtung Loch Ness. Noch so ein Klassiker, wobei ich hier klar Stellung beziehen möchte: Der See ist komplett überbewertet. Nessie hin oder her, da hat Schottland deutlich mehr zu bieten. Zu gut, dachten wir beim Erreichen des weltbekannten Gewässers, dass man uns auf Skye bereits vorgewarnt und mit einer, wie es hieß, weit sehenswerteren Alternative versorgt hatte: einem traumhaften Tal in der Nähe des Sees.

Glen Affric, phänomenaler Talblick
Glen Affric, phänomenaler Talblick.

Zunächst fuhren wir etliche Kilometer die Uferstraße von Loch Ness entlang, um dann bei Urquhart Castle und Drumnadrochit scharf links in Richtung des Tals mit Namen Glen Affric abzubiegen. Wir mussten schmunzeln, weil es letztlich absurd war, eine Welt-Attraktion wie Loch Ness links bzw. rechts liegen zu lassen, um an unser eigentliches Ziel zu gelangen. Gut eine Dreiviertelstunde später wussten wir, weshalb man uns auf Skye den Weg hierhin gewiesen hatte: Es war phänomenal.
Der Fluss Affric
Glasklar und gut gekühlt: Das wildromantische Flüsschen Affric.

Wir wurden Zeugen einer sehr speziellen Vegetation, die unserem Halbwissen nach Ähnlichkeiten zu afrikanischen Savannenlandschaften aufwies. Und da war das Flüsschen Affric, das mit seinen Kaskaden und dem glasklaren Wasser nicht verwunschener hätte fließen können. Ein Stück weiter ins Tal befindet sich das am weitesten abgelegene Hostel in Schottland („Alltbeithe hostel“) – erreichbar nur zu Fuß und wie auch der Rest des Tals umgeben von hohen Bergen. Da es bereits dämmerte, konnten wir uns leider nicht mehr weiter vorarbeiten. Wir mussten schließlich noch einige Kilometer fahren, um im Plan zu bleiben. Eine Übernachtungsmöglichkeit hatten wir auch noch nicht.
Hatte was von Afrika, das Tal
Hatte was von Afrika, das Tal.

Tipp vom Insider: Strathisla macht den besten Whisky

Fündig wurden wir in dem Städtchen Nairn. Es war längst stockdunkel, und nach diesem langen Tag wäre uns wahrscheinlich jedes Bett recht gewesen. Anders gesagt: Es war nicht absehbar, dass wir uns gut zwei Stunden und ein leckeres Abendessen später noch mit dem knuffigen B&B-Besitzer, einem älteren Herrn mit zwei Hunden, auf Whisky und schottische Anekdoten in der Küche des Hauses niederlassen würden.

Ich hätte seinen zynischen Spitzen gegen England, die Krone und die Premier League ewig zuhören können. Zugleich war es der goldrichtige Anschub für den nächsten Tag, der für uns mit der Fahrt durch einige der bekanntesten Whiskyhochburgen beginnen sollte. Der Hausherr riet uns unbedingt zur Marke Strathisla und einem kleineren Label mit Namen Ballindalloch. „I know what I’m talking about“, gab er uns Whisky-Banausen mit auf den Weg.

Man kann sich nicht vorstellen, auf welch engem Raum sich im Osten Schottlands die Weltmarken des Whiskys aneinanderreihen. Dorf 1: Glen Grant, ein bisschen weiter Dorf 2: Glenfidddich – und wieder nur ein paar Kilometer weiter: Glenlivet. Würde in dieser Gegend ein Meteor einschlagen, hatte tags zuvor im B&B noch unser Gesprächspartner gefeixt, wäre es das Ende fast aller Whiskyfreuden in Schottland. Gott bewahre!

Aberlour Distille
Im Kommerz ziemlich stilecht geblieben: die Aberlour Distille.

Halt machten wir bei besagtem Strathisla und später noch Aberlour, um gute Tröpfchen für den Freundeskreis zu besorgen. Der kleine Shop im Vorfeld der Produktionshallen von Aberlour war so stilecht und rustikal, wie es sich für schottischen Whisky gehört. Uns bediente ein echter Kenner im Schottenrock, der bei mittelmäßig geübtem Whisky-Gaumen zu 12 Jahre altem Single-Malt riet. Fanden wir schlüssig und haben zugegriffen. Wochen später erfuhr ich von meinem Kumpel, dass die Beratung perfekt gewesen war.
Cairngorm Mountains
Die Cairngorm Mountains nicht weit von Balmoral Castle.

Unbedingt zu empfehlen: Dunnottar Castle

Etwas unverhofft führte unser Weg danach noch einmal für etliche Kilometer durch schottisches Hochgebirge, die Cairngorm Mountains in Richtung Balmoral Castle. Das Wetter war wie schon die Tage zuvor spitze, was meiner Freundin, der Fotografin an Bord, einmal mehr freien Weitblick und schöne Motive bot. Unser letztes Tagesziel war Dunnottar Castle, das an der schottischen Ostküste bei Stonehaven direkt über der Nordsee thront. Vom Parkplatz aus führt ein etwa fünfminütiger Fußweg zu der Burg, die geradezu spektakulär auf einem der Küste vorgelagerten Felsen errichtet wurde.

Dunnottar Castle
Dunnottar Castle bei Stonehaven.

Für ein paar Pfund Eintritt erhält man neben einer detaillierten Vorstellung vom ehemaligen Burgleben einen tollen Blick über die umliegenden Küstenabschnitte und die See. Vor dem Rückweg zum Auto stiegen wir noch zum Fuße des Burgfelsens hinab auf einen ungeahnt farbenprächtigen Kieselstrand. Nun weiß ich nicht, ob Mutter Natur an dieser Stelle mit etlichen LKW-Ladungen Kiesel unter die Arme gegriffen wurde. Im Ergebnis aber ist zu sagen, dass ich derart geschliffen runde Steine in solch einer Häufung noch nie gesehen habe. Kein Vergleich zum Rhein bei Köln und Bonn, kann ich aus Erfahrung behaupten.
Kieselstrand unterhalb von Dunnottar Castle
Schöner Kieselstrand unterhalb von Dunnottar Castle.

Für den Rest unserer Reise durch Schottland war von nun an nur noch eine letzte Übernachtung und eine entspannte Fahrt nach Newcastle zur Fähre vorgesehen. Wie sehr man sich irren kann… Nach einer Woche mit unfassbar gutem Wetter hatte sich der Himmel schon kurz vor der Ankunft bei Dunnottar Castle merklich zugezogen. Dass da was im Anmarsch war, schien überfällig. Schließlich reden wir über Schottland im Herbst. Das Ausmaß des Ganzen war dann aber doch speziell.

Schon die Suche nach einer Unterkunft erwies sich als ungeahnt schwierig, weil das bisschen Sichtweite, das die einsetzende Dunkelheit uns ließ, durch den immer stärker aufs Auto prasselnden Regen nochmals gemindert wurde. Nach etlichen Anläufen klappte es dann zu bereits vorgerückter Stunde in einem Örtchen namens Anstruther. Die Unterkunft war weder schön noch komfortabel, hatte aber ein erfreulich trockenes Bett. Zumindest das war geschafft.

Am Ende schlug das schottische Wetter doch noch zu

Nachdem es die Nacht mehr oder weniger durchgeregnet haben musste, besserte sich das Wetter am Morgen deutlich. Zum Glück, denn vor uns lagen nochmals gut 250 Kilometer bis zur Fähre, deren Abfahrt am Nachmittag um 17.00 Uhr anstand. Boarding bis spätestens um 15.30 Uhr – eigentlich kein Ding. Also stiegen wir recht entspannt ins Auto. Gekommen sind wir dann bis vielleicht 500 Meter hinter Anstruther, wo eine Straßensenke mitsamt Kreuzung etwa anderthalb Meter unter Wasser stand.

überschwemmte Straße bei Anstruther
Gerade noch passierbar: überschwemmte Straße bei Anstruther.

Hier geht auf absehbare Zeit gar nichts mehr, signalisierte uns ein Polizist. „Der Weg zur Autobahn?“, fragten wir. Schwierig, vielleicht unmöglich, lautete die Antwort. Und mit einem Mal war klar: Ab jetzt stand Stress auf dem Programm. Im Nachhinein kriege ich nicht mehr zusammen, wie oft wir in den folgenden gut zwei Stunden immer wieder improvisieren und kehrtmachen mussten, um vielleicht fünfzehn Meilen Luftlinie gutzumachen. Es war der reine Wahnsinn, zumal niemand – und schon gar nicht die Polizei – irgendwelche Infos zur Hand hatte, die für mehr als die jeweils nächsten anderthalb Kilometer Bestand hatten.

Ein Schlüsselmoment dürfte jene Kreuzung bei Cupar gewesen sein, wo wir den Tipp für einen etwas höher gelegenen Schleichweg in Richtung Autobahn erhielten. Er erwies sich glücklicherweise als richtig, sodass wir gegen halb eins und um Jahre gealtert auf die M90 Richtung Edinburgh einbogen. Noch gut 3 Stunden Zeit. Unter Nichtbeachtung sämtlicher Verkehrs- und Temporegeln heizte ich Newcastle entgegen, wobei wir unter normalen Umständen sicherlich noch die Fahrt über die riesige Forth-Brücke kurz vor der schottischen Hauptstadt als großartig empfunden hätten.

So jedoch nahmen wir die Überfahrt – ich würde sagen – zur Kenntnis, um ohne Zwischenstopp und Fotoshooting schnell die nächsten Meilen machen zu können. Letztlich haben wir unser Ziel mit einem komfortablen Puffer von vielleicht fünf Minuten erreicht, wobei wir tags zuvor wahrscheinlich nicht geahnt hätten, wie beglückend der Anblick einer noch vor Anker liegenden Großfähre sein kann.

Wie dem auch sei: Schottland, wir kommen wieder, haben wir uns natürlich geschworen. Das Land ist großartig, die Natur der Wahnsinn. Anders könnte ich es hier nicht auf den Punkt bringen. Was noch fehlt? Die Woche wäre viel zu knapp gewesen, um neben den beschriebenen Zielen noch den äußersten Norden und die Orkney-Inseln zu besuchen. Soll auch alles toll sein, heißt es. Wir werden sehen, garantiert.

sh

Lesen Sie die anderen Teile des Reiseberichts

Teil 1 unserer Schottland-Reise-Serie

Teil 2 unserer kleinen Schottland-Serie dreht sich um das großartige Edinburgh und die nicht minder reizvolle Weiterfahrt in Richtung Isle of Skye.

Teil 3 gehört einzig und alleine Isle of Skye. Drei tolle Tage auf der Insel – und trotzdem längst nicht alles gesehen.

Teil 4 widmet sich dem einzig wahren Highlander-Schloss, Whisky-Hochburgen, Dunnottar-Castle und einem Tal, das großartiger nicht sein könnte. Ach ja, und die Sintflut war auch noch am Start.

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