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Leben jenseits des römischen Reiches

Schottland: Archäologen entdecken 134 eisenzeitliche Siedlungen nördlich des Hadrianswalls

Archäologen aus Edinburgh haben im Südwesten Schottlands sage und schreibe 134 eisenzeitliche Siedlungen entdeckt. Ehemalige Gehöfte und kleine Gemeinden vor allem, die ein Stück nördlich des Hadrianswalls existierten – und damit knapp außerhalb des römischen Einflussbereichs.

Hadrianswall Archäologie
Die komplexen Erdarbeiten am Woden Law Hillfort in Südschottland liegen in der Nähe einer römischen Straße, und römische Lager waren weniger als 2 km entfernt.
(© Crown copyright, Historic Environment Scotland)
Denn genau darum ging es dem Forscherteam: Herauszufinden, welche Auswirkungen die römische Herrschaft über Britannien auf das Leben eben jener Einheimischen hatte, die vor gut 2.000 Jahren ganz nah lebten. Im Grenzgebiet sozusagen.

Die daraus resultierende Studie schließt gewissermaßen eine Lücke, da sich die bisherige Forschung in erster Linie auf das Leben innerhalb des Römischen Reichs konzentriert hat. Also auf Lager, Kastelle, Straßen und Mauern, die zur Kontrolle des nördlichen Britanniens errichtet worden waren.

Leben nördlich des Römischen Reichs bislang kaum im Fokus

Zu kurz kam dagegen bislang die Infrastruktur der einheimischen Stämme jenseits des Hadrianswalls. Daher wurden nun rund 600 Quadratmeilen rund um Burnswark untersucht, das bei den Nordfeldzügen Roms oft im Kreuzfeuer stand (hier konnte im Zuge der Untersuchungen eine enorme Konzentration an römischen Geschossen nachgewiesen werden).

Anschließend wurde mithilfe modernster Laserscans nach unbekannten Siedlungen gesucht. Und siehe da: Es konnten 134 bisher weder kartografisch noch sonst wie erfasste Siedlungen aus der Eisenzeit gefunden werden. Die Gesamtzahl in der analysierten Region stieg damit auf über 700.

Die Entdeckung so vieler kleiner Gehöfte sei eine wichtige Erkenntnis, teilten die Archäologen inzwischen mit. Denn sie gewährten der Forschung einerseits tiefe Einblicke in die Lebensweise der Einheimischen und andererseits Hinweise, wie man im heutigen Süden Schottlands mit der römischen Nachbarschaft umzugehen pflegte.

Die Analyse ergab, dass die Stätten gleichmäßig über die Landschaft verteilt waren, mit gelegentlich dichteren Ansammlungen. Insgesamt ist von einem hoch organisierten Siedlungsmuster am Rande des Römischen Reichs die Rede.

Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift Antiquity veröffentlicht. Sie ist Teil eines umfassenden Projekts mit dem Titel Beyond Walls („Jenseits der Mauern“), das antike Stätten von Durham im Süden bis zu den Rändern der schottischen Highlands im Norden erforschen soll.

“Aufregende Region nördlich der Grenze Roms“

Der Autor der Studie, Dr. Manuel Fernández-Götz, teilte mit: „Dies ist eine der aufregendsten Regionen des Römischen Reichs, da sie seine nördlichste Grenze darstellte. Das Land, das wir heute als Schottland kennen, war eines der wenigen Gebiete in Westeuropa, das die römische Armee nie vollständig unter Kontrolle bringen konnte.“

Ein Co-Autor zur großen Zahl der Siedlungsfunde: „Die Entdeckung so vieler bisher unbekannter Stätten hilft uns, Siedlungsmuster zu rekonstruieren. Einzeln betrachtet, sind sie wenig aussagekräftig, aber in ihrer Gesamtheit helfen sie uns zu verstehen, wie die einheimische Bevölkerung damals lebte.“

Hintergrund: Die römischen Arbeiten am Hadrianswall begannen im Jahr 122 nach Christus und dauerten rund sechs Jahre. Der fast 120 Kilometer lange Wall, benannt nach dem damaligen Kaiser Hadrian (76-138 n. Chr.), reichte vom Solway Firth bis zum Fluss Tyne – und markierte lange Zeit die Nordgrenze des Römischen Reichs.

Etwas weiter nördlich gab es phasenweise (ab 142 n. Chr.) noch eine vorgelagerte Verteidigungslinie, den Antoniuswall. Und zwar zwischen dem Firth of Forth und dem Firth of Clyde auf einer Länge von 65 Kilometern. Er hatte jedoch nicht lange Bestand, da sich Rom ab 180 n. Chr. wieder zurückzog – hinter den Hadrianswall.

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