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Dramatischer Rückgang dank Corona

75 % weniger Besucher: Nordkap-Bewohner erleben rabenschwarzen Juli

In normalen Zeiten konnte man sich darauf verlassen, dass Norwegens nördlichstem Punkt – dem Nordkap – die Besucher nicht ausgehen.

Nordkap Norwegen Reisen
Aussichtsplattform auf dem Nordkapplateau, wo sich normalerweise die Touristenscharen diue Klinke in die Hand geben, ist in diesem Jahr nahezu verwaist. (Foto: Rita Asztalos)
Im Juli letzten Jahres zum Beispiel waren an dem Felsen etwa 85.000 Besucherinnen und Besucher zu Gast. Gemessen an Ibiza oder Malle ist das natürlich nichts, aber für das Nordkap reichte es allemal.

Hier, wo sonst nur ein wenig Industrie und Fischerei angesiedelt sind, hat man sich in der jüngeren Vergangenheit immer blind auf den Tourismus verlassen können.

Was sollte auch schiefgehen? Das Nordkap schien schlichtweg krisenfest zu sein. Dann jedoch kam Corona, und mit dem Virus änderte sich alles.

Im Juli 2020 kamen gerade einmal 19.000 Personen zu Besuch, was für die Region nicht nur verdammt wenig ist, sondern auch dramatische wirtschaftliche Folgen haben dürfte.

Zunächst einmal fallen schon seit Monaten jene Tagestouristen weg, die in Normalzeiten von ihren Kreuzfahrtschiffen an Land gehen, um das Nordkap zu besuchen.

Nicht so 2020, das für den Tourismus zur See ein einziges großes Desaster zu werden scheint. Heißt also: Kein Schiff, kein Zwischenstopp am Nordkap – und letztlich keine Touris, die sich die Besichtigung des Felsens mit Kaffee und Kuchen oder dem Kauf von Souvenirs veredeln.

Eine weitere Zahl, die aufhorchen lässt, ist die der Hotelübernachtungen. So berichtet im Magazin „Life in Norway“ der Direktor des Hotels Scandic Nordkapp, dass Gästen „in normalen Jahren über 1.000 gemachte Betten“ zur Verfügung stünden.

Für 2020 lautet hingegen die ernüchternde Bilanz, dass bis dato das gesamte Gästeaufkommen mit weniger als 100 Betten abgedeckt werden konnte.

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Dass da nichts hängen bleibt, dafür braucht man kein Wirtschaftsstudium. Bleibt also nur das Hoffen auf bessere Zeiten. Oder aber auf norwegische Touristen?

Denn wurden nicht auch diese im Zuge von Corona dazu aufgerufen, den Sommerurlaub einfach mal daheim zu verbringen statt im Süden Europas?

Gleich vorweg: Ja, das wurden sie. Aber irgendwie scheinen die Norweger mit ihrem Nordkap zu fremdeln, sodass auch dieser hausgemachte Reiseboom, der andere Regionen des Landes im Moment mit Wucht erfasst, nicht bis in den allerhöchsten Norden vordringt.

Ganz anders ist es zum Beispiel auf den Lofoten, die ersten Einschätzungen zufolge gerade durch die hohe Zahl an Heimurlaubern einen prima Sommer erleben.

Auch werden viele südlichere Wanderrouten Norwegens derzeit so gut besucht wie noch nie, wovon dann nebenbei die ganze angeschlossene Tourismusbranche profitiert. Das Hotel, das Restaurant, der Ticketservice, der Mietwagenservice, Eventagenturen und der Reiseführer.

Nur mit Souvenirshops scheint man es in Norwegen nicht so zu haben. Denn wie das Nordkap als Punkt auf der Landkarte ist auch dieser Zweig der Reisebranche bislang stark betroffen – jedoch in der Fläche.

Es heißt, vielen Shops drohe der Ruin, weil die Norweger erst noch lernen müssten, sich für Käsehobel, Flaggen-T-Shirts und billige Troll-Puppen zu erwärmen. Erst unter der Woche hat es in Norway Shop eine der größten Ketten im Land erwischt. Insolvenz, aus und vorbei.

Bleibt also zu hoffen, dass zumindest über dem Nordkap demnächst wieder ein anderer Wind weht. Aber schon jetzt muss man sagen, dass Corona 2020 Spuren hinterlassen hat. Wie tief dieses sind, wird wahrscheinlich erst die kommenden Saison zeigen.

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sh

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