Facebooktwitterpinterestrssinstagram

Europe shall hear You

Ein kräftiges europäisches Signal aus Vilnius

Vilnius. – Am vergangenen Wochenende fand die hybride Deutsch-Baltische Konferenz in Vilnius statt. Mit hochkarätigen ReferentInnen wurden entlang von vier Themenbereichen Ideenpapiere zum Konferenzmotto „Europe shall hear You“ entwickelt, quasi Lösungsansätze von unten nach oben.

DBK Digital 2020
(Screenshot des Teaser-Videos zur DBK Digital 2020)
Den Grundstock bildeten dabei Konferenzen der DBK digital, die auf Grund der Covid19-Pandemie online durchgeführt wurden. Für beide Konferenzen haben sich 300 Personen zwischen 16 und 95 für die Konferenz angemeldet aus insgesamt 12 Ländern.

Junge Menschen aus elf Ländern, davon sieben aus der Europäischen Union, beteiligten sich nun in den Arbeitsgruppen und entwickelten Policy-Papers, die europäischen EntscheidungsträgerInnen zugehen werden.

Thomas von Lüpke, Vorsitzender des Deutsch-Baltischen Jugendwerks drückte auch die Solidarität gegenüber den mutigen Menschen in Weißrussland aus. Gerade deshalb sei ein europäischer Impuls notwendig, welcher die neuen Entwicklungen in der digitalen Sphäre und Öffentlichkeit spiegele.

„Die aktuellen Debatten um die digitale Souveränität zeigen in der neuen unsicheren Weltordnung die Relevanz für europäische Initiativen auf“, schreibt Dr. Florian Hartleb heute in einer Pressemitteilung zur Konferenz.

Auf den Schultern der europäischen Aufklärung

Die Frage von ethischen Standards und Moralität zogen sich wie ein roter Faden durch die Konferenz. Wem gehören Daten, welche Verantwortung haben Plattformen, wie lassen sich digitale Kompetenzen erwerben? Als Schirmherr fungierte Arnoldas Pranckevičius, der die Repräsentanz der Europäischen Kommission in Vilnius leitet.

Der Philosoph Jörg Noller brachte in seiner Präsentation das Phänomen Immanuel Kant nahe, ein Weltbürger, der zeit seines Lebens in Königsberg seine Ideen entwickelte. Besonders eindringlich wurde, dass Kant einen Appell zum Selbstdenken formulierte, dessen Aktualität im Zeitalter von Fake News und Influencern kaum größer sein könnte.

Lesen Sie auch:  Das Vereinigte Königinnenreich der Xenophoben und Illusorischen?

Die stetig wachsende Verfügbarkeit beliebiger Datenmengen und die Vermehrung des Wissens durch die computergestützte Auswertung dieser Datenmengen führen zu der falschen Annahme, dass wir unsere Welt immer mehr erschließen. Transparenz könne sich auch gegen das aufgeklärte Publikum richten.

Investitionen in die digitale Infrastruktur

Im Themenbereich A ging es um neue Möglichkeiten, einen Weg zwischen Individualismus und Kollektivismus zu finden. Gerade jetzt müssten Investitionen in die digitale Infrastruktur getätigt werden. Ein neuer Pakt zwischen den Generationen erweise sich hier als besonders zielführend, wie Jürgen Steiner von der Carl-Zeiss-Stiftung erläuterte. Heimunterricht in Zeiten der Covid-19-Pandemie ist zu einem Thema geworden, das alle Segmente der Gesellschaft betreffe.

Themenbereich B hinterfragte, wie sich aktive Partizipation in der digitalen Gesellschaft sicherstellen lässt. Impulse gaben Anja Türkan und Malte Engelmann; Türkan ist für die Social-Media-Präsenz der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zuständig, Engelmann ist Referent für Kultur- und Außenpolitik im Deutschen Bundestag.

Es gab gleich ein Grundverständnis darüber, wie dynamisch das Thema geworden ist. Wir brauchten neue Standards im Bereich der Politischen Bildung auf europäischer Ebene, so Türkan und Engelmann. Schließlich hätten Nationalstaaten mit denselben Herausforderungen zu kämpfen. Ein ethischer Codex ist ebenso notwendig wie ein Update des Vertrags von Lissabon. Die Kopenhagener Kriterien haben einst gezeigt, wie wichtig ein genereller Standard ist, zumal Fake News und Populismus ubiquitär verwandte Schlagworte geworden sind.

Datensouveränität

Die Fragen der Datensouveränität standen im Mittelpunkt von Themenbereich C. Paulius Jurčys von der Universität Vilnius hielt hier das Grundsatzreferat. In diesem Forum ging es um Fragen rund um Blockchain und künstliche Intelligenz, unter anderem durch die Frankfurter Rechtsanwältin Claudia Otto eingebracht. Besonders die Frage, wie die privaten Datengiganten Datensouveränität herstellen können, beschäftigte die TeilnehmerInnen. Schließlich basiere die Diskussion um Digitalisierung auf einer Währung: Vertrauen.

Lesen Sie auch:  Litauen verbietet die Benutzung von Handys beim Überqueren der Straße

Die Frage nach Möglichkeiten und Grenzen der Gentechnik wurde im Cluster Themenbereich D behandelt. Es wurde deutlich, wie wichtig Fragen des Zugangs sind, wie sich technologischer Fortschritt ethisch untermauern lässt. Europäische Forschungsförderungen müssen hier dringliche Antworten finden.

In allen Diskussionsvoren wurde deutlich, wie wichtig es ist, auf Big Data, künstliche Intelligenz und Blockchain Antworten zu finden. Diese haben ebenso eine gesamtgesellschaftliche wie europäische Dimension. Das ist das kräftige Signal aus Vilnius vom vergangenen Wochenende.

ap

Facebooktwitterredditpinterestmail
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen