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„Diskussion mit Kannibalen über die Speisekarte“

Litauens Außenminister rechnet mit russischem Angriff in fünf bis zehn Jahren

Mit dem Blick in die Zukunft Europas ist das ja so eine Sache im Moment. Frieden ist nicht mehr, seit Russland die Ukraine Anfang 2022 sozusagen offiziell überfallen hat. Und auch das muss es längst nicht gewesen sein, wenn man sich noch einmal vor Augen führt, was Putin alles angekündigt hat.

Nato Bundeswehr Litauen
Im Fall der Fälle wäre die Bundeswehr an „vorderster Front“: Ankunft deutscher Brigadetruppen in Litauen – sehr viel mehr Menschen und Material sollen / werden folgen. (Foto: I. Budzeikaitė / Lietuvos ginkluotosios pajėgos)

In einem Interview hat sich nun der litauische Außenminister Gabrielius Landsbergis sehr besorgt gezeigt, was die Zeit nach dem Ukrainekrieg betrifft. Für ihn ist klar, dass Russland dann auch andere Staaten Europas angreifen wird, sofern der Feldzug in der Ukraine für Moskau nicht im Totaldesaster endet.

„Wenn die Ukraine, wie wir sehen, zu Verhandlungen gezwungen wird, müssen sich die Welt und allen voran Teile Europas auf einen weiteren Krieg einstellen. Das kann in fünf Jahren oder in zehn Jahren sein, das ist schwer zu sagen“, teilte Landsbergis mit.

„Aber – und das spüre und verstehe ich sehr gut – wir haben vielleicht nur noch sehr wenig Zeit“, so der düstere Ausblick des Politikers. Seine Analyse sei lediglich die folgerichtige Interpretation der russischen Militärreformen der jüngeren Vergangenheit, angefacht durch den Krieg in der Ukraine.

„Russland begann diesen Krieg mit 200.000 Soldaten, heute sind es mindestens doppelt so viele. Auch die angekündigten Pläne zur Reformierung der Armee scheinen echt zu sein, nicht die übliche Propaganda. Die Militärreform ist gegen die NATO und gegen uns gerichtet“, sagte Landsbergis weiter.

Notwendig, die Sicherheitskonzepte der letzten 30 Jahre aktiv zu überdenken

Daher sei auch Litauen gezwungen, seine Verteidigung und die damit verbundenen Militärausgaben radikal zu überdenken. Allerdings fehlt es Landsbergis an einer Diskussion, die die „reale geopolitische Situation jenseits der Grenzen Litauens wirklich widerspiegelt“.

Dazu gehöre, aktiv über Änderungen des Sicherheitskonzepts und der Sicherheitspyramide nachzudenken, „die vor 30 Jahren aufgebaut wurde“. Im Zentrum natürlich die Sorge, was passiert, wenn die USA ihre Verpflichtungen in Europa grundsätzlich überdenken. Trump lässt grüßen.

„Die USA sind nach wie vor eine wichtige Säule unserer Sicherheit und werden es auch bleiben. Aber wir müssen die sich ändernden Interessen der Vereinigten Staaten viel besser verstehen und bereit sein, darauf zu reagieren“, zitiert LRT.lt den Außenminister weiter.

Bestehende Forderungen nach einem Ende des Ukraine-Kriegs auf dem Verhandlungsweg sieht Landsbergis ebenfalls äußerst kritisch. Ein Sicherheitsabkommen, das Russland mit einbeziehen würde, gleiche einer „Diskussion mit Kannibalen über die Speisekarte“.

Hintergrund: Litauen grenzt zwar nicht an das russische Kernterritorium, aber direkt an die Exklave Kaliningrad. Zudem gilt die zwischen Litauen und Polen liegende Suwalki-Lücke als die große Schwachstelle bei der Verteidigung des Baltikums – und als potenzielle Bruchstelle der NATO.

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