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Zu Gast im sonnigen Westen Estlands

Ostseebad Pärnu: Estlands Sommerhauptstadt

Pärnu gilt mit seinen 40.000 Einwohnern als die kleinste „Großstadt” in Estland. Das im Südwesten gelegene Seebad liegt direkt an der Mündung des gleichnamigen Flusses und verfügt über gut und gerne drei Kilometer wunderschönen Sandstrand – ein geografisches Privileg, das man in Pärnu schon lange zu nutzen weiß.

estland seebad pärnu
Bild mit gewisser Symbolkraft: Für viele Gäste ist Pärnu Estlands Brücke zur Ostsee.
(Foto: Joakim Honkasalo)
„Sommerhauptstadt Estlands” (Eesti suvepealinn) lautet der passende Beiname des seit Generationen sehr beliebten Kur- und Badeortes.

Wohlgemerkt: Die erste städtische Badeanstalt öffnete bereits 1838 ihre Pforten. Wahrscheinlich war es der wichtigste Grundstein dafür, dass sich Pärnu bis heute zur estnischen Hochburg Nummer 1 für Wellness-Urlaube entwickeln konnte.

Strand Pärnu Badestrand Pärnu Ostseebad Kurort Pärnu

Üppig fällt zudem das Angebot an weiteren Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten aus, die sich im Laufe der Stadthistorie etabliert haben.

So kann der hübsche Kurort neben seinen Strandpassagen auf mehrere Stadtparks verweisen. Aber auch gute und zahlreiche Cafés, Restaurants sowie Diskotheken und Nachtclubs für Partygänger gehören zum Angebot der Stadt.

Aber keine Sorge: Trotz aller Verlockungen liegt Pärnu sehr daran, beschaulich und vor allem erholsam zu sein.

Nicht nur bei Badeurlaubern beliebt

Tagesfüllende Strandaufenthalte und Bootsausflüge auf der Ostsee garantieren Sommer pur für die ganze Familie.

strand pärnu seebad
Nicht nur im Hochsommer ist der Strand in Pärnu ein beliebter Familienort. (Foto: Jacques Bopp)
Hinzu kommt mit dem Wasserpark „Tervise Paradiis“ Estlands größtes Spaßbad, das gerade Kindern und Jugendlichen das volle Programm liefert – allem voran natürlich die langen und blitzschnellen Rutschen.

Dennoch ist Pärnu als Reiseziel nicht nur im Sommer empfehlenswert: Langlaufloipen und Wellnesshotels sorgen auch im Winter für stetig steigende Besucherzahlen.

Wasserpark Tervise Paradiis
Im Hintergrund der Wasserpark (Veepark) im Tervise Paradiis. (Foto: Nordisch.info)
Neben sportlichem Spaß und angenehmer Entspannung sind nun vor allem den Liebhabern weißer Landschaften wunderbare Ausflüge sicher.

Wer stattdessen lieber in der Stadt bleibt, kann nun in der City auf der Schlittschuhbahn ein paar Runden drehen.

Alles da, was es für einen Familienurlaub braucht. Es ist daher wenig verwunderlich, dass sich die Zahl der in- und ausländischen Besucher pro Jahr in großen Schritten auf die Million zubewegt.

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Hinzu kommt, dass Pärnu auch in kultureller Hinsicht aus dem Vollen schöpfen kann. Das Museum für Moderne Kunst (Uue Kunsti Muuseum) ist auch weit über die Region hinaus für seine zeitgenössischen Werke bekannt.

Andere Ausstellungen widmen sich hingegen der bewegten Geschichte der Stadt und des Landes. Das Pärnu-Museum beispielsweise macht die über 10.000-jährige Zivilisationsgeschichte der Region interaktiv und damit sehr anschaulich erlebbar.

Pärnu ist die Sonnenseite Estlands

Von Tallinn kommend, gelangt man als Besucher am besten über eine im Bereich des Hafens gelegene Brücke in die schöne Altstadt.

Katharina-Kirche Katariina kirik
Die Kuppeln der barocken Katharinen-Kirche (Katariina kirik) in Pärnu. (Foto: Nordisch.info)
In ihren Sträßchen warten – dicht gestaffelt – die Sehenswürdigkeiten. Zu nennen sind das Schauspielhaus, das aus klassizistischen und Jugendstilelementen erbaute Rathaus (Raekoda) sowie die 1768 im Barockstil fertiggestellte Katharina-Kirche (Katariina kirik) oder die wegen ihres Orgelspiels auch bei Konzertfreunden sehr beliebte Elisabethkirche (Eliisabeti kirik) – ebenfalls erbaut im 18. Jahrhundert.

Ein Stück südlich verläuft die belebte Geschäftsstraße Rüütli (Ritterstraße), das farbenfrohe Herz der Altstadt.

Die Fußgängerzone bietet zahlreiche Shops, Restaurants und – fürs Auge – wunderbar restaurierte Altbauten.

Von hier geht es auf kurzer Strecke zum Tallinner Tor (Tallinna värav), einer wuchtigen und bestens erhaltenen Wehranlage aus dem 17. Jahrhundert.

Ebenfalls in unmittelbarer Nähe befindet sich der Koidula Park, wo schon 1929 ein Denkmal zu Ehren der großen estnischen Dichterin Lydia Koidula (1843-1886) errichtet wurde.

Weiter südlich folgen die Strand- und Badebereiche, wo vor allem im Sommer ausgedehnte Spaziergänge durch wunderschöne Parkanlagen möglich sind. Zudem befinden sich im Südteil der Stadt das Moorbad, zahlreiche Kurbetriebe, Hotels und das Sanatorium.

holzarchitektur pärnu estland
Eines von zahlreichen Beispielen in Pärnu für die traditionelle estnische Holzbauweise.
(Foto: Makalu)
Daneben gehören der Strand, der Kurpark und die opulenten Jugendstil-Villen zu den beliebten Anlaufstellen der näheren Umgebung. Architektonisch ist Pärnu stark durch den natürlichsten aller Baustoffe geprägt: Holz.

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Es empfiehlt sich daher, einen Spaziergang durch die städtischen Alleen in Richtung Meer zu machen. Hier befinden sich mit die schönsten Holzvillen in Estland.

Bewegte Stadtgeschichte

Alt-Pernau (Vana-Pärnu), so der frühere Name Pärnus, wurde um das Jahr 1250 mit der Einweihung einer am gleichnamigen Fluss erbauten Domkirche gegründet.

Ab 1346 entwickelte sich die Hafenstadt zu einem florierenden Mitglied der Hanse. Der klimatisch begünstigte Südwesten Estlands war für den Getreidehandel prädestiniert.

Im Verlauf des Livländischen Krieges (1558-1583) wurde Pärnu ab 1562 von Schweden besetzt. Dies führte zur Entstehung neuer und zudem lukrativer Handelsbeziehungen in den norddeutschen Raum.

Im Jahr 1699 wurde die Universität Tartu aufgrund politischer Wirren ins weit (150 km) entfernte Pärnu ausgelagert. Auch heute noch leistet sich Tartu hier einen akademischen Ableger, das bei Studierenden aufgrund der maritimen Lage alles andere als unbeliebte „Pärnu College“.

1710 eroberten schließlich zaristische Truppen die Stadt. Gleichzeitig setzte die Pest der schwindenden Bevölkerung arg zu, sodass sich die Situation in der Folgezeit im Grunde nur verbessern konnte.

Die Talsohle Pärnus war erreicht, der Umbruch in Sichtweite.

Kurbad als historischer Wendepunkt von Pärnu

Schlammbad Pärnu
Schlammbadehaus in Pärnu. Erbaut vom Architekten Olev Siinmaa nach einem Entwurf der baltendeutschen Architekten Erich von Wolffeldt und Alexander Nürnberg. (Foto: Nordisch.info)
1838 öffnete in Pärnu das erste städtische Kurbad, wodurch das Kultur- und Fremdenverkehrswesen einen nachhaltigen Schub erhielt.

Man hatte nun scheinbar erkannt, worauf es in der Ostsee-Region ankommt und ließ fortan (leider) große Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung abreißen.

Selbige war als nur bedingt publikumswirksam eingeschätzt worden. Aus heutiger Sicht wahrscheinlich die falsche Entscheidung.

Vom besonderen Freigeist der Stadt zeugen dagegen zwei unterschiedliche historische Episoden: Es handelt sich zum einen um die Gründung des Pernauer Postboten (die erste estnisch-sprachige Zeitung) im Jahre 1857.

Zum anderen ging vom städtischen Endla-Theater anno 1918 die erste landesweite Unabhängigkeitserklärung aus. Die Freiheit sollte zunächst jedoch nur von kurzer Dauer sein.

Heute, gut drei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Erreichen der estnischen Unabhängigkeit, zählt das „freie“ Pärnu zu den beliebtesten Reisezielen im Baltikum.

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Viele Gründe dafür wurden zuvor genannt. Weitere finden sich bestimmt, wenn man erst mal vor Ort ist.

Weiterführende Infos zur Stadt Pärnu:

  • Pärnu lockt: Ganz gleich, ob man nun Naturliebhaber ist, Kulturfreund oder Badenixe/Wasserratte – Pärnu bietet eine nahezu perfekten Mix hierfür. Die Kollegen von Visitparnu.com waren so frei, die Vorzüge ihrer Stadt in eine Liste zu packen.

    Hier ein Auszug: (1) größter und schönster Strand Estlands, (2) wunderbare Altstadt, (3) beste Surfbedingungen Nordosteuropas, (4) tolles Wegenetz für Radtouristen und Wanderer, (5) schöne Sommercafés und (6) atemberaubende Nationalparks gleich um die Ecke. Die ganze Liste und weitere Infos gibt es unter dem folgenden Link zur offiziellen Webseite der Stadt.

  • Webseite: www.visitparnu.com (auch auf Deutsch)

  • Tervise Paradiis: Das Tervise Paradiis in Pärnu ist ein in Strandnähe gelegenes Freizeitbad mit angeschlossenem 4-Sterne-Spa-Hotel. Es handelt sich um den größten Wasserpark Estlands, an dem gerade auch Kinder und Heranwachsende ihr helle Freude haben dürften. Na klar, Spektakel-Rutschen gibt es auch.

    Hinzu kommen auf dem Komplex jede Menge Sportgelegenheiten und Entspannendes: Aerobicsaal, Fitnessraum, Beautysalon und eine Bowlingbahn. Dazu Restaurants und Bars – es wurde an nichts gespart. Kuranwendungen sind ebenfalls möglich.

  • Webseite: www.terviseparadiis.ee (auf Englisch)

  • Museum of New Art: Das Museum der Modernen Künste ragt aus der Reihe der in Pärnu ansässigen Kunstgalerien sicherlich heraus. Nicht umsonst hat es (zumindest unter Kennern der Szene) eine Strahlkraft, die über die Stadtgrenzen Pärnus weit hinausreicht. Die Kollektion zählt regelmäßig über 400 zeitgenössische Werke.

    Zudem gibt es eine Videothek, in der über 1200 Filmdokumentationen bereitstehen. Das Museum trägt regelmäßig zum Gelingen des Pärnuer Filmfestivals bei. Hier werden jeden Sommer neben estnischen auch internationale Dokumentarfilme vorgeführt und prämiert. Kultur hat in Estland generell einen hohen Stellenwert.

  • Webseite: www.chaplin.ee (auf Englisch)

sh

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