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Die Geschichte des „besten Wohnorts in der Welt“

Neues Buch über die Europäische Kulturhauptstadt Tartu/Dorpat

Dorpat sei „wohl der beste Wohnort der Welt“, sagen Anti Selart und Mati Laur. Die kleine Stadt in Estland, die 2024 Europäische Kulturhauptstadt ist, hat wirklich einiges zu bieten. Nun haben die beiden Historiker ein Buch über die Geschichte der Stadt geschrieben.

Dorpat/Tartu: Geschichte einer Europäischen Kulturhauptstadt
Einband von „Dorpat/Tartu: Geschichte einer Europäischen Kulturhauptstadt“. (Quelle: Verlag Böhlau)
Nach Reval (estnisch: Tallinn) 2011 hat es in diesem Jahr zum zweiten Mal eine estnische Stadt geschafft, den begehrten Titel „Kulturhauptstadt Europas“ zu erringen: Neben dem österreischichen Bad Ischl und dem norwegischen Bodø ist Dorpat (estnisch: Tartu) 2024 Kulturhauptstadt.

Das reichhaltige, vielversprechende Programm wird sicher viele Touristen aus ganz Europa in die kleine Universitätsstadt locken. Besonders aus Deutschland dürften viele Besucher zu erwarten sein, denn wie ganz Estland hat auch Dorpat sehr viele Bezüge zu den Deutschen aufzuweisen.

Pünktlich zum Festjahr wurde nicht nur die Innenstadt herausgeputzt und teilweise renoviert, sondern auch eine neue Stadtgeschichte auf den Buchmarkt gebracht. Das „Deutsche Kulturforum östliches Europa“ hat zwei bekannte estnische Historiker, Anti Selart und Mati Laur, damit beauftragt, die Geschichte der Stadt aufzuschreiben.

Damit wurden zwei ausgewiesene Experten für das Buchprojekt gewonnen, die nicht nur viel Wissen einbringen, sondern auch in flüssigem, anschaulichem Stil schreiben können.

Das Buch zeichnet die Geschichte der Stadt chronologisch nach: Es beginnt bei der ersten Besiedelung im 8. Jahrhundert und der Eroberung durch deutsche Kreuzfahrer im Jahr 1224, schildert die Entwicklung in der Zeit der Hanse-Händler und der Reformation, die Eroberungen durch Polen, Schweden und Russland und das Aufkommen der estnischen Nationalbewegung im 19. Jahrhundert.

Am Schluss werden die Zustände in der Sowjetunion und im heutigen demokratischen Estland geschildert. Bekannt ist Dorpat heute vor allem wegen seiner Universität, an der unter anderem Karl Ernst von Baer, der Entdecker der menschlichen Eizelle, der Chemie-Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald oder der Theologe Adolf von Harnack studiert oder gelehrt haben. Oder auch die meisten estnischen Präsidenten.

Auf rund 200 Seiten wird die Geschichte der Stadt mit vielen interessanten Details beschrieben, veranschaulicht wird der Text durch einige Fotografien. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Reiseführer listet das Buch nicht einige Fun Facts auf, sondern stellt die Geschichte Dorpats sehr fundiert und detailliert dar.

Man muss nicht besonders viel Vorwissen haben, um das Buch mit Gewinn zu lesen, aber ein ausgeprägtes Interesse an geschichtlichen Zusammenhängen sollte man schon mitbringen, sonst wird das Lesen vermutlich schnell ermüdend.

Witzige und überraschende Fakten gibt es natürlich trotzdem im Buch: Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass der erste Rektor der Uni Dorpat ein 19-jähriger Student war? Oder dass der Bischof von Dorpat 1508 von einem Diplomaten ein Kamel geschenkt bekam und als Gegengeschenk einen Truthahn präsentierte?

Wer 2024 in die Europäische Kulturhauptstadt Dorpat/Tartu reist, sollte dieses Buch im Gepäck haben, um sich einen soliden Überblick über die Geschichte der Stadt und des Landes zu verschaffen.

Wer das Thema noch von einem anderen Blickwinkel aus vertiefen will, kann auch auf einen der Romane zurückgreifen, die in der Stadt spielen, zum Beispiel „Liebe Renata“ von Else Hueck-Dehio, den es allerdings nur noch gebraucht zu kaufen gibt.

(Anmerkung der Redaktion: Der Autor dieses Beitrags hat auch eine ausführliche geschichtswissenschaftliche Rezension des Buchs verfasst, die man hier einsehen kann.)

Anti Selart, Mati Laur
Dorpat/Tartu: Geschichte einer europäischen Kulturhauptstadt*
Verlag: Böhlau

224 Seiten
Paperback
EUR 28,00 [DE] | EUR 29,00 [AT]

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