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Überraschend oft stehen Frauenfiguren im Zentrum der Filme

61. Nordische Filmtage Lübeck: Spannungskino aus dem Ostseeraum

Die 61. Nordischen Filmtage Lübeck blicken in ihrer Retrospektive Undercover Nord/Nordost, Spione und Geheimagenten im skandinavischen und baltischen Kino weit in die Vergangenheit zurück.

Nordische Filmtage Lübeck
Der höchste Sieg (Finnland, 1929) © KAVI
Mit Filmen, die zwischen 1913 und 2012 in Dänemark, Deutschland, Finnland, Norwegen und Schweden gedreht wurden, sowie mit Produktionen, die vor Wiederherstellung ihrer staatlichen Unabhängigkeit in den damaligen Sowjetrepubliken Lettland und Estland bzw. im Rückblick auf diese Zeit in Litauen entstanden.

Dabei handelt es sich nicht allein um Spionage-Thriller, auch Dramen, Melodramen, Komödien, Satiren und Historienfilme sind darunter. Überraschend oft stehen dabei Frauenfiguren im Zentrum der Filme – und zwar als aktiv handelnde Spioninnen.

Frühe Stummfilme erinnern an die internationale »Spionitis« vor dem Ersten Weltkrieg – eine in Europa weit verbreitete Furcht vor der Unterwanderung durch Geheimagenten fremder Mächte. Exemplarisch stehen dafür die Filme S 1 (D 1913) mit Asta Nielsen oder Fürs Vaterland/For the Fatherland (SWE 1914).

„In diesen Filmen wurden Stereotypen nationaler Feindbilder entworfen, die bis heute Wirkung zeigen, etwa das des ›verdächtigen Südländers‹“, sagt dazu Jörg Schöning, Kurator und Leiter der Retrospektive.

„Sie propagierten einen zweifelhaften Patriotismus, und doch sind sie in sich widersprüchlich, was sie für uns Heutige immer noch interessant macht. In S 1 bangen wir mit einer jungen emanzipierten Frau, die sich gegen ihren Vater stellt, und in Fürs Vaterland schwingt sich ein Sami, der damals in Schweden als ›Paria‹ der Gesellschaft gilt, zum Helden der Handlung auf.“, so Schöning weiter.

Künstlerisch beeindrucken kann auch das Spionagedrama Das geheimnisvolle X/Sealed Orders (DAN 1914), ein früher Film Noir des Dänen Benjamin Christensen.

Thematisiert wird zudem das prekäre Verhältnis zwischen dem unabhängig gewordenen Finnland und der benachbarten Sowjetunion (Der höchste Sieg/The Supreme Victory, FIN 1929).

Die geheimdienstlichen Folgen des gemeinsamen Engagements von skandinavischen Widerstandskämpfern und russischen Partisanen gegen Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg stehen im Zentrum norwegischer Melodramen (Verbrannt vom Frost/Burnt by Frost, NOR 1997, sowie Eisige Küsse/Ice Kiss, NOR 2008, beide von Knut Erik Jensen).

Widerstand gegen die Wehrmacht thematisiert auch die estnische Agentengroteske Wahnsinn/Madness (EST 1968).

Spannend und realistisch schildern Krimis aus Estland und Lettland wie Ungebetene Gäste/Uninvited Guests (EST 1959) oder Wenn Wind und Regen an dein Fenster schlagen/When Wind and Rain Hit Against Your Window (LET 1967) das Schicksal westlicher Agenten, die Ende der 1940er, Anfang der 1950er Jahre von einer deutschen Schnellbootgruppe im Auftrag des britischen Geheimdienstes MI6 über die Ostsee in diese Länder eingeschleust wurden.

Bei den 61. Nordischen Filmtagen Lübeck werden zwischen dem 29. Oktober und 03. November 2019 insgesamt 17 Filme gezeigt, davon 15 Spielfilme und 2 mittellange Filme.

Redaktionelle Bearbeitung, ap

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