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Mehrheit dafür (auch die russisch-sprachige)

Lettland: Stadt Rēzekne befragt Einwohner zu Abriss von Sowjet-Denkmal – und zweifelt Ergebnis an

Der Abriss von Sowjet-Monumenten wird in den baltischen Staaten seit Monaten heiß diskutiert. Im Brennpunkt steht dabei auch die lettische Stadt Rēzekne, wo es derzeit um den Abbau eines als „Aljoscha“ bekannten Denkmals geht.

Rezekne Denkmal
Rēzekne, wo ein Bürgermeister der Sozialdemokratischen Partei „Harmonie“ (Sociāldemokrātiskā partija „Saskaņa“) regiert, hat die Bervölkerung befragen lassen, ob das Denkmal abgerissen werden solle. Nachdem das Ergebnis vorliegt, zweifelt er das Ergebnis an. (Foto: Oļegs Anosovs / CC BY-SA 3.0)
Die überlebensgroße Statue eines bewaffneten Rotarmisten wurde (natürlich) im offiziellen Gedenken an die Weltkriegsjahre 1941 bis 1945 und den Sieg über bzw. die Befreiung von Nazi-Deutschland aufgestellt.

Inoffiziell jedoch steht sie in den Augen vieler Betrachter – wie das Gros artverwandter Monumente in den baltischen Staaten – für etwas völlig anderes: für Sowjet-Verherrlichung nämlich und Geschichtsklitterung übelster Art. Freiheit war Lettland nach 1945 schließlich nicht vergönnt. Im Gegenteil.

Um in dieser kontroversen Angelegenheit auch die Stimme des Volkes anzuhören, hat man in Rēzekne eine Bürgerbefragung initiiert. Diese ist zwar nicht rechtsverbindlich, bietet aber ein Stimmungsbild, was in aufgeheizten Zeiten ja zumindest das Gefühl von Basisdemokratie vermittelt.

Wie LSM.lv berichtet, stehen bei der laufenden Befragung drei Antwortmöglichkeiten zur Auswahl: Ja zum Abriss, Nein zum Abriss und Verlegung des Denkmals auf einen Friedhof. Und nun wird es richtig interessant, ablesbar an einem Statement des Stadtratsvorsitzenden Aleksandrs Bartaševičs.

„Informell kennen wir den Standpunkt der Bewohner, aber wir wollten offiziell die Meinung einholen, weil das wichtig ist. Ich stehe in Kontakt mit den Menschen. Sie unterstützen den Abriss nicht, jedenfalls die meisten Bürger“, teilte Bartaševičs mit.

Wie der Politiker darauf kommt, muss angesichts der aktuellen Umfrageergebnisse als ein Rätsel bezeichnet werden. Bis zu diesem Mittwochmorgen hatten sich nämlich 56 Prozent der lettisch-sprachigen Bewohner und auch 53 Prozent der russisch-sprachigen für einen Abriss ausgesprochen.

Dem gegenüber steht auf lettisch-sprachiger Seite eine ablehnende Haltung in Höhe von 40 Prozent (russisch-sprachig: 42 %). Kurzum: Die Sache scheint für einige Entscheider in der Stadt gerade aus dem Ruder zu laufen. Jedenfalls für die, die an dem Monument gerne festhalten wollen.

Vom Bürgermeister heißt es, er sei gewillt, die abgegebenen Stimmen noch einmal überprüfen zu lassen. Ob das Motto dabei „Was nicht passt, wird passend gemacht“ lautet, ist allerdings nicht überliefert. Rēzekne liegt im Osten Lettlands, etwa 50 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

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