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Abriss? Verbleib? Völlig egal!

Estland: Laut Umfrage sind Sowjet-Monumente für 43 % vor allem eines – bedeutungslos

Interessantes Ergebnis einer aktuellen Befragung, die die estnische Regierung in Auftrag gegeben hat: Demnach gaben 43 Prozent der Teilnehmenden an, die Präsenz von Sowjet-Monumenten im Land als bedeutungslos anzusehen.

Bronzesoldat Tallinn
Am 9. Mai beim Bronzesoldaten in Tallinn, „Tag des Sieges“ in der ehemaligen Sowjetunion. Revanchisten und Kommunismus-Nostalgiker schmücken alljährlich dieses Denkmal für die Besetzung Estlands. (Foto: depositphotos.com)
Angesichts der seit Ausbruch des Ukraine-Krieges stattfindenden Diskussion um Verbleib oder Abriss solcher Denkmäler, die je nach Lesart dem Sieg der Roten Armee über Nazi-Deutschland oder aber der Verherrlichung der Sowjetunion zugeschrieben werden, dürfte das Ergebnis viele überraschen.

Und zwar vor allem jene, die möglicherweise dachten, das baltische Land sei in dieser Frage tief gespalten. Dem scheint nicht so, jedenfalls als landesweite Stimmungslage. Blickt man dagegen auf die Dimension Muttersprachler vs. Nicht-Muttersprachler, zeigen sich deutliche Unterschiede.

So gaben rund 30 Prozent der estnischen Muttersprachler an, die Sowjet-Denkmäler vor allem mit dem Verlust von Freiheit und Staatlichkeit gleichzusetzen. Wer hingegen kein Muttersprachler ist, fühlt sich durch die Monumente in 60 Prozent der Fälle klar an die Bedeutung des Friedens erinnert.

Darüber hinaus waren die Meinungen zu den Denkmälern laut ERR.ee je nach Region unterschiedlich. Dabei zeigte sich, dass das Stimmungsbild im Nordosten des Landes (unmittelbare Nähe zu Russland) tendenziell mit dem der nicht einheimischen Esten übereinstimmte.

Zuvor hatte die Regierung ein Marktforschungsunternehmen beauftragt, die Befragung in zwei Wellen vom 16. bis zum 19. Juni und vom 10. bis zum 14. August durchzuführen. Teilgenommen haben landesweit insgesamt 1.256 Esten ab 15 Jahren.

Hintergrund: Vor wenigen Tagen hatte der Abriss eines T-34-Panzerdenkmals in der Nähe von Narva für Aufregung gesorgt. Infolge heftiger Kontroversen sah sich die Stadt irgendwann nicht mehr in der Lage, die Entscheidung über die Zukunft des Monuments selbst zu treffen.

Kurzerhand übernahm die Regierung in Tallinn und beschloss den Abriss des Panzers und dessen Verlegung in ein Kriegsmuseum. Das baltische Land war zweimal von der Sowjetunion besetzt, zuerst im 2. Weltkrieg von 1940 bis 1941. Später dann anhaltend von 1944 bis 1991.

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