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Neue Studie mit erstaunlicher Erkenntnis

England: Warum waren privilegierte Mönche im mittelalterlichen Cambridge so oft von Parasiten befallen?

Eine neue Studie hat sich mit der Frage befasst, warum mittelalterliche Mönche in Cambridge und darüber hinaus überdurchschnittlich häufig von Parasiten bzw. Würmern befallen waren.

Mönche Cambridge Parasiten
Archäologen der Cambridge Archaeological Unit graben die Überreste von Mönchen aus, die auf dem Gelände des ehemaligen Augustinerklosters im Zentrum von Cambridge begraben sind. (Foto: Cambridge Archaeological Unit)
Und das, obwohl sie als privilegierter Teil der Gesellschaft wie kaum jemand sonst von hygienischen Lösungen wie fließendem Wasser, Händewaschen und getrennten Latrinenblocks Gebrauch machten.

Die Entdeckung resultiert aus der Analyse von erwachsenen Skeletten, die bei Ausgrabungen in Cambridge gefunden worden sind. Dabei stellte sich heraus, dass die Mönche in etwa doppelt so häufig von parasitären Würmern befallen waren wie die Stadtbewohner.

Wie kann das sein? Laut BBC könnte der Unterschied darauf zurückzuführen sein, dass die Mönche die Pflanzen in den Klostergärten mit ihren eigenen Fäkalien düngten. Nicht unüblich zu jener Zeit, aber wahrscheinlich auch ein Infektionsherd sondergleichen.

Der Archäologe Dr. Piers Mitchell dazu: „Eine Möglichkeit ist, dass die Mönche ihre Gemüsegärten mit menschlichen Fäkalien gedüngt haben. Das dürfte zu einer wiederholten Infektion mit Würmern geführt haben.“

Proben ergaben, dass 58 Prozent der getesteten Mönche von Darmparasiten befallen waren. Zum Vergleich: Aufseiten der Stadtbevölkerung betraf dies in Cambridge „lediglich“ 32 Prozent.

Damit stehen die neuen Ergebnisse im Einklang mit anderen Studien über mittelalterliche Bestattungen, die ebenfalls darauf hindeuten, dass die Infektionsraten in Klöstern bemerkenswert hoch waren.

Hintergrund: Die Abwasserentsorgung in den mittelalterlichen Städten Englands basierte auf der Senkgrubentoilette. Diese in den Boden gegrabenen Löcher wurden für menschliche Fäkalien und andere Haushaltsabfälle verwendet.

Eine unterirdische Verbindung über Abwasserkanäle (wie zuvor bei den Römern) gab es in der Regel nicht. Das Abwassersystem der Klöster war im Vergleich zu dem ihrer städtischen Zeitgenossen in der Regel besser geplant.

Und zwar schon zu einer Zeit, als selbst aristokratische Haushalte normalerweise noch nicht über fließendes Wasser verfügten. Ergo konnte Mangel an Hygiene nie der Grund für den hohen parasitären Befall bei Mönchen sein. Unbeantwortet blieb lediglich die Frage nach dem Warum.

Um die plausible Theorie zu untermauern, dass ausgerechnet der klösterliche Gemüsegarten der Quell von Parasitenbefall gewesen sein dürfte, hoffen die Forscher um den Archäologen Tianyi Wang von der University of Cambridge auf größere Studien in den kommenden Jahren.

Veröffentlicht wurden die neuen Ergebnisse mit dem Titel „Intestinal parasite infection in the Augustinian friars and general population of medieval Cambridge, UK“ an diesem Freitag in der Fach-Plattform ScienceDirect. Hier der Link.

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