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Parasitäre Würmer vom Rind

England: Forscher finden Hinweise auf ungekochten Organ-Verzehr der Erbauer von Stonehenge

Durrington Walls war einst eine Wintersiedlung, weniger als drei Kilometer von Stonehenge entfernt. Da die Gemeinde auf den Zeitraum um 2500 vor Christus datiert, wird angenommen, dass hier die Menschen lebten, die den größten Teil des weltberühmten Steinkreises aufbauten.

Koprolithen
Menschlicher Koprolith (konservierte Fäkalien) aus Durrington Walls.
(Bildnachweis: Dr. Lisa-Marie Shillito)
Einem Archäologen-Team der Universität Cambridge ist es nun gelungen, den Blick auf das Leben und insbesondere die Ernährungsweise im prähistorischen Durrington Walls zu schärfen. Mit recht unappetitlichen Erkenntnissen.

Dazu wurden Fäkalien untersucht, die aus der Siedlung stammen – ausgeschieden von Menschen und auch Hunden. Von den 19 Koprolithen, wie die versteinerten Hinterlassenschaften im Fachjargon heißen, enthielten insgesamt fünf die Eier von parasitären Würmern.

Und zwar von solchen, die den Forschern zufolge auf den Verzehr von rohen oder allenfalls dürftig gekochten Tier-Innereien zurückzuführen sind. „Dies ist das erste Mal, dass Darmparasiten aus dem neolithischen Großbritannien gefunden wurden“, teilte Dr. Piers Mitchell, einer der beteiligten Archäologen, mit.

Kapillarwurm Parasit
Mikroskopisches Ei eines Kapillarwurms aus Durrington Walls. Die schwarze Maßeiunheit entspricht 20 Mikrometern. (Bildnachweis: Evilena Anastasiou)
Der Theorie zufolge dürften sich Teile der Population von Durrington Walls bei Mahlzeiten mit Lunge oder Leber bereits parasitär befallener Rinder ernährt und Reste davon an ihre Hunde verfüttert haben. Die Eier der Parasiten gelangten so direkt in die Körper.

Die Ergebnisse der Forschung sind vor einigen Wochen in der Zeitschrift Parasitology veröffentlicht worden. „Die Art der Parasiten, die wir gefunden haben, passt zu früheren Beweisen für die Winterfütterung von Tieren während des Baus von Stonehenge“, sagte Mitchell.

Bei weiteren Ausgrabungen in Durrington Walls legten die Archäologen neben Keramiken und Steinwerkzeug rund 38.000 Tierknochen frei. Etwa 90 Prozent davon stammten von Schweinen, die restlichen 10 Prozent von Kühen.

In Durrington Walls wurde gelebt und gefeiert – in Stonehenge geschuftet

Durrington Walls Stonehenge
Nachbildung eines der neolithischen Häuser, die in Durrington Walls in der Nähe von Stonehenge entdeckt wurden.
(Foto: University of Cambridge)
Frühere Analysen von Rinderzähnen aus Durrington Walls deuten darauf hin, dass einige der Tiere fast 100 Kilometer von Devon oder Wales zu diesem Ort getrieben worden sind.

Von den Forschern identifizierte Schlachtmuster deuten ferner darauf hin, dass das Rindfleisch in erster Linie für Schmorgerichte zerkleinert und das Knochenmark extrahiert wurde. In einigen wenigen Fällen muss es dann auch zum Verzehr der (fast) rohen Innereien gekommen sein.

„Schweine- und Rindfleisch wurde am Spieß gebraten oder in Tontöpfen gekocht. Aber es sieht so aus, als ob die Innereien nicht gut gegart wurden“, lautet die Bewertung eines Wissenschaftlers, der schon in den 2010er Jahren vor Ort geforscht hat.

Die neuen Daten für Durrington Walls stimmen übrigens mit denen der zweiten Bauphase von Stonehenge überein. Also jener Phase, bei der die berühmten Trilithen errichtet wurden – zwei massive Vertikalsteine, die einen dritten Horizontalstein tragen.

Ferner scheint Durrington Walls ein lediglich saisonal bewohnter Ort gewesen zu sein, an dem die Menschen nicht nur lebten, sondern auch feierten. Wahrscheinlich als Ausgleich für die kräftezehrende Arbeit an der Kultstätte.

Stonehenge selbst soll dagegen auch während der Bauphase komplett unbewohnt gewesen sein. Jedenfalls wurden bis dato bei keiner Grabung Spuren entdeckt, die auf das Gegenteil hinweisen.

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