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Spannender Ort in Derbyshire

England: Waren die Anchor Church-Höhlen in Wahrheit ein königliches Refugium?

Archäologen aus England haben Untersuchungen an den sogenannten Anchor Church Caves in der Grafschaft Derbyshire durchgeführt, von denen bis dato angenommen wurde, dass sie aus dem 18. Jahrhundert stammen.

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Fotos: Royal Agricultural University (RAU) / Wikipedia

In einer Pressemeldung teilte das Team von der Royal Agricultural University (RAU) nun Überraschendes mit. Denn nicht nur das Alter, sondern auch die ursprüngliche Nutzung des mit viel Aufwand in den mittelenglischen Sandsteinfels gehauenen Höhlenhauses dürfte nichts mit den bislang geltenden Sichtweisen zu tun haben.

„Das Ganze ist ziemlich bemerkenswert“, teilte Edmund Simons vom RAU mit. Man sei nach Abschluss der Untersuchungen davon überzeugt, dass das Felsenhaus viel älter ist – wahrscheinlich aus dem frühen 9. Jahrhundert.

Damit könnten die Anchor Church Caves zu den ältesten bekannten bzw. in ihrer Grundsubstanz erhaltenen Behausungen auf englischem Boden gehören. Es gebe aus dieser Periode zwar einige intakte Kirchen, so Simons. Ansonsten sei ihm jedoch kein Ort bekannt, „wo man sich heute anschauen kann, wie jemand in dieser Zeit gelebt, gegessen, geschlafen und gebetet hat.“

Ein wichtiges Indiz für das Alter der Höhle ist eine in den Fels gehauene Säule, die deutliche Ähnlichkeiten zu einer Krypta aus der angelsächsischen Periode (450 bis 1066 n. Chr.) aufweist, die in der Nähe existiert. Zudem ähnelten die schmalen Türöffnungen und Fenster der Architektur aus dieser Epoche, sagen die Forscher.

Zugleich öffnet die nun gültige Alterseinschätzung der Anchor Church Caves den Raum für neue faszinierende Theorien. Beispielsweise zur naheliegenden Frage, wer denn im 9. Jahrhundert hier gelebt haben könnte.

Die Forscher der RAU halten es jedenfalls für möglich, dass kein Geringerer als König Eardwulf von Northumbria nach seiner Absetzung im Jahr 806 hier eingezogen sein könnte – als bescheidener Einsiedler, der hier über das Ende seiner Regentschaft hinaus die Zeit mit Beten und dem Empfang seiner ehemaligen Gefolgschaft verbracht haben könnte.

Es gibt zwar auch andere Quellen, die eine spätere Rückkehr von Eardwulf auf den Thron als möglich ansehen. Gesicherte Belege gibt es hierfür nicht. Für die RAU-Forscher jedoch schließt sich allein durch die Grabstätte Eardwulfs im Kloster von Breedon on the Hill (Leicestershire) ein möglicher Kreis.

Von hier sind es nämlich nur wenig Kilometer zu den Anchor Church Caves, was die Theorie von der königlichen Höhlenwohnung logistisch recht plausibel macht. „Die Dinge passen zusammen“, urteil Simons.

Gut belegt scheint hingegen die Höhlennutzung im 18. Jahrhundert, als Robert Burdett, ein örtlicher Landbesitzer, die Anchor Church Caves für sich entdeckt und zu einem Platz der Begegnung mit Freunden und geladenen Gästen ausgebaut haben soll.

Dazu erhielt die Höhle Fenster und Türen. Es dürften dekadente Abende gewesen sein, die hier in dieser Zeit stattfanden. Aber: Die Dinnerpartys waren den neuesten Erkenntnissen zufolge nicht der Ursprung, sondern eher das Ende der häuslichen Nutzung der Anchor Church Caves.

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sh

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