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Umstrittenes Geschäftsmodell

Startup „Arctic Ice“ liefert Grönlandeis exklusiv an Cocktailbars – in Vereinigte Arabische Emirate

Das Startup-Unternehmen „Arctic Ice“ hat ein – gelinde gesagt – außergewöhnliches Geschäftsmodell. Denn es verdient sein Geld damit, Eis aus den Fjorden Grönlands in die Vereinigten Arabischen Emirate zu verschiffen. Und zwar exklusiv für Cocktailbars.

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So sieht ein grönländischer Eisblock aus, der Wochen später rund 9.000 Seemeilen entfernt in arabischen Cocktails geschlürft wird. (Foto: Arctic Ice)

Die Gründer des Unternehmens preisen ihr Produkt als absolut rein und über die Jahrtausende hinweg derart komprimiert, dass es deutlich langsamer schmilzt als normales Eis. Bei den Temperaturen, die mitunter im Zielgebiet herrschen, sicherlich ein prima Verkaufsargument.

Auf der Website des Unternehmens heißt es: „Arctic Ice wird von natürlichen Gletschern gewonnen, die seit mehr als 100.000 Jahren gefroren sind. Unsere Eisschilde sind weder mit Böden in Berührung gekommen noch durch Schadstoffe verunreinigt. Es ist das sauberste H2O der Erde.“

Aber rechtfertigt dieses wohl unbestreitbare Gütesiegel auch das, was mit dem Eis geschieht? Erst kürzlich hat Arctic Ice die ersten 20 Tonnen Ware über zigtausende von Seemeilen verschickt. Via Zwischenstopp in Dänemark und über diverse Meere.

Statt Lob und Bewunderung für den Pioniergeist des Unternehmens hagelte es nach Bekanntwerden der ersten Tranche Kritik vom Feinsten, wie der Guardian berichtet, bis hin zu physischen Drohungen gegen die Leitung von Arctic Ice.

“Haben unsere Ziele vielleicht noch nicht gut genug kommuniziert“

„Wir verfolgen dieses Ziel mit unserem Unternehmen, aber wir haben es vielleicht noch nicht gut genug kommuniziert“, reagierte Mitgründer Malik Rasmussen diese Woche in einem Pressestatement auf das harsche Feedback.

Im Grunde, so sieht er es, sei das Geschäft einwandfrei und umweltfreundlich. Und überdies ein Beitrag zur Diversifizierung der Regionalwirtschaft. „In Grönland machen wir unser Geld mit Fisch und Tourismus“, sagt Rasmussen. „Ich wollte schon lange etwas anderes finden, von dem wir profitieren.“

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Die ersten 20 Tonnen sind geliefert, nur fiel der Beifall bislang recht spärlich aus. (Foto: Arctic Ice)

Operativ greift Arctic Ice auf ein Spezialboot mit Kran zurück, um vor den Toren der grönländischen Hauptstadt Nuuk nach genau der Art von Eis zu suchen, die arabischen Cocktails das gewisse Etwas geben soll.

Sobald ein geeignetes Stück gefunden ist, hebt es der Kran in eine blaue Plastikkiste, bis das Boot voll ist. Dann geht es zurück nach Nuuk, wo das Eis in vorgekühlten Schiffscontainern landet – sozusagen fangfrisch für die erste Passage nach Dänemark.

Überschüssige Emissionen sollen durch CO2-Speicherverfahren kompensiert werden

Dort erfolgt die Verladung auf ein anderes Schiff, mit dem das Eis schließlich zu einem lokalen Händler in Dubai transportiert wird. Laut Arctic Ice ist die erste Etappe nach Dänemark von geringer CO2-Intensität, da die meisten Kühlcontainer, die Grönland verlassen, leer seien.

Der Grund ist, dass Grönland viel mehr Tiefkühlprodukte importiert als exportiert. Der Logik nach macht also Arctic Ice aus einer Leerfahrt, die ohnehin stattfindet, potenziell eine Passage mit Fracht. Kann man so argumentieren, ist aber nur ein Teil der CO2-Strategie des Unternehmens.

Der andere besteht darin, den Kohlendioxid-Fußabdruck alsbald exakt zu berechnen. Überschüssige Emissionen sollen dann durch neuartige CO2-Speicherverfahren an anderer Stelle kompensiert werden.

„Ich glaube, dass es meine Aufgabe ist, Grönland bei seinem grünen Wandel zu helfen“, beschreibt es Rasmussen. Und wenn alle Stricke reißen, soll es in den Vereinigten Arabischen Emiraten ja auch noch Restwasser und Tiefkühltruhen geben. Es gibt für alles eine Lösung.

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