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Der Sprung ins Neue Jahr

So wird in Dänemark Silvester gefeiert

Silvester ist überall auf der Welt eine Nacht des Feuerwerks und großer Feiern. Dänemark bildet da keine Ausnahme. Und doch haben die Dänen ganz eigene Traditionen und Rituale, wenn es darum geht, ins Neue Jahr zu rutschen. Oder wie sie in Dänemark sagen: ins Neue Jahr zu springen.

Manch eine dänische Tradition ist kurios, wenn nicht bizarr, gerade deswegen gehen wir darauf ein. Silvester in Dänemark ist auch ein Stück Patriotismus; fangen wir doch damit an.

Silvester Dänemark Feuerwerk Rathausplatz Kopenhagen
Feuerwerk am Rathausplatz in Kopenhagen. (Foto: Paulius Malinovskis, CC BY 2.0)

1. Ein Toast auf das Vaterland

Der Silvesterabend beginnt mit der Neujahrsansprache der Königin Margrethe. Punkt 18 Uhr startet die Live-Übertragung aus dem Schloss Fredensborg.

Die Rede Ihrer Majestät ist seit ihrer Einführung durch König Christian IX. in den 1880er Jahren eine alljährliche Tradition. Sie ist zu einem Symbol der Einheit des Landes geworden. Auch heute noch nutzt die Königin diese Gelegenheit, um die wichtigsten politischen Ereignisse des Jahres zusammenzufassen, sowohl auf globaler als auch nationaler Ebene, und dankt den Menschen in Grönland und auf den Färöern stets mit einem Kopfnicken.

Die Königin hat übrigens immer beste Einschalt-Quoten.

Ihre Rede gibt den Startschuss für den ersten (legitimen) Toast mit einem alkoholischen Getränk. Schließlich ist bis Mitternacht nicht mehr viel Zeit. Um in Stimmung zu kommen, soll man bekanntlich rechtzeitig anfangen.

Pro-Tipp: Kommen Sie nie zu spät zur Übertragung der Ansprache. Die Dänen stehen während der Rede aus Respekt vor der Königin auf, und es ist unangenehm, hereinzukommen und „Hej!“ zu rufen, wenn andere gerade in patriotischer Stimmung schwelgen.

2. Kabeljau und Kransekage

Kransekage Neujahr Silvester
International geschmückter Kransekage. (Foto: BepJack, CC BY-SA 2.0)
Nachdem Margrethe ihren Gruß an die Nation mit den Worten Gud bevare Danmark (Gott schütze Dänemark) ausgerichtet hat, ist es Zeit, sich über das Essen herzumachen. Das Silvestermenü bildet einen Kontrapunkt zu den kalorienreichen Weihnachtsgerichten, die nur wenige Tage zuvor verzehrt wurden. Das traditionelle Neujahrsmenü besteht aus gekochtem Kabeljau, der üblicherweise mit hausgemachter Senfsauce und Beilagen serviert wird.

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Den süßen Abschluss eines Silvesteressens bildet der dänische Kransekage.

Der Kranzkuchen besteht aus mehreren übereinander geschichteten Ringen aus gebackenem Marzipan, die mit einer Puderzucker-Eiweiß-Glasur im typischen Schlingenmuster verziert und gestapelt werden, sodass ein kegelförmiger Turm entsteht.

Die Kegel-Form des Kuchens symbolisiert das Füllhorn, das Glück und Reichtum für das kommende Jahr in Überfluss verspricht.

3. The same procedure as every year, James!

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Nicht nur in Deutschland, auch in Dänemark ist die Fersehsendung von „Dinner for One“ Bestandteil der traditionellen Silvesternacht. Der Sender Danmarks Radio überträgt den Sketch üblicherweise kurz vor Mitternacht. Dort ist „Dinner for One“ übrigens unter dem Titel 90-års-fødselsdagen (Der 90. Geburtstag) bekannt.

Dieser in Deutschland produzierte Sketch wird in Dänemark seit 1980 jedes Jahr ausgestrahlt. Und die Dänen lassen sich diesen nicht mehr aus dem Herzen bzw. Programm nehmen.

Als 1985 der DR sich törichterweise weigerte, den Sketch auszustrahlen, rief diese Entscheidung große Proteste der Öffentlichkeit nach sich. Der Sender musste Tausende von Beschwerdebriefen beantworten.

4. Der Sprung ins Neue Jahr

Während wir ins Neue Jahr rutschen, wird in Dänemark gesprungen.

Auf Nicht-Dänen mag es seltsam wirken, wenn sie auf einem dänischen Neujahrsfest sind, und kurz vor Mitternacht die dänischen Freunde auf Stühle oder Sofas steigen. Es liegt nicht daran, dass sie stark angeheitert sind, und das werden sie sein, es ist schlicht eine alte Tradition, dass, wenn die Uhr 12 schlägt, ins neue Jahr zu springen.

Der Sprung vom Stuhl bringt Glück, selbst wenn man dabei das Pech hat, ungünstig zu landen und sich wehzutun. Echte Dänen/innen riskieren lieber Pech als Unglück.

5. Feuerwerk oder Höllentrip, man weiß es nicht

Feuerwerk Kopenhagen Neujahr
Frohes neues Jahr! Die Dänen feiern Neujahr traditionell mit einer Menge Feuerwerk. Einer der besten Orte, um das Feuerwerk zu sehen, ist entlang der Seen in Kopenhagen.
(Foto: Frank Schmidt, CC BY-NC 2.0)
Dänen sind obsessive Feuerwerker. An Silvester stehen Himmel und Straßen in Flammen! Alle Sicherheitsbedenken scheint man einem Feuerwerk gleich in den Wind zu schießen, wenn es darum geht, das Neue Jahr mit einem Knallspektakel zu begrüßen. Der Kopenhagener Rådhuspladsen gleicht einem Kriegsschauplatz. Als Tourist sollte man diesen Platz zu Silvester vielleicht lieber meiden.

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Eine weitere Adresse in Kopenhagen, die man als pazifistischer Tourist und/oder Hund meiden sollte, ist die Brücke über die Kopenhagener Seen nach Nørrebro, die Dronning Louises Bro, dort herrscht, wenn nicht gerade eine Corona-Pandemie dazwischen kommt, Ausnahmezustand.

6. Scherben bringen Freundschaft

Jetzt wird es wirklich bizarr. Es ist Tradition, um Mitternacht alle zerbrochenen Porzellanscherben aufzusammeln und sie als Zeichen der Zuneigung und ewigen Freundschaft gegen die Tür seiner Freunde zu schmettern.

Dies ist genau der Moment, in dem all der angestaute Ärger der vergangenen zwölf Monate sich Bahn bricht. Je größer der Scherbenhaufen vor Ihrer Tür, desto mehr lieben die Menschen Sie. Bedenken Sie dies, wenn Sie all das zerbrochene Porzellan auflesen.

7. Die Ansprache der Ministerpräsidentin

Na, verkatert im Bett? Diejenigen, die ihren Neujahrskater nicht im Bett verbringen, sondern im Fernsehen Biathlon oder Skispringen schauen, dabei den Kransekage von gestern essend, können sich auf die Ansprache der Ministerpräsidentin um 19:15 Uhr freuen. Dies ist einer der älteren Bräuche, der auf das Jahr 1940 zurückgeht, als der damalige Premier, Thorvald Stauning, angesichts des Zweiten Weltkriegs die allererste Neujahrsansprache im Radio hielt.

Heute hat die Ansprache den Charakter einer Diskussion, in der das politische Jahr rekapituliert wird. Nach der Rede folgen einige ausführliche Analysen durch die Politologen. Es ist der pefekte Zeitpunkt, um mit Ihren Freunden über Politik zu reden. Oder lieber nicht.

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ap

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