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Dänische Weihnacht

Wie feiert man Weihnachten in Dänemark?

Dänemark feiert Weihnachten anders als andere. Manch eine Weihnachtstradition ist geradezu eigenartig. Die dänischen Traditionen sind eine Mischung aus Feiern als wäre es Wikingerzeit und zugleich die Jahre 1988 und 1990. Wie das kommt, klären wir jetzt.

Weihnachten Dänemark
Weihnachten in Dänemark. (Foto: sunsju, CC BY-NC-ND 2.0)

Weihnachten wie bei Wikingers

Wussten Sie, dass das dänische Wort für Weihnachten (Jul) tatsächlich auf die Wikinger zurückgeht, die Mitte Januar Jól feierten, das nordische Julfest?

Das Winterfest hat daher einen besonderen Platz in der dänischen Kultur – die Wikinger-Vorväter und -Mütter versammelten sich zu den Winterfeierlichkeiten, wo sie gut aßen, Bier tranken und Geschenke austauschten – aus heutiger Sicht würde man das auch Trinkgelage nennen. Klingt so, als hätte sich daran im Prinzip bis heute nichts geändert.

Doch fangen wir im Sommer an.

Weihnachten im Juli

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Sie lieben auch Wortspiele? Sicher nicht so sehr wie die Dänen. Sie lieben sie dermaßen, dass sie es sich nicht nehmen ließen, einen Weltkongress der Weihnachtsmänner zu veranstalten – im Juli.

Jedes Jahr im Sommer findet im Bakken (Dyrehavsbakken), dem ältesten und vergnüglichsten Vergnügungspark der Welt, nur eine kurze Autofahrt nördlich von Kopenhagen, eines der größten Weihnachtsmann-Treffen weltweit statt. Seit 1957 ist es ein wichtiger Tag im Kalendarium der Weihnachtsmänner von Welt. Wer frühzeitig in Weihnachststimmung kommen will, sollte sich das Spektakel anschauen. Übrigens sind beim Kongress auch Weihnachtsmannehefrauen und Weihnachtselfen willkommen.

J-Dag – Der Weihnachtsbierbrautag

Der eigentliche Beginn der Weihnachtssaison in Dänemark ist stets der erste Freitag im November, pünktlich um 20:59 Uhr. Das ist der Start für den julebrygsdag (Weihnachtsbierbrautag). Wenn man an diesem Stichtag das Bier ansetzt, ist es genau an Weihnachten fertig.

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Der J-dag ist eine langjährige Tradition aus dem letzten Jahrhundert … Moment, wir fangen noch mal an: Der J-Tag wurde 1990 von der dänischen Brauerei Tuborg eingeführt, um ihr Weihnachtsbier in jenem Jahr auf den Markt zu bringen. Seither ist es zu einer dänischen Tradition geworden, die in Dänemark mehr oder weniger die Weihnachtszeit einläutet.

Jeder Erwachsene kann problemlos an den Feierlichkeiten in allen Bars und Kneipen des Landes teilnehmen. Bedenken Sie jedoch, dass Weihnachtsbiere einen höheren Alkoholgehalt haben als normale Biere. Sollten Sie es vergessen, dies zu bedenken, ist es nicht schlimm – das macht Sie nur umso dänischer.

Jul det cool, Alter! – Eine andere Art des Weihnachtsliedes

Die Vorweihnachtszeit ist dazu da, um für den Heiligabend in Stimmung zu kommen. Alle Radiosender der christlichen Welt schmettern unentwegt Jingle Bells und Last Christmas … *Scratch-Geräusch* … wirklich alle Sender? Schon, auch die dänischen, nur haben diese ihre Playlist um einen dänischen Weihnachtsklassiker erweitert.

Es ist ein Rap-Song mit dem Titel „Jul det cool“ (zu dt. etwa „Weihnachten ist es cool“). Niemand in Dänemark, nicht Oma, nicht Opa, nicht Kind, nicht Kegel, kommt zu Weihnachten an diesem 80er-Jahre Ohrwurm von MC Einar vorbei, seit er zu Beginn des Jahres 1989 ein Nummer-eins-Hit in Dänemark gewesen ist.

Das Lied wurde am 24. November 1988 bei CBS Records veröffentlicht. „Jul det cool“ gilt als „Anti-Weihnachtslied“ und ist laut MC Einar „ein satirischer und ätzender Kontrapunkt zum weihnachtlichen Konsumrausch“, dem die Dänen jährlich verfielen. Jedenfalls traf der Song genau den Nerv der Zeit und wurde wohl gerade wegen seines kritischen Tones zu einem Weihnachtslied, das uns an den wahren Kern von Weihnachten erinnert, den man mit dem Wort Besinnlichkeit beschreiben könnte.

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Laut KODA, dem dänischen GEMA, war das Lied das meistgespielte Weihnachtslied im dänischen Radio im Zeitraum 2008-2012. Im Dezember 2013 erhielt die Single die Goldene Schallplatte für 900.000 Streams.

Unsere Tradition seit 2018 ist es übrigens, den Song in unserer Spotify-Weihnachtslieder-Playlist zu führen.

Freche Nisser

Nisse Weihnachten Dänemark
Der Nisse bringt Weihnachtsgeschenke. Postkarte, gestempelt 1912.
Bevor wir zum dänischen Weihnachtsnisse kommen, sollten wir klären, was ein Nisse ist. Ein Nisse ist ein Haus-Kobold oder Wichtel, der in der dänischen (und färöischen und norwegischen) Tradition eine wichtige Rolle spielt. Der Name Nisse ist eine Ableitung des Namens Niels, der dänischen Form für Nikolaus. Früher wurde der Nisse auch lille Niels genannt.

Nicht zu verwechseln ist der Nisse mit dem schwedischen Tomte bzw. dem finnischen Tonttu. Ach, verwechseln Sie sie ruhig, denn es handelt sich dabei um die gleichen Kobolde unter anderen Namen.

Der Nisse ist ein alter Mann mit einem weißen Bart, der eine rote Mütze trägt und etwa so groß ist wie ein 10-jähriges Kind. Soweit, so weihnachtlich. Doch nicht jeder Nisse ist ein Weihnachtskobold.

Es gibt den Kirchennisse, Hofnisse, Waldnisse und sogar den Druckfehlernisse. Aber der Julenisse erhält die höchste Anerkennung in Dänemark, was zu unserem Thema hervorragend passt.

Der Julenisse ist ein fester Bestandteil der dänischen Weihnachtstradition. Er hilft dem Weihnachtsmann beim Erstellen der Geschenke und erwartet als Gegenleistung von den Menschen, dass er während der Adventszeit mit Milchreis (risengrød) versorgt wird. Es ist der einzige Nisse, der eine Familie hat.

Niemals dürfen Dänen vergessen, ihren Nisse gut zu behandeln. Sollte man vergessen, den weihnachtlichen Dankes-Milchreis für den Julenisse herauszustellen, spielt er den Hausbesitzern Streiche oder verlässt gar ihr Haus. – Und wer macht dann die Geschenke? – Eben!

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Heiligabend auf Dänisch

Weihnachtsessen Dänemark
Üppiges Weihnachtsessen. (Foto: RitaE)
Der Höhepunkt der dänischen Weihnacht ist der Heiligabend (24. Dezember), wenn der Däne/die Dänin mit ihren Liebsten zusammenkommt, um köstlich zu speisen. Dabei werden traditionellerweise Schweins- und Entenbraten, Salzkartoffeln, Rotkohl und Bratensoße aufgetischt. Auf diesen leichten Imbiss folgt eine Portion Milchreis mit Kirschsauce, wobei es bei diesem Nachtisch in erster Linie darum geht, die im Milchreis versteckte Mandel zu ergattern. Wer die Mandel in seinem Reis findet, erhält ein Geschenk mehr an Weihnachten.

Nach dem Abendessen geht man ins Wohnzimmer und tanzt einen Reigen um den Weihnachtsbaum, wobei die Dänen Weihnachtslieder singen. Nachdem jeder sein Lied ausgewählt und gesungen hat, geht es zum Geschenkeauspacken.

Aber gemach, die Geschenke werden langsam ausgepackt, das ist Teil der Tradition. Ein Paket nach dem anderen wird sorgfältig unter dem Weihnachtsbaum ausgewählt und dem richtigen Empfänger zum Öffnen übergeben, bis alle Geschenke ausgepackt sind.

Ein zusätzlicher kleiner Nervenkitzel bei der dänischen Weihnacht ist, dass sie Kerzen am Baum verwenden, echte Kerzen mit Feuer und so. Nicht-Dänen wäre echtes Feuer an echtem Baum vielleicht etwas zu viel des Guten, doch die Dänen finden es einfach hyggelig.

Glædelig jul og godt nytår!

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ap

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