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Fähre? Brücke? Fähre? Brücke?

Dänemark: Den einen Königsweg nach Fünen / Seeland gibt es (noch) nicht – aber einen Tipp

Von Deutschland mit dem Auto kommend, lautet die logistische Planungsfrage vor Reiseantritt in Richtung Fünen und Kopenhagen so: Lieber mit der Fähre ab Fynshavn rüber nach Bøjden? Oder weiter hoch in den Norden mit Rechtsschwenk bei Kolding – und per Brücke über den Kleinen Belt?

Da beide Wege als zielsicher gelten, könnte es einem eigentlich fast egal sein. Der NORDISCH-Redaktion war es das bei einer kleinen Entdeckungstour im Mai aber nicht. Daher haben wir beides ausprobiert. Hin die Fähre, retour die Brücke.

Eins vorweg: Es gibt in der vorliegenden Brücke-Fähre-Frage kein eindeutiges Urteil, beides hat seine Reize bzw. Vorteile. Aber es gibt Anhaltspunkte, die je nach Art und Ziel der Reise zum Tragen kommen können. Auszumachen an Faktoren wie Zeit, Geld, Erlebnis und Streckenlänge.

Variante 1: Die Fähre von Fynshavn nach Bøjden

Fähre von Fynshavn nach Bøjden
Auf der Fähre von Fynshavn nach Bøjden. (Foto: Nordisch.info)
Ganz klar, die Fähre Fynshavn – Bøjden ist schon bei der Anfahrt ein Erlebnis. Jedenfalls dann, wenn man ab Flensburg auf der dänischen Seite die Förde entlanggondelt. Über Kollund und Rønshoved, immer am Wasser entlang. Ein Träumchen, erst recht bei gutem Wetter.

An der Fähre angekommen, entscheidet sich dann sofort, ob der Zeitplan aus dem Ruder läuft oder nicht. Zur Ehrlichkeit gehört dazu, dass wir uns mit dem Fahrplan im Vorfeld nicht wirklich beschäftigt hatten. Dementsprechend war es wohl Glück, dass das Schiff genau dann anlegte, als wir eintrafen.

Dazu ein Hinweis: Der Spontan-Ticket-Kauf an den Automaten ist nur dann als intuitiv zu bezeichnen, wenn man im Dänischen halbwegs daheim ist. Vor allem bei Zeitstress ist das Procedere nicht ohne, das nur als kleine Vorwarnung bzw. Tipp, die Buchung vielleicht besser online bei der zuständigen Fährgesellschaft abzuschließen.

Alslinjen Fähre Überfahrt
Bei der Überfahrt mit einer Fähre von Alslinjen lässt sich noch einmal Ruhe und Kraft tanken vor dem möglicherweise letzten Abschnitt der Reise zum Zielort auf Fünen oder Seeland.
(Foto: Nordisch.info)
Der Standardwagen (bis 6 m lang und 1,95 m breit) kostet für zwei Personen 223 Dänische Kronen, was etwa 30 Euro entspricht. Erstmal ein fairer Kurs. Aber die Endrechnung wird ja bekanntlich im Bordbistro gemacht, wo Burger, Pommes und Co. lauern. Zu durchaus „dänischen“ Preisen.

Die Überfahrt dauert rund 60 Minuten, und die verbringt man am besten auf dem großen Sonnendeck. Unsere Passage verlief prima, relativ wenig Leute an Bord, kein lautes Motordröhnen, kaum Wellengang. Sehr entspannt und komfortabel.

Wobei: Achtung auf den Treppenstufen im Schiff gilt dann doch, da sie selbst für Fähr-Verhältnisse schmal sind. Sehr schmal. Zum Glück gibt es einen Aufzug, wenn man Sperriges mit sich führt. Die Zeit sollte man sich unbedingt nehmen.

An Bord gibt es übrigens WLAN, das zwar nicht rasend schnell ist, aber absolut ausreichend für einfache Anwendungen. Und schließlich noch die harten Fakten: Die (theoretische) Fahrt von Flensburg nach Kopenhagen wird auf dieser Route mit rund 4:20 Stunden und 270 Kilometern angegeben.

Variante 2: Brückenweg über Kolding und Kleinen Belt

Ny Lillebæltsbro
Blick auf die Ny Lillebæltsbro, die „Neue Kleiner-Belt-Brücke“, verbindet Jütland mit Fünen. (Foto: Zveiger / depositphotos.com)
Zum Tragen kommen beide Werte vor allem, wenn man die Alternative über die Ny Lillebæltsbro am Kleinen Belt dagegenhält. Hier warten auf der Standardroute zwar satte 330 Kilometer auf nichts als reizarmer Autobahn, aber eben auch nur 3:30 Stunden, wenn alles glatt läuft. Schneller ist das.

Als einziges Highlight ist hier in der Tat die Fahrt über den Kleinen Belt anzusehen. Die Brücke ist rund 1,7 Kilometer lang und darf mit Fug und Recht als würdiges Tor nach Fünen bezeichnet werden.

Wer nicht gerade mit Fahren beschäftigt ist, kann für ein paar Momente einen herrlichen Blick auf die See genießen. Aus fast 50 Metern Höhe, das hat echt was. Aber ist es besser als der Fährweg?

Sagen wir es so: Wer tatsächlich durchbraust bis Kopenhagen, wird sein ultimatives Brücken-Erlebnis später eh auf der Storebæltsbroen haben, die einfach nur gigantisch ist. Die Passage rund 13 Kilometer über den Großen Belt ist definitiv was fürs Fotoalbum, da kann der Kleine nicht mithalten.

Unter dem Strich dann also doch ein klares Votum für die Fähre, wenn man die Zeit hat, die Mehrkosten nicht scheut und das Erlebnis sucht. Etwas pragmatischer ist dagegen die Schleife über Kolding und den Kleinen Belt.

Und auch wer „nur“ nach Fünen will, sollte sich den möglichen Verzicht auf die Fähre gut überlegen. Jedenfalls dann, wenn Urlaube in Dänemark nicht wirklich Routine sind. Man muss das einfach mal gemacht haben, finden wir nach dem 1-zu-1-Vergleich.

In ein paar Jahren dürfte sich die Frage dann erübrigt haben, zumindest mit Zielrichtung Kopenhagen. Denn um 2030 herum wird die milliardenschwere Fehmarnbeltquerung fertiggestellt sein, eine 18 Kilometer lange Tunnelverbindung mit Straße und Gleis, von Fehmarn rüber nach Lolland.

Fahrtzeit und Strecke werden sich dadurch massiv verkürzen. Nicht so aber mit Blick auf Fünen, wo Fähre und die Alternative über Kolding und Kleinen Belt das Maß aller Dinge bleiben dürften.

Unser Wer-Was-Wann-Wo-Dänemark-Bilderquiz

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