100 Jahre Unabhängigkeit – Wir feiern mit

Estland wird 100 – Konzerte, bunte Events und weiße Nächte

| 17.02.2018 - 17:58 Uhr

Die Esten lieben Winterschwimmen, klassische Musik und Frikadellisupp (Klößchensuppe). Und die Freiheit. Diese haben sie zum ersten Mal am 24. Februar 1918 errungen. Jetzt feiern sie dieses Jubiläum das ganze Jahr hindurch und noch ein bisschen länger. Im ganzen Land gibt es Festivals, Konzerte und Veranstaltungen, die fünf Dinge in den Mittelpunkt stellen: die Natur, die Geschichte, die Menschen, die Freiheit und die Zukunft. Wir feiern mit!

Sängerfest Tallinn

Auf dem Sängerfest in Tallinn. (Foto Raigo Pajula)


Auf nach Estland


Lonely Planet hat Estland 2018 zu den Top-10-Reisezielen der Welt gewählt. – Estland ist natürlich, trendig und zudem eine Schönheit der Ostsee. Anlässlich des 100-jährigen Geburtstages seit Gründung der Republik Estland organisieren die Esten für sich und alle Freunde des Landes besonders schöne Veranstaltungen, die eine Reise unvergesslich machen.

Die Hundertjahr-Woche


Manifest an alle Völker Estlands

Ausschnitt aus dem Manifest kõigile Eestimaa rahwastele – Manifest an alle Völker Estlands, Pärnuer Fassung.


Vom 19. bis 25. Februar finden im Rahmen der Hundertjahr-Woche in ganz Estland Darbietungen und Ausstellungen zum Unabhängigkeitstag statt: Die Unabhängigkeitserklärung von 1918, das „Manifest an alle Völker Estlands“, wird am 23. Februar in Pärnu verlesen. Abends wird in Tallinn das Musikfestival „Made in Estonia“ im Kultuurikartel in Tallinn gefeiert, ehe am nächsten Morgen, am 24. Februar bei Sonnenaufgang die estnische Flagge in Tallinn feierlich gehisst wird.

Eine außergewöhnliche Veranstaltung der Hundertjahr-Woche: Rasmus Puur wird in der Konzerthalle von Pärnu ein Konzert geben, bei dem er 2.000 estnische Ortsnamen nach einem Gedicht von Doris Kareva musikalisch präsentiert.

Ein großartiger Sommer


Volksfest

„Ein unvergesslicher Sommer“ – (Foto Marek Metslaid)


Die Esten sind leidenschaftliche Sänger und herausragende Musiker. Mit der Großen Sommerwoche feiern sie vom 18. bis 25. August ihre Freiheit mit Klang und Gesang. Diese Sommerwoche (Suur suvenädal) ist arrangiert rund um den Tag der Wiedererlangung der Unabhängigkeit am 20. August.

Der Sommer wird mit einer groβen Mitsing-Veranstaltung, dem „Laulu Võim“ („Die Macht des Liedes“) eröffnet, das auf dem bekannten Sängerfestfeld in Tallinn stattfinden wird. Dann reist das Orchester der Grenzpolizei entlang der estnischen Grenze und gibt kostenlose Freilichtkonzert, die den Namen „Mööda Piiri“ („Entlang der Grenze“) tragen.

 Sängerfestfeld in Tallinn

Auf dem Sängerfestfeld in Tallinn. (Foto Aivar Pihelgas)


Im Rahmen der Konzertserie „Teekond“ („Die Reise“) reist auch ein Streichquartett durch ganz Estland und präsentiert Konzerte an den Bahnhöfen in Estland. Die musikalische Reise endet mit einem Gala-Konzert am Bahnhof von Tartu und der Station Balti Jaam in Tallinn.

Höhepunkt der musikalischen Großen Sommerwoche ist die „Nacht der Lichter“, bei der das estnische National-Symphonie-Orchester am Hafen von Kakumäe in Tallinn und auf der Insel Naissaar die Glanzstücke estnischer Musiker spielt.

Der 25. August ist auch die Nacht der Lagerfeuer. An allen Stränden der Ostsee erhellen Lagerfeuer die sternenklare Nacht. Und jeder ist eingeladen, mit Sand unter den Füßen und Meeresrauschen im Ohr die Lagerfeuerlichter zu genießen.

Ein Instrument für jedes Kind


Ein Instrument für jedes Kind

(Foto Kaupo Kikkas)


Das 100-jährige Jubiläum der Unabhängigkeit ist den Kindern und der Zukunft Estlands gewidmet. Eine der großen Jubiläumsprojekte ist die Initiative Ein Instrument für jedes Kind. Mit dem Ziel, die Musikalität zur Entfaltung zu bringen und den Sinn für Ästhetik und Kreativität zu schärfen, werden im Jubiläumsjahr alle musikalischen Einrichtungen, Schulen und Vereine mit neuen Musikinstrumenten ausgestattet, die jedem estnischen Kind zur Verfügung stehen. Am 1. Oktober, dem internationalen Tag der Musik, wird es zahlreiche „Danke schön“-Konzerte von kleinen Musikern überall in Estland geben.

Kunst und gutes Essen


Streetfood

Streetfood. (Foto Marek Metslaid)


Im Jubiläumsjahr feiert ein brandneues Museumsgebäude in Laulasmaa bei Tallinn Eröffnung. Das Arvo Pärt Centre ist dem Musiker Arvo Pärt gewidmet, der zu den meistgespielten lebenden Komponisten der Welt zählt.

Im Jubiläumsjahr finden außerdem zahlreiche Kunstprojekte statt. So bringt die estnische Künstlerin Maarin Ektermann in ihrem Projekt „Artist Collection 10×10“ zehn junge estnische Künstler zusammen, die in verschiedenen Museen ihr Atelier errichten.

Auch Feinschmecker kommen auf ihre Kosten. Während der Restaurant-Woche bieten exakt 100 Restaurants ein typisch estnisches Geburtstagsessen an. Das Geburtstagsessen und die Restaurant-Woche sind eingebunden in Estlands größtes Street-Food-Festival, das am 9. und 10. Juni in Tallinn und Tartu mit zahlreichen Straßenmusikern und -künstlern die estnische Lebensart und den Genuss feiert.

Der Wald spricht


Nebel über See und Wald

Nebel über See und Wald. (Foto Arne Ader)


Neben den musikalischen und kulturellen Veranstaltungen gehört die Natur zu Estlands unschlagbaren Argumenten. Rund die Hälfte des Landes ist bewaldet. Die andere Hälfte besteht aus mehr als 2.000 winzigen und etwas größeren Inseln – und ja, auch dort stehen Bäume.

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums hat die nationale Forstbehörde, das RMK, die Veranstaltung Der estnische Wald erzählt die estnische Geschichte entwickelt. Ein Wandernetz, das durch ganz Estland führt, bringt Naturverbundene zu 100 kulturellen Objekten und Menschen, die Estlands Geschichte erzählen.

Schwimmen im Moor

Schwimmen im Moor. (Foto Kristjan Lust)


Zu dem Wandernetz gehören auch bis dato unbetretene Pfade, die just fertiggestellt wurden, wie der über 600 Kilometer lange Penijoe-Aegviidu-Kauksi-Trail, der von Westen nach Osten einmal quer durch Estland führt.

Ach, Estland! Klein und so begehrt


Kinder im Wald

Kinder im Wald. (Foto Aron Urb)


Ganz Estland hat weniger Einwohner als Hamburg. Nur 1,3 Millionen. Dennoch war Estland stets begehrter Zankapfel. Im Mittelalter herrschten die Deutschen über Estland, Tallinn war eine der wichtigsten Handelsstädte der Hanse. Auch Schweden, Dänen und Polen wollten sich Estland zu eigen machen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war Deutsch die Sprache der Schulen und Behörden Estlands.

Dann ergriff Russland das kleine Estland und etablierte die russische Sprache als Amtssprache. Als während des ersten Weltkrieges die Russen aus Estland verdrängt wurden, nutzte Estland die Chance und erklärte sich am 24. Februar 1918 für unabhängig. Am 20. August 1991 erklärten sie die Wiederherstellung ihrer Unabhängigkeit und befreiten sich aus der nach dem 2. Weltkrieg gewalttätigen Annexion durch die Sowjetunion.

An dieser Freiheit halten die Esten fest. Und feiern diese im Jahr 2018 mit tollen Veranstaltungen im In- und Ausland.

Redaktion: ap

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