Das Glückprinzip

Familie macht nordeuropäische Männer glücklich

| 12.04.2018 - 12:24 Uhr

Der schwedische Forscher, Michael Nordenmark, hat die Daten des International Social Survey Program (ISSP) aus dem Jahr 2012 ausgewertet. Er stellte dabei fest, dass die nordeuropäischen Männer viel stärker am Familienleben Anteil nehmen als Süd- und Osteuropäer.

Glücksforschung

Familienglück – Vater und Sohn. (Foto Danielle MacInnes)


Nordenmark ist der Frage nachgegangen, ob dieser Ansatz der Geschlechtergleichheit der Schlüssel zum Glück der Nordeuropäer ist. Von den Ergebnissen berichtete vor zwei Wochen ScienceNordic.com.

Das Umfrageprogramm ISSP wird seit 1985 jährlich in 40 Industrienationen erhoben. Der Soziologe Nordenmark von der Mittuniversitetet (Mid Sweden University) in Schweden, konzentrierte sich auf die Auswertung von Daten aus dem Bereich Familie und Geschlechterrolle in 22 Ländern.

Die Untersuchung enthält Fragen zur grundsätzlichen Glückserfahrung der Teilnehmer, desweiteren Fragen zur Zufriedenheit mit dem Familien- und Arbeitsleben und wie beides einander beeinflusst.

Dabei wird auch klar: Was die nordeuropäischen Männer glücklich macht, trifft nicht unbedingt auf Männer anderenorts in Europa zu.

Feststellung 1: Der Nordeuropäer ist glücklicher

Grundsätzlich war die Wahrscheinlichkeit, dass ein nordeuropäischer Mann angab, glücklich zu sein, höher als bei seinen Geschlechtsgenossen in Ost- und Südeuropa.

Nordenmark fand außerdem heraus, so der Bericht von ScienceNordic.com, dass der Zusammenhang zwischen Zufriedneheit mit dem Arbeitsleben und dem Glück etwas schwächer bei den nordeuropäischen Männern ausgeprägt ist, als bei den übrigen Europäern.

In Ländern mit starken Unterschieden in den Geschlechterrollen, wie z.B. Spanien, Frankreich und in vielen osteuropäischen Ländern, ist der Zusammenhang zwischen Zufriedenheit mit dem Familienleben und dem Glück wiederum schwächer ausgeprägt.

Nordenmark führt diesen Unterschied darauf zurück, dass die nordeuopäischen Männer viel stärker in den Alltag ihrer Familien eingebunden sind.

Grundsätzlich stellt der Forscher fest, dass ein Zusammenhang zwischen Glück und Zufriedenheit und einer hohen Geschlechtergleichheit in einer Gesellschaft besteht. Das treffe gleichermaßen auf Frauen wie Männer zu.

Feststellung 2: Wichtigkeit enger Beziehungen – und des Geldes – für das Glück

Der norwegische Politologie-Professor, Ottar Hellevik, hat ebenfalls die Daten des ISSP ausgewertet, heißt es in dem ScienceNordic-Artikel. Er untersuchte dabei die norwegische Gesellschaft, ihre Werte, Einstellungen und Verhalten im Wandel der Zeit.

In seinem 2008 erschienen Buch „Jakten på den norsk lykken” (wörtl. Die Jagd nach dem norwegischen Glück) stellt der Wissenschaftler fest, dass die glücklichsten Menschen diejenigen sind, die enge Beziehungen pflegen, in Familien leben, gesundheitlich wohlauf und allgemein zufrieden mit ihrer Gemeinschaft sind.

Hellevik stellte außerdem fest, dass Geld beim Glücklichsein eine Rolle spielt. Dieser Zusammenhang ist jedoch in den nordischen Ländern weniger stark ausgeprägt als anderswo in Europa, da in Nordeuropa einerseits gut verdient wird, andererseits die sozialen Sicherungssysteme wesentlich seltener zuließen, dass die Familienfinanzen zum Problem erwachsen.

Die Schwächen der Auswertung

Michael Nordenmark selbst merkt an, dass seine Auswertung auch Schwächen habe. Es stellt sich die Frage, wie vergleichbar sind die 22 untersuchten Länder, mit ihren, zum Teil starken, Unterschieden des sozioökonomischen Lebensstandards.

Nordenmark unterließ es außerdem, die Faktoren Arbeitsmarktsituation und Gesundheit in die Bewertung einfließen zu lassen.

Feststellung 3: Die kinderlosen Zwanzigjährigen sind am glücklichsten

Die Forscher sind sich darin einig, dass Familie und enge Bindungen mit anderen Personen zum Glücksempfinden beitragen. Und doch, eine andere Untersuchung zeigt, dass Eltern von kleinen Kindern nicht besonders glücklich sind, auch dann nicht, wenn sie sich die Kinder gewünscht haben, so ScienceNordic.

Der Psychologe Joar Vittersø, Universität Tromsø, studiert das Glück seit vielen Jahren, dabei hat er festgestellt, dass die Menschen am glücklichsten im Alter von 20 Jahren sind. Sobald sie Kinder bekommen, lässt das Glück nach, sagt er.

Hellevik unterstützt diese These, indem er sagt, das Glücksempfinden vermindere sich mit den Jahren. Andererseits stellt er fest, dass das Zufriedenheitsgefühl mit dem Alter zunimmt.

ap

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