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KandidatINNEN für Wahl im Mai gesucht

Schottland: Regionalrat der Äußeren Hebriden hat 30 Mitglieder – alles Männer

Bewohner und Gleichstellungsaktivisten des schottischen Wahlkreises „Äußere Hebriden“ trauten ihren Augen nicht, als 2017 klar war, dass in der bevorstehenden Legislatur alle Sitze im Regionalrat von Männern besetzt sein würden. Alle 30, um genau zu sein (hier die Beweisliste).

Council Members Äußere Hebriden
Graue Männer vor grauem Gebäude: Der Regionalrat der Äußeren Hebriden in Schottland hat seit 2017 einen Frauenanteil von 0 Prozent. (Foto: Western Isles council / Comhairle nan Eilean Siar)

Vor fünf Jahren hatte es bei der Wahl keine der sieben Kandidatinnen in das wichtige Gremium geschafft. Seither sind die Äußeren Hebriden (Western Isles) der einzige Bezirk in Schottland, der komplett von Männern organisiert wird.

„Als uns das nach der Wahl 2017 klar wurde, dachten wir: Das ist nicht ganz repräsentativ für die Gemeinschaft. Was sollen wir tun?“, beschrieb nun Malcolm Burr, Leiter der Regionalverwaltung, die bizarre und für ihn „besorgniserregende“ Situation.

Um ein ähnliches Resultat bei den anstehenden Wahlen zu verhindern, wurde auf den Äußeren Hebriden nun ein Aufruf an Frauen gestartet, sich 2022 möglichst zahlreich für Sitze im Council zu bewerben.

In diesem Januar wird es eigens dafür einen Workshop in Zusammenarbeit mit „Elect Her“ geben, einer Gruppe, die sich auf die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Ungleichheiten in der Politik spezialisiert hat.

20 weibliche Anmeldungen soll es für das neuartige Format bereits geben, berichtet der Guardian. Immerhin. Doch Workshops allein werden es auf den Äußeren Hebriden nicht richten können. Auch da ist man sich mittlerweile sicher.

Denn: Die Region – eigentlich bekannt für zahlreiche weibliche Führungspersönlichkeiten im Gemeinde- und Geschäftsleben sowie hohe Wahlbeteiligungen – schleppt strukturelle Defizite mit sich herum, die weibliche Kandidaturen bislang nicht wirklich erleichtern.

Verzicht auf sicheres Einkommen und gute Karrierechancen? Wohl eher nein!

So durften etwa Angestellte der Regionalverwaltung in der Vergangenheit nicht kandidieren, zum Schutz vor Interessenkonflikten. Klar, klingt vernünftig, aber ärgerlicherweise sind viele der rund 2.000 Beschäftigten (dieses größten Arbeitgebers der Region) bestens qualifizierte Frauen.

Auf dem schottischen Festland wäre das so gut wie kein Problem, denn hier können Ratsmitglieder einfach für benachbarte Behörden arbeiten. Aber auf einer Insel? Logistisch unmöglich, keine Chance.

Landkarte Äußere Hebriden
Die Äußeren Hebriden im Nordwesten Schottlands.

Also hatte man auf den Äußeren Hebriden nun den schlauen Gedanken, Rats-Kandidaturen ab sofort auch Beschäftigten der Behörde zu ermöglichen. Und damit automatisch einer Vielzahl von Frauen.

Mit einer Einschränkung nur: Im Falle eines Wahlsieges müssten diese Ratsmitglieder ihre Verwaltungsjobs aufgeben. Gleichbedeutend mit einem Verzicht auf feste Arbeitszeiten, gute Karrierechancen und ein sicheres Gehalt im öffentlichen Dienst.

Und das im Tausch gegen etwa 18.604 Pfund Gehaltspauschale, die man als Ratsmitglied erhält (etwa 22.000 Euro) – plus keinerlei Garantie auf Wiederwahl. Damit dürfte dieses Frauen-Potenzial auch bei den anstehenden Wahlen verpuffen. Hohn und Spott von Gleichstellungsaktivisten wahrscheinlich inklusive.

Im Mai finden die Wahlen auf den Äußeren Hebriden statt. Die Zeit drängt also und neue Ideen müssen her, wenn die Region ihren „unrühmlichen Status“ (Guardian) als einzige schottische Region in kompletter Männerhand tatsächlich hinter sich lassen möchte.

Unser QUIZ zum Thema SCHOTTLAND

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