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Eine Fahrradtour auf der Halbinsel Cowal/Bute – ein Reisebericht

Mit dem Fahrrad durch ein Stückchen Kingdom of Alba – Schottland, zweiter Teil

Die Ursprünge des Königreichs Alba beziehen sich auf das gälische Königreich Schottland, entweder als mythologisches Ereignis oder als historischer Prozess, während des frühen Mittelalters. Aber da gehen wir jetzt nicht allzu sehr ins Detail, sonst enden wir noch bei den gefährlichen Feenringen, die sich deine Seele einverleiben und dir lediglich deine leere Hülle überlassen, oder bei verschiedensten Hinrichtungen, die bitter nötig waren, um die Ehre zu wahren. *hüstelt*

Fahrradtour Cowal
Auf der Fahrradtour. Querfeldein bei Cowal.

Wie dem auch sei, man kann dieses ganze Königreich wunderbar mit dem Fahrrad erkunden. Dein Fahrrad sollte für die schonungslosen Bedingungen gut in Schuss sein, genauso wie du auch. Wer nämlich 85 kilometerlang Gegenwind hat, findet irgendwann auch die schönste Hochlandkuh nicht mehr süß, sondern denkt nur noch daran, wie man sich in ihrem zotteligen und schönen roten Fell für immer verstecken kann, um den Mühen des Radelns im Hochland zu entfliehen.

Die Wege sind in der Regel jedoch gut zu befahren. Kies und Schotterwege. Auf den befestigten Straßen kann man auch hervorragend fahren, denn der Verkehr beschränkt sich lediglich auf 2 Autos alle 3 Stunden – diese Angabe variiert in Zeit und Raum.

Mountainbikes sind in jedem Fall zu empfehlen, falls man sich entschließt, eigene Wege zu erkunden und etwas Off-Track zu fahren.

Antritt der Reise in Glasgow

Wir beginnen unsere Reise zur Halbinsel Cowal/Bute in Glasgow. – Glasgow selbst kann man kurz ein „Servus“ zurufen und sich ’nen Kaffee holen. Zu viel mehr gereicht Glasgow nicht, außer man ist ein Freund einer gewissen „edginess“ bzw. von leicht rauer und krimineller Atmosphäre.

Jedenfalls fahren wir mit dem Zug von Glasgow hurtig weiter Richtung Westen und zwar bis nach Wemyss Bay, wo wir in eine Fähre steigen und ca. 1 Stunde lang nach Rothesay fahren.

Entweder bleibt man etwas in Rothesay und genießt ein Steak & Kidney Pie und ein paar Pints in dem charmanten Örtchen und bleibt noch ’ne Nacht; – man hat ja Zeit, ist ja schließlich Urlaub. Oder man düst gleich los.

Fahrradtour am Loch Riddon
Die erste Etappe von Colintraive nach Glendaruel führt am Loch Riddon vorbei.

Die 10 km lange Strecke aus Rothesay an der Küste entlang ist platt wie ein Pfannkuchen. Ab Colintraive Richtung Glendaruel wird es dann hügeliger, aber mit dem Wind des Meeres im Gesicht eine sehr erfrischende und schöne Strecke.

Glendaruel endet am Kopf von Loch Riddon, einem Nebenarm der Kyles of Bute. Mit „Loch“ ist nicht das Loch gemeint, in dem man früher die Engländer verscharrte, sondern ein See oder eben stehendes Gewässer.

Clachan (kleines Dorf) of Glendaruel ist ein – Achtung – kleines Dorf. Ein Hotel und eine Telefonzelle. Zeit für ein Bierchen an der Hotelbar, welche komplett mit rotem Teppich beschlagen ist, wie es sich gehört, haben wir auf jeden Fall.

Aber Vorsicht – Essen gibt es wirklich nur zu besonderen Zeiten. Also irgendwann zwischen 12:30 und 13:18 und dann nochmal von 17:57 bis 19:24. Außerhalb dieser knallharten Küchenzeiten könnt Ihr Erdnüsse oder Chips haben. Während der knallharten Küchenzeiten gibt es in der Regel heißes Fleisch mit Pommes, die übrigens Chips heißen, denn Crisps sind bei uns die Chips und die Pommes eben die Chips in UK.

Die Anstregung auf Tour wird belohnt
Endlich bergab. – Weit und breit keine Dönerbude oder Subway. Nicht mal ein Schaf, das man reißen könnte. Proviant unbedingt mitnehmen.

Vielleicht nehmt Ihr eine Thermoskanne mit heißer Suppe mit und ein paar Sandwiches, um einem möglichen Debakel in Sachen Nahrungsaufnahme aus dem Weg zu gehen. Ab jetzt geht es gute 20 km „berg“auf (von Bergen kann keine Rede sein aber bedenke den Gegenwind!) bis nach Caol Ghleann (enge „Berg“schlucht) wo es dann „berg“ab nach Loch Fyne geht.

Da könnt Ihr herrlich das Fahrrad laufen lassen und in die Weite des Tals blicken mit dem romantischen Loch Fyne (wo sicherlich Engländer ertränkt wurden) im Hintergrund. Eine Weite und eine Ästhetik, man könnte meinen, Gott küsst dieses Fleckchen Erde jeden Morgen zum Sonnenaufgang.

Das Herrliche an Schottland ist im großen Ganzen die Herrlichkeit der Einsamkeit. Es kann durchaus vorkommen, dass dir während dieser Zeit niemand über den Weg läuft, abgesehen von einer Hochlandkuh oder ein paar Schafen oder dem Daumen des Kellners in deinen Chips. Wer also einen kleinen Seelenstriptease nötig hat, für sich sein will, sich finden oder verlieren will – der ist hier gut aufgehoben.

Radtour  Loch Fyne, Inveraray
Am Loch Fyne bei Inveraray. (Foto Matthmatt)

Wir kommen in Strachur an, ebenfalls ein kleines Dorf aber diesmal mit einem Café und einem Geschäft. Was man genau im Geschäft kaufen kann, weiß ich nicht. Aber im Café kann man sich ’ne schöne Tasse Tee machen lassen und vielleicht einen Scone mit dick Sahne und Marmelade bestellen, sich auf ’ne Bank setzen und die Kulisse von Loch Fyne genießen und seine Seele küssen lassen.

Ab hier geht es weitere 25 km bis nach Dunoon – wo man wieder die Fähre aufs Festland nehmen kann. Oder man fährt wirklich noch die Cowal Peninsula ab, denn schließlich hat man Zeit, ist ja Urlaub.

Um es gleich vorweg zu sagen: In Schottland ist vieles erlaubt. Zumindest, wenn es ums Zelten geht. Campen außerhalb von Campingplätzen mitten in der wilden Natur ist genehmigt. Wildes Camping bedeutet kurz gesagt, dass eine kleine Gruppe von Campern die Zelte für nicht mehr als zwei oder drei Tage an einer einsamen Stelle aufbaut und den Platz hinterher genauso unberührt und frei von Müll hinterlässt, wie sie ihn vorgefunden hat.

Ich wiederhole ausdrücklich: DEN PLATZ SO HINTERLASSEN, WIE IHR IHN VORGEFUNDEN HABT. Wenn ihr das nicht tut, holt euch der Braune Mann. – Ein übernatürlicher Wächter der wilden Kreaturen und Natur. Er trägt braune Kleider und hat geschocktes rotes Krausehaar und wilde Augen. Und wagt ja nicht, diese Kreaturen in Schottland in Frage zu stellen! Darauf gehen wir aber ein anderes Mal ein.

Im Großen und Ganzen könnt Ihr hier und auf den anderen Inseln sowie auf dem Festland einzigartige Momente erleben, die für immer in eurer Erinnerung bleiben werden. Mittlerweile kann man ja von Privileg sprechen, eine solch unberührte Natur erleben zu dürfen und sollte sich der Verantwortung, vor allem als Tourist, nicht entziehen, und der Schönheit der schottischen Natur mit absolutem Respekt begegnen.

So klingt Schottisch – Ein Gedicht

Gesprochen von Nicola

Scotland

Here in the Uplands
The soil is ungrateful;
The fields, red with sorrel,
Are stony and bare.
A few trees, wind-twisted –
Or are they but bushes? –
Stand stubbornly guarding
A home here and there.

Scooped out like a saucer,
The land lies before me;
The waters, once scattered,
Flow orderly now
Through fields where the ghosts
Of the marsh and the moorland
Still ride the old marches,
Despising the plough.

The marsh and the moorland
Are not to be banished;
The bracken and heather,
The glory of broom,
Usurp all the balks
And the fields’ broken fringes,
And claim from the sower
Their portion of room.

This is my country,
The land that begat me.
These windy spaces
Are surely my own.
And those who here toil
In the sweat of their faces
Are flesh of my flesh,
And bone of my bone.

Hard is the day’s task –
Scotland, stern Mother –
Wherewith at all times
Thy sons have been faced:
Labour by day,
And scant rest in the gloaming,
With Want an attendant,
Not lightly outpaced.

Yet do thy children
Honour and love thee.
Harsh is thy schooling,
Yet great is the gain:
True hearts and strong limbs,
The beauty of faces,
Kissed by the wind
And caressed by the rain.

Sir Alexander Gray

Nicola

Lesen Sie bald an dieser Stelle den dritten Teil des etwas anderen Reiseberichts aus Schottland.

Teil 1: Schottland, erster Teil oder auch Scotland the brave!

Über die Autorin
Nicola, aufgewachsen in Edinburgh und München, studierte Schottische Geschichte und arbeitete bei The Witchery Tours als offizielle Geschichtenerzählerin und Erschreckerin (als erste und einzige Frau), wo sie viele Touristen in Angst und schreckliches Vergnügen versetzte.

Ihre Familie ist weiterhin in Edinburgh und erschrickt sich nicht mehr.

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