Facebooktwitterpinterestrssinstagram

„Machohafte Welt des Sports“

Kleidung zu unsexy? Norwegens Beach-Handballerinnen zu Geldstrafe verdonnert

Hier und da muss man sich schon die Frage stellen, ob Sportfunktionäre dazu neigen, fern der Realität im Elfenbeinturm zu leben. Man erinnere sich jüngst an die Fußball-EM mit ihrem in Corona-Zeiten höchst fragwürdigen „Zuschauerzwang“.

bikini handball
Bikini knapp: Wunderbar, wenn selbst gewählt. Aber von Sportverbänden verordnet? Nein, sagten nun die Beach-Handballerinnen Norwegens – und kassierten dafür vom Europäischen Handballverband eine saftige Geldstrafe. (Foto: adamkontor)
Bei Olympia in Tokio deuten sich gerade ebenfalls virologische Merkwürdigkeiten an, um es mal vorsichtig auszudrücken. Und dann ist da noch der Europäische Handballverband EHF, dem gerade Teile seiner eigenen Kleiderordnung um die Ohren fliegen. Ziemlich krachend.

Was ist passiert? In Bulgarien fanden bis zum Wochenende die Beachhandball-Europameisterschaften der Frauen statt. Ja, auch der Handball macht inzwischen auf cool – und hat sich dazu ganz nebenbei einen Dresscode verpasst, der die Blicke der Zuschauer mutmaßlich nicht nur auf das Sportgeschehen lenken soll.

Folglich waren die Spielerinnen laut Reglement im Turnierverlauf dazu angehalten, „tief ausgeschnittene Bikini-Hosen“ zu tragen. Ein Kleidungsstück also, das nach aktuellem Stand des Geschlechterdiskurses nur dann prima ist, wenn man sich als Trägerin aus freien Stücken dafür entscheidet. Am Strand, beim Sport oder sonst wo. Aber nicht verordnet.

Zu entwürdigend, zu unbequem, einfach unpassend, befanden nun laut einem Bericht auf Euronews die norwegischen Spielerinnen. Und entschieden sich am Sonntag im Spiel um Platz drei statt arsch-knapper Höschen kurzerhand für eine etwas längere Version.

Das wiederum veranlasste das EHF-Disziplinarkomitee am Montag dazu, die abtrünnigen Spielerinnen mit einer durchaus saftigen Geldstrafe zu belegen. 1.500 Euro lautete die Forderung, hervorgerufen durch internationalen Reglementverstoß.

Der Ball namens Shitstorm war damit ins Rollen gebracht. Wie Euronews berichtet, regt sich seit der Urteilsverkündung heftiger Widerstand gegen den EHF und seine Statuten. Aus Sportlerkreisen und der Politik heißt es unisono: Das geht gar nicht!

„Das Urteil ist völlig lächerlich“ teilte stellvertretend Norwegens Kulturminister Abid Raja via Social Media mit. Und weiter: „Wie viel Mentalitätswandel ist in der machohaften und konservativen Welt des Sports eigentlich noch nötig?“

Interessanterweise soll es gar nicht der Antrieb des norwegischen Teams gewesen sein, die Funktionäre im Turnierverlauf mit der Kleiderwahl zu überrumpeln. Nein, bereits vor Turnierbeginn hatte man beim EHF höflich angefragt, ob denn statt Bikini auch kurze Hose möglich sei.

„Das Wichtigste sollte doch sein, dass sich die Sportler wohlfühlen“, sagte dazu Kare Geir Lio, Präsident des norwegischen Handballverbandes (NHF). „Es sollte“, so Lio, „eine freie Wahl innerhalb standardisierter Regeln geben.“

Beim EHF zeigte man sich davon allerdings wenig beeindruckt – und blieb stur beim Nein. In der Konsequenz hat man nun 1.500 Euro mehr auf dem Konto. Und dazu ein echtes Imageproblem. Warum der Sport es nicht rafft, bleibt einfach nur ein Rätsel. Das liebe Geld kann es in diesem Fall nun wirklich nicht gewesen sein.

QUIZ

sh

Facebooktwitterredditpinterestmail
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen