Mehr Wölfe als der Plan vorsieht

Estlands Bärenpopulation wächst weiter

Bären in Estland
Die Bärenfamilie im zentralestnischen Koeru, eingefangen von einer Wildkamera. (Foto: Keskkonnaagentuur)
In Estland leben immer mehr Bären. Ihre Zahl hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten nahezu verdoppelt, wie aus einem neuen Bericht der estnischen Umweltagentur hervorgeht.

Für 2025 verzeichneten die Fachleute mindestens 98 Bärinnen mit Jungtieren. Den Gesamtbestand schätzen sie auf mindestens 1100 Tiere.

Wenige Abschüsse, wachsende Zahlen

Zum Wachstum trägt auch bei, dass zuletzt kaum Bären geschossen wurden. In der vergangenen Saison wurden nur 32 Tiere erlegt, weil ein Gericht die Jagd ausgesetzt hatte – so wenige wie seit 2004 nicht mehr.

Für die kommende Saison empfiehlt die Umweltagentur, höchstens 150 Bären zum Abschuss freizugeben. Sie rechnet allerdings damit, dass am Ende nur wenige bis einige Dutzend Tiere erlegt werden.

Zugleich spricht sich die Behörde dafür aus, den strengen Schutzstatus mehrerer europäischer Bärenpopulationen zu lockern – darunter auch der estnischen.

Mehr Wölfe als der Plan vorsieht

Auch der Wolf breitet sich aus. Der Bestand lag 2025 erneut über der Obergrenze, die der Managementplan für Großraubtiere vorsieht.

Im Herbst zählten die Fachleute 33 Rudel mit Welpen, sechs davon reichten über die Landesgrenze. Für das vergangene Frühjahr schätzt die Umweltagentur den Bestand auf 130 bis 150 Tiere.

Die Schäden an Nutztieren blieben insgesamt unverändert. Während weniger Schafe gerissen wurden, stieg die Zahl der getöteten Rinder.

Luchs stabil, Fuchs im Rückgang

Beim Luchs ging die Zahl der Würfe um ein Fünftel zurück, der Gesamtbestand blieb jedoch etwa gleich. Weil derzeit weniger Rehe als Beutetiere zur Verfügung stehen, erwartet die Umweltagentur keinen Zuwachs und rät weiterhin von einer Luchsjagd ab.

Der Fuchs wird seltener, nur auf den Inseln leben mehr Tiere als früher. Neben der Räude dürfte auch der schrumpfende Rehbestand dazu beitragen.

Rehe auf dem Tiefpunkt

Der Rückgang beim Reh setzte sich auf dem Festland fort, fiel aber schwächer aus als zuvor – mancherorts deutet sich bereits eine Erholung an. Zu Jahresbeginn 2026 schätzt die Umweltagentur den Bestand auf 55.000 bis 65.000 Tiere und bewertet die Lage trotz des Tiefstands insgesamt als gut.

Auf dem Festland soll die Jagd deshalb nur noch symbolisch stattfinden. In der vergangenen Saison wurden landesweit nur 3307 Rehe erlegt, fast 40 Prozent weniger als ein Jahr zuvor – knapp zwei Drittel davon auf den Inseln Saaremaa und Hiiumaa.

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