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Aufführung millionenfach geklickt

Unerwarteter Hype um TikTok-Video des Litauischen Nationaltheaters

Das litauische Nationaltheater hat seine Corona-bedingte Schließung genutzt, um am Wellerman-Shanty-Meme teilzunehmen. Unerwarteterweise wurde das Video bei Tiktok millionenfach angeschaut. Aber vielleicht überrascht der Erfolg ja doch nicht so sehr, wenn man bedenkt, dass am traditionsreichen Opern- und Balletthaus Künstler*innen von großem Format tätig sind.

Jedenfalls hat das Stück in der digitalen Welt richtig eingeschlagen – in einer Größendimension, die der Theaterbranche in analogen Normalzeiten (mit Verlaub) niemals vergönnt wäre. Der Clip, der die Sänger*innen im Opernfoyer zeigt, wurde seit seiner Veröffentlichung am 7. Februar bereits rund 2,5 Millionen Mal angesehen.

So richtig fassen kann Theaterdirektor Gediminas Seduikis seinen Social-Media-Coup noch nicht. „Unser Geheimnis ist einfach – wir hatten Glück“, teilte er laut Reuters mit. „Wir haben lediglich eine E-Mail an unsere Sängerinnen und Sänger mit der Idee zu dem Stück verschickt.“

Als diese dann zur vereinbarten Zeit im Foyer des Theaters erschienen sind, sei nicht im Ansatz absehbar gewesen, so Seduikis, „dass das Ergebnis irgendjemandem gefällt.“

Sämtliche Aufführungen des Theaters mussten wegen der Corona-Situation seit Oktober 2020 abgesagt werden. Das Theater zählt normalerweise etwa 150.000 Gäste pro Jahr.

Seduikis hat angekündigt, weitere TikTok-Aktionen folgen zu lassen. „Unser Vorteil ist, dass wir einfache Dinge in sehr hoher Qualität produzieren können. Wir sind hier auf einer nationalen Opernbühne, haben Weltklasse-Künstler, dazu 60 Kilowatt Beleuchtung und all unser professionelles Personal“, scheint der Theaterchef regelrecht Feuer gefangen zu haben.

Theater goes digital! Wer hätte das vor gut einem Jahr gedacht? Hier das Video als „extended version“:

Über das Wellerman-Shanty-Meme

In der letzten Woche des Jahres 2020 teilte Nathan Evans, ein 26-jähriger schottischer Postbote und aufstrebender Musiker, ein Video von sich auf Tiktok, in dem er ein Seemannslied namens „Soon May the Wellerman Come“ singt. Das rythmische Werk verwandelte sich für Evans schnell in virales Gold.

Es wurde tausendfach geteilt und duettiert: von professionellen Sängern und Musikern, Shanty-Enthusiasten, Elektrobeat-Musikern, Memern aller Art, einer Kermit der Frosch-Puppe und vielen mehr.

Ursprünglich war der Zweck von Seemann-Shantys, ein Gefühl der Gemeinschaft zu schaffen. Auf Schiffen der Handelsmarine des 18. undf 19 Jahrhunderts leitete ein Shantyman die Seeleute bei der Arbeit mit Gesang an, um sie von ihrer Arbeit abzulenken, ihre Aufgaben interessanter und einfacher durch einen Rhythmus zu machen.

Bei genauer Betrachtung ist der Schotte Nathan Evans der Shantyman, der in schwierigen und oft auch öden Coronazeiten, die Leute von ihrem eintönigen Alltag ablenkt. So schafft er als Rhythmusgeber ein Gefühl der Gemeinschaft unter Menschen, die auf der ganzen Welt verstreut sind, aber doch mindestens die Pandemie gemeinsam haben.

Im Übrigen ist das Shanty „Soon may the Wellerman come“ vermutlich ein Wahlfängerlied aus Neuseeland. In diesem Zusammenhang bedeutet „Wellerman“ so viel wie ein „Versorgungsschiff“, das die Wahlfänger mit frischen Lebensmitteln (und Alkohol) versorgt: Soon may the Wellerman come / To bring us sugar and tea and rum. Ohne es überinterpretieren zu wollen, der jüngste Social-Media-Erfolg dieses speziellen Shantys mag darauf beruhen, dass das Lied Hoffnung stiftet und Erlösung verspricht; bald, liebe Leute, kommt ein Schiff, dann ist die Zeit der Entbehrung vorbei.

In diesem Sinne, wellcome aboard, litauisches Nationaltheater!

QUIZ

sh

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