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Unterwegs mit Kristina Gruodytė

Litauens schönster (und sportlichster) Job: Dünen-Rangerin auf der Kurischen Nehrung

Hier ein Beitrag der Kollegen von LRT.lt, der uns sehr gut gefallen hat. Wir haben ihn in großen Auszügen auf Deutsch übersetzt. Es geht um einen Job, der definitiv was hat: Ranger/-in auf der wunderbaren Parnidis-Düne. Ort: Kurische Nehrung, im Rücken bzw. oberhalb von Nida.

Kurische Nehrung
Von der UNESCO geschützt: Sanddünen auf der Kurischen Nehrung. (Foto: depositphotos.com)

Der Text in Auszügen

30 Kilometer Fußmarsch durch Dünen und Wälder, brütende Hitze und ein Seeadler als Begleiter – so sieht ein normaler Arbeitstag für die Dünen-Ranger der Kurischen Nehrung aus.

Kristina Gruodytė ist für diesen Job extra aus der litauischen Hauptstadt Vilnius in die Region gezogen. Sie sagt, sie bereue ihre Entscheidung nicht, denn sie empfindet ihre Arbeit als sinnvoll.

Auch heute noch treten viele Menschen für ein Selfie hinter die Schutzzäune oder rennen die Düne hinunter, ohne sich Gedanken über die Schäden an der UNESCO-geschützten Sehenswürdigkeit zu machen. Die Wächter haben die Aufgabe, solche Aktivitäten zu verhindern und aufzuklären.

Gruodytė hat für diesen Job ihre Tätigkeit in einem internationalen Unternehmen aufgegeben: „Als der Sommer kam, hatte ich das Gefühl, dass ich nach Corona und all den Dingen, die in der Welt vor sich gehen, etwas anderes machen muss. Solange es noch die Chance gibt, Neues auszuprobieren.“

Die Arbeit als Rangerin werde zwar nicht gut bezahlt, aber der Job selbst sei die Belohnung. Außerdem gibt es eine Unterkunft in Neringa. Da gibt es wahrlich Schlimmeres.

„Ein paar Monate in Neringa zu leben und für das bezahlt zu werden, was man gerne tut – spazieren gehen, mit Menschen in Kontakt kommen und sie aufklären – schien mir das wert zu sein“, schildert Gruodytė ihre ersten substanziellen Eindrücke vom neuen Job.

Die Wächter der Kurischen Nehrung verbringen ihre Arbeitstage in den stark besuchten Schutzgebieten – dem Naturschutzgebiet Nagliai oder auf der Parnidis-Düne. Sie haben Kontakt zu Touristen und beantworten deren Fragen zum richtigen Verhalten im Nationalpark.

Laut Gruodytė gibt es immer noch viele Urlauber, die die Verbotsschilder und Absperrungen in bestimmten Gebieten nicht beachten. „Die Pflanzen, die dazu beitragen, dass der Sand dort bleibt, wo er sein soll, werden dann zerstört“, erklärt sie.

„Wenn man den Hang der Parnidis-Düne hinunterrutscht oder hinaufklettert, wird fast eine Tonne Sand bewegt. Leider ist es so, dass dann etwas unwiederbringlich verändert wird. Bestimmte Tierarten leben an diesen Orten, und es ist wichtig, dass wir sie bewahren.“

Ab und an müsse sie Besucher daher auch einfach nur anpfeifen, statt lange zu erklären. Die Rangerin sagt, dass viele Leute, die sich falsch verhalten, es damit begründen, dass sie allein sind und so unmöglich viel Schaden anrichten könnten.

„Aber wie viele einzelne Leute werden an einem Tag, in einer Saison erwischt? Es gibt Hunderte, Tausende von ihnen, die denken, dass sie die Einzigen sind“, schildert die Rangerin, die zugleich bestätigt, in den ersten Wochen vor allem nette Menschen kennengelernt zu haben.

Kampf mit der Hitze

Einer der größten Vorteile des Ranger-Daseins ist es für Gruodytė, die Tage fast ausschließlich an der frischen Luft zu verbringen und gleichzeitig Sport zu treiben. Sie schätzt, dass sie im Durchschnitt 25 bis 30 Kilometer pro Tag (!) unterwegs ist. Zu Fuß, wohlgemerkt.

Ein Problem sei dabei die Hitze, vor allem im Hochsommer. „Manchmal fühlt es sich an, als hätte es in den Dünen 50 Grad“, sagt Gruodytė. Sie selbst bekämpft die Hitze mit heißem Tee, um so den Unterschied zwischen Körper- und Lufttemperatur zu verringern. Ein Trick, den sie vor Jahren in Istanbul gelernt habe.

Seeadler als ständige Begleiter

„Auf dem Nagliai-Trail gibt es ein Seeadlerpaar. Wenn ich dort zu arbeiten beginne, sehe ich einen der wunderbaren Vögel immer an einer ganz bestimmten Stelle. Er sitzt dort, wartet und beobachtet. Ich sage inzwischen, dass der Adler mein Schichtkollege ist“, so die Rangerin.

Seit einiger Zeit bemerken vor allem die Einheimischen, dass sich die Kurische Nehrung verändert. Insbesondere Nida, das früher eine Oase der Ruhe war, werde immer lauter, beklagt Gruobytė.

„Ich denke, wir sollten dieses Gebiet mehr schützen. Wenn man wirklich eine Nacht mit allen Arten von Unterhaltung haben will, kann man woanders hingehen. Hier sollte man die Dinge genießen, die es von Natur aus gibt, ohne zusätzlichen Müll und Lärm.“

Hintergrund: Die Kurische Nehrung (litauisch: Kuršių nerija) ist eine fast 100 Kilometer lange Halbinsel, die einem langen Schlauch ähnelt. Sie trennt das Kurische Haff von der offenen Ostsee und gehört ziemlich genau zur Hälfte Litauen und zur anderen Hälfte der russischen Exklave Kaliningrad.

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