Reisebericht aus Irland

The Wild Atlantic Way – Irlands großartige Küstenstraße

| 8.08.2018 - 14:44 Uhr

Nachdem wir die letzten sechs Jahre immer die gleiche Tour nach Südfrankreich gemacht haben, planten wir für dieses Jahr endlich die Irlandreise, die wir schon länger angedacht hatten. Mit einem VW-Transporter, in den ein Bett eingebaut ist, mit Stauraum darunter.

Reisebericht Irland: Pferd und Kutsche in Irland

Später mehr von Pferd und Kutsche.


Da wir ganz im Norden Deutschlands wohnen, ist alles weit weg (außer die Niederlande und Dänemark). Mit dem Gedanken, möglichst wenig Auto fahren zu wollen, wählten wir für die Anreise die Fähren Rotterdam-Hull und Holyhead-Dublin. Also etwa 400 km bis zur ersten Fähre, nochmal 400 km quer durch England und dann übersetzen nach Dublin.

Die Anreise

Am 16. Juni morgens ging es los. Etwa vier Stunden Fahrt bis Rotterdam und ordentlich Zeit eingeplant als Spielraum. Das erwies sich als ausgesprochen pfiffig, da die Fähre von P&O unter britischer Flagge lief und die britische Zeit als Abfahrtszeit galt, was uns nicht bewusst war – hätten wir getrödelt, wären wir zu spät gewesen. Eine angenehme nächtliche Überfahrt (null Seegang), Sonntags morgens ging es runter von der Fähre. Ich hatte massenhaft Zettel mit der Aufschrift „Links fahren!!“ vorbereitet, mit denen wir das Armaturenbrett vollgeklebt haben.

Wir fuhren von Hull über Leeds und Manchester, an Liverpool vorbei nach Holyhead quer durch England in etwa vier Stunden. Der Puffer zur Fähre zwei hat drei bis vier Stunden betragen, weil aber immer etwas dazwischen kommen kann, sind wir fast ohne Stopp durchgefahren. Der Tank war voll, weil wir kein Geld für die kurze Strecke wechseln wollten, – dazu kommt, der Diesel ist in England teurer als Benzin.

In Irland

Holyhead-Dublin mit Irish Ferries fuhr knapp 3 Stunden. Abends gegen 18 Uhr hätte man auch noch etwas nettes in Dublin machen können, aber uns stand der Sinn nicht danach. Schnell raus aus der Stadt. Wir hatten uns vorher schon „Eins dieser steinzeitlichen Dinger“ ausgekuckt. Newgrange liegt etwa 50 km von Dublin entfernt, da wollten wir hin. Und netterweise befindet sich etwa 200 Meter vom Besucherzentrum entfernt ein B&B, wo man für 18.- auf dem Parkplatz stehen kann, Strom bekommt und Dusche und WC nutzen kann.

Am nächsten Tag sind wir die paar Meter zum Besucherzentrum rübergetapert – die Besichtigung der Anlagen von Newgrange und Knowth sind touristisch organisiert, aber in Anbetracht der Menschenmassen, die dort herumlaufen, ist es sinnvoll.

Besichtigung der Anlagen von Newgrange und Knowth

Reisebericht Irland Newgrange Hügelgrab Irland

Newgrange Hügelgrab. (Foto hbieser)


Im Besucherzentrum kann man zwischen „Nur Ausstellung“, „Ausstellung plus Newgrange“ und „Komplettpaket (mit Knowth)“ wählen, ich wollte natürlich alles. Man bekommt Aufkleber mit Uhrzeiten (Erster Bus, zweiter Bus) auf das T-Shirt geklebt, läuft über eine kleine Brücke zur Bushaltestelle und wird dann zu den Orten gebracht. Dort hat man jeweils eine Stunde Zeit, in der ersten halben Stunde bekommt man von einem Guide allerlei erzählt.

Zuerst Knowth. Die Megalithanlage dort ist vermutlich älter als Newgrange – auf etwa 3.150 v. Chr. datiert – übertrifft von der Größe alle anderen in Irland. Auf den ersten Blick unscheinbarer (man darf nicht rein, „wie langweilig“), jedoch bedeutender als Newgrange. Der Guide hatte deutlich Ahnung – keine gelangweilte Aushilfe, sondern eine Studentin oder wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Begeisterung, die ihren Job und diesen Ort liebt.

Eine halbe Stunde lang viel erzählt bekommen über Großsteinfunde, Satellitengräber, Ausgrabungen und spätere Umnutzung von Knowth. Wenn man draufklettert (was erlaubt ist) bekommt man einen schönen Überblick über die umliegenden Anlagen. Die nähere Umgebung im Tal von Boyne ist voll von Sehenswürdigkeiten.

Zurück zum Bus, zurück zur Haltestelle, auf nach Newgrange. Wieder eine begeisterte Mitarbeiterin, die viel erzählte, während sich noch eine weitere Gruppe im Inneren aufhielt. Als die herauskamen, durften wir hinein, und spätestens jetzt war klar, warum man diesen Ort höchstens mit 2 Gruppen von 30 Personen besichtigen darf – es ist einfach nicht mehr Platz.

Für einen Lacher sorgte die Frau, die zwar tapfer mit hineingekraxelt war, aber nach der Bemerkung: „Auf diesem Gewölbe lasten nun soundsoviel tausend Tonnen Gewicht“ wie ein geölter Blitz die Grabkammer verließ. Der Moment des Sonnenaufgangs der Wintersonnenwende wird mit Lampen simuliert, und das hat etwas Magisches. Eine ganz klare Besichtigungsempfehlung, wenn man sich dafür interessiert. Wer das einplanen möchte, sollte früh da sein – wir waren es und mussten eine dreiviertel Stunde auf unsere erste Bustour warten.

Da schon später Nachmittag war, entschieden wir uns, noch eine Nacht zu bleiben.

Rosses Point Wild Atlantic Way

Rosses Point – der Startpunkt für den Wild Atlantic Way.


Am nächsten Tag fuhren wir einmal quer über die Insel Richtung Sligo, das ist im Norden an der Westküste. Dort mieteten wir uns auf dem Campingplatz in Rosses Point ein. Von dort wollten wir unsere Küstentour auf dem „Wild Atlantic Way“ starten, also einen oder zwei Tagesausflüge Richtung Norden machen, und dann nach und nach Richtung Süden weiter reisen.

Wir haben die ersten drei Tage wenig unternommen, die Füße hochgelegt und sind am 22. Freitags zu einem Tagesausflug zu den Sleave Leagues aufgebrochen, spektakuläre Steilklippen etwa zwei Autostunden (100 km) von Sligo entfernt. Wenn man dorthin fährt, liegt das Grab von William Butler Yeats auf dem Weg im Ort Drumcliff, dem wir einen Besuch abstatteten.

Der Wild Atlantic Way

Sleave Leagues

Sleave Leagues.


Ab Drumcliff ist man schon auf dem „Wild Atlantic Way“, der mit einer Gesamtlänge von 2.600 Kilometern eine der längsten Küstenstraßen der Welt ist und an der Westküste Irlands entweder mit (N) oder (S) und dem Symbol einer weißen Welle auf blauem Grund ausgeschildert ist. Man muss also nur den Schildern folgen; gelegentlich führen von dort Stichstraßen zu Aussichtspunkten oder anderweitig interessanten Orten.

Zwei Stunden für 100 Kilometer: Schneller geht es nicht, da diese Strecke ausgesprochen kurvenreich ist. Die irischen Straßen sind an vielen Stellen gefühlte 70 cm breit, und wenn man, wie ich, seit über 20 Jahren im völligen Flachland wohnt und die meisten Straßen fast nur geradeaus führen, ist das definitiv eine Umgewöhnung. Der Liebste hatte aber ausgesprochenen Spaß an den kurvenreichen Strecken, insofern war die Rollenverteilung recht schnell klar. Ich Karte, er Fahrer.

Gegen Mittag kamen wir an den Sleave Leagues an; die Strecke vom Besucherparkplatz bis nach oben sind wir gelaufen – ein paar andere sind mit dem Auto bis nach oben gefahren; kann man machen, so ist es aber eine nette Wanderung von etwa einer Dreiviertelstunde. Die Steilküste ist mächtig beeindruckend, sehr hoch, und in der typisch irischen Weise eher symbolisch abgesperrt. Zurück waren wir gegen sieben Uhr Abends.

Der nächste Tagesausflug folgte am 23. Juni. Nicht weit von Sligo ist Knocknarea, bzw. Qeen Maeves Grave. Der Liebste ist schon einmal dort gewesen und wollte unbedingt wieder hin, – es war auch nur ein Katzensprung dorthin. Der Weg nach oben wird mit einer Dreiviertelstunde angegeben, keine Ahnung, ich hatte den Eindruck, ich komm nie dort an (hier wieder der Ostfrieslandfaktor, wenn man höchstens mal Treppen steigt, ist ein Hügel eine Herausforderung für die unterentwickelten Bergsteigermuskeln).

Wanderweg

Der „leichte Weg“.


Für den Rückweg wählten wir aus diesem Grund den „leichten Weg“ nach unten, der auf der anderen Seite den Berg hinabführt. „Leicht“ stand im Reiseführer. Zum ersten mal misstrauisch, ob das stimmt, wurde ich, als ein französisches Pärchen uns entgegen kam. Die Frau, die den Reiseführer geschrieben hat, ist da keinesfalls hinuntergegangen, denn es handelt sich um einen 30 cm breiten Bohlenweg, der ohne Geländer an einem steilen Berghang entlanggebaut ist. Wem schon auf einem Stuhl schwindelig wird, sollte überlegen, ob er da langgehen möchte. Mir stand nicht der Sinn danach, vom Rettungshubschrauber abgeholt zu werden, so ging es irgendwie doch. Nach etwa zweieinhalb Stunden sahen wir unser Auto wieder. An alle Nordlichter: ein „leichter“ irischer Wanderweg hat seine Tücken, wenn man Berge nicht gewohnt ist.

Nach einem Tag Pause haben wir einen Tagesausflug an den nahegelegen See Lough Gill unternommen; es empfiehlt sich, diesen von Sligo aus in südlicher Richtung anzufahren, wenn man nur etwas am Ufer herumspazieren möchte. Wir haben es von Norden aus versucht, das hat nicht sehr gut funktioniert. Erst gegen Nachmittag haben wir allerdings dann einen wirklich bezaubernden Waldweg am Ufer entdeckt.

Wildes Camping Irland

Diese Zeichnung entstand an dem Ort, wo wir das einzige Mal wild gecampt haben. Ein Blick übers Meer.


Am Dienstag, den 26., haben wir die Zelte in Sligo abgebrochen und sind Richtung Süden den Wild Atlantic Way über Enniscore bis Belmullet gefahren und dann bis ans untere Ende der Halbinsel, um dort eine Nacht wild zu stehen. Das hatten wir häufiger vorgehabt, aber zum einen ist das schwierig in Irland (überall sind Mauern, Hecken oder Zäune), wird nicht gerne gesehen und, viel entscheidender, wir fanden es ungemütlich. Ab einem bestimmten Alter findet man Duschen und Sanitäranlagen wichtig. Allerdings war der Ort wunderschön. Glosh ganz am Ende der R313, mit direktem Blick aufs Meer einschzulafen und aufzuwachen, ist schon großartig.
Ruine bei Cong

Viele Mauern, wenig Schatten. Mittelalterliche Ruine bei Cong.


Am nächsten Tag fuhren wir weiter, erst die Küste entlang, dann bogen wir Richtung Inland zu einem dieser „mittelalterlichen Gemäuer“ ab, von dem irgendwer sagte, man könne dort gut eine Nacht übernachten. Leider waren inzwischen 1000 Grad im Schatten. Der dort nicht vorhanden war (es gibt erstaunlich wenig Bäume in Irland). Also Planänderung. Ab auf den nächstgelegenen Campingplatz.

Dieser befand sich in Cong. Das kleine Dorf mit nur 150 Einwohnern hat ein paar niedliche Besonderheiten. Ashford Castle, ein Hotel der gehobenen Klasse, – in den 50ern hat John Wayne einen Film dort gedreht („The Quiet Man“), dementsprechend ist das Dorf im Hollywood-Fieber. Vor einem Pub Guinness zu trinken, in dem eine legendäre Kneipenschlägerei gedreht wurde, hat was.

Ashford Castle Luxushotel

Das Luxushotel Ashford Castle.


Weil es zu warm zum Herumfahren war, blieben wir zwei Nächte. Wir waren uns mittlerweile endgültig einig: Ein straffer Zeitplan hat nix mit Urlaub zu tun. Wir hängen gerne länger an einem Ort herum, und wenn es so warm ist, macht das Fahren keinen Spaß.

Apropos warm: Irland hatte den heißesten Juni seit 1887, der Asphalt schmolz, und ich bekam ab und zu Satellitenaufnahmen der NASA zugespielt, auf denen keine einzige Wolke zu sehen war.

Cliffs of Moher Reisebericht Irland

Wanderung an den Cliffs of Moher.


Von Cong ging es am 30. weiter nach Doolin, dort sind die Cliffs of Moher zu Fuß zu erreichen. Nach etwa zwei bis drei Stunden Fahrt, kamen wir Sonntag spät nachmittags auf einem gut gefüllten Campingplatz an, der sich aber Montags schlagartig leerte. Nach einem Tag herumgammeln machten wir uns am 2. Juli auf den Fußweg die Klippen hoch. Hier wieder die Anmerkung: wenn der Reiseführer behauptet, es sei ein „leichter Wanderweg“, dann ist er auf jeden Fall steil. Viel lustiger ist jedoch, dass man links eine Absperrung zu den allgegenwärtigen Viehweiden hin hat, aber null Absicherung zu der 400 Meter hohen Klippe rechts mit gruseligen Naturstein-Treppen, die man überwinden muss.
Extreme Danger bei den Cliffs of Moher

„Extreme Danger“ bei den Cliffs of Moher. Man beachte die Warntafel und darüber die Jugendlichen.


Nach etwa 2,5 Stunden kamen wir in dem Bereich an, der touristisch angefahren wird. Den Weg bis dorthin, hatten wir fast für uns allein. Ganz klare Empfehlung, dort hinzufahren. Wer gerne wandert, sollte den Fußweg gehen. Wir waren höchstens mit fünf oder sechs Leuten gleichzeitig nach oben unterwegs, die Aussicht ist die ganze Zeit großartig.

Im Besucherzentrum den Bus erfragt, der nach Doolin zurückfährt, wegen einer Fehlinformation haben wir ihn nur knapp gekriegt. In Doolin haben wir uns Nachmittags um drei im Pub rausschmeißen lassen. In dem Fischerort blieben wir bis Abends, weil es so nett war.

Windmühle von Blennerville, Tralee.

Die alte Windmühle von Blennerville, Tralee. (Foto Antonela Kovcic)


Am nächsten Tag fuhren wir wieder los, über Limerick nach Tralee und von dort zu einem strandnahen Campingplatz in einem Dorf namens Camp, wo wir zwei Übernachtungen eingeplant hatten. Der Liebste wollte nochmal Strand und Meer, und ich wollte keinesfalls irgndwo hochklettern; so schön das alles war, von senkrechten Steilwänden hatte ich erstmal genug. Der Platz war auch nett genug für zwei Nächte. Wir sahen dort die ersten Wolken seit Wochen, also hab ich mich auch ans Meer getraut.

Die Rückreise

Am 5. Juli morgens starteten wir unsere Rückreise, quer über die Insel zurück Richtung Dublin. Weil es dort so nett am Anfang war, haben wir die letzte Nacht wieder in „unserer“ Newgrange Lodge verbracht. Nur 50 km bis Dublin, wo wir am nächsten Tag früh um sieben am Fähranleger sein mussten.

Der Abend in der Kneipe des Ortes war ausgesprochen spaßig. Zwei Männer mit Kutsche und Pferd sind aufgetaucht, sofort fingen alle mit uns Gespräche darüber an, daß die Kutsche aus Deutschland käme, aber in Polen produziert werde, und überhaupt hätte jemand noch zwei viel größere Pferde zuhause. Nach dem dritten Pint sind wir geflohen, damit wir wenigstens etwas Schlaf bekamen.

Der Berufsverkehr in Dublin ist vor sieben Uhr halb so wild. Da Google sich immer irgendwelche abstrusen Schleichwege ausdenkt, waren wir überpünktlich. Die Fähre war blitzschnell (knapp zwei Stunden). Dann kam eine etwas anstrengende Fahrt durch England, da wir Manchester im vollsten Berufsverkehr durchfahren mussten. Allein mit dem Navi war es schlecht gewesen, der Linksverkehr und die wechselnde Beschilderung rissen einen aus dem Konzept. Fürs nächste Mal sind bessere Karten angedacht. Die ADAC Übersichtskarte hat etwas geholfen, die vor Ort gekaufte auch, aber detaillierter wäre schöner gewesen.

Ankunft nachmittags in Hull, die Fähre fuhr pünktlich los, Ankunft Samstag morgen in Rotterdam. Am 7. Juli waren wir wieder zuhause. Erschöpft, voller Eindrücke, verstrahlt von der Fahrt, aber glücklich.

Fazit: Irland ist so schön, wie alle sagen. Die Menschen sind freundlich und liebenswert, die Landschaft vielfältig und beeindruckend, schlichtweg unglaublich.

Text und Fotos von Melanie Gywer

Über die Autorin
Melanie Gywer ist ein Pseudonym, unter dem die Illustratorin aus Norddeutschland auf Twitter bekannt ist. Melanie Gywer liebt Frankreich und hat in diesem Jahr Irland für sich entdeckt. Ihre Illustrationen sind Miniaturen, die die Zeichnerin mit immer denselben Lieblingsstiften in unter 10 Minuten zu Papier bringt. Dangercat, der Superkater, ist eine ihrer Erfindungen.
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