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„Symbol der Besatzung“

Estland: Sowjetisches Kriegsdenkmal im Raadi-Park von Tartu soll abgebaut werden

Wegen des Krieges in der Ukraine wollen sich immer mehr Städte und Gemeinden in den baltischen Staaten von sowjetischen Denkmälern trennen. Wurden diese schon in der Vergangenheit kritisch beäugt, scheinen sie nun so etwas wie der Stachel im Fleisch geworden zu sein. Muss weg, so der Tenor.

Raadi Park Tartu
Blick auf den Raadi Park in Tartu, in dem das Kriegsdenkmal steht. Der Park wurde nach dem Gut Ratshof benannt, auf dessen Gelände er sich befindet. Das Anwesen gehörte einst der baltischen Adelsfamilie von Liphart. (Foto: Veineleissa / depositphotos.com)
Jüngstes Beispiel dieser Entwicklung ist das sowjetische Kriegsdenkmal im Raadi-Park der estnischen Großstadt Tartu. Geht es nach Stadtrat und Bürgermeister, wird dieses „Symbol der Besatzung“ schnellstmöglich aus dem Fokus der Öffentlichkeit entfernt.

Ein entsprechender Antrag liegt laut ERR.ee dem für solche Angelegenheiten verantwortlichen Kulturministerium vor. „Wir wenden uns an das Ministerium mit dem Vorschlag, die Entfernung des sowjetischen Denkmals zu veranlassen“, heißt es in einer Erklärung vom Montag.

Auf einer Inschrift am Denkmal dankt Tartu seinen „Verteidigern und Befreiern“

Geplant ist, die im Park rund um das Raadi-Denkmal begrabenen Soldaten und das Denkmal selbst an einen anderen Ort zu verlegen. „Entscheidend ist, dass die Überreste an einem ruhigen Ort beigesetzt werden, aber einen solchen gibt es im Park nicht“, lautet die Einschätzung.

In seiner jetzigen Form wird das Denkmal als unpassender Blickfang in Nähe des Nationalmuseums angesehen. Und auch die Veranstaltungen, die am Monument in der Regel am 9. Mai (Ende 2. Weltkrieg) stattfinden, gelten als Grund für den Wunsch nach einer Verlegung des Denkmals.

Die Raadi-Gedenkstätte wurde im Dezember 1975 eingeweiht. Sie ist von 24 Betongrabsteinen mit orthodoxen Kreuzen umgeben. Der Teil der Mauer neben dem Denkmal trägt eine Inschrift in russischer und estnischer Sprache, in der Tartu seinen „Verteidigern und Befreiern“ dankt.

Das sieht man heute deutlich anders. Jedenfalls das mit der Befreiung, weshalb man in Tartu nun gespannt auf den Entscheid des Kulturministeriums blickt. Es wird berichtet, dass bei der Stadt Tartu schon zuvor wiederholt Gesuche zur Entfernung des Denkmals eingingen. Bislang immer ohne Erfolg.

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