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Leben am und mit dem Meer

Estland und die Ostsee – eine innige Verbindung

Das Leben an und mit der Ostsee ist für die Menschen in Estland ein viele Jahrhunderte altes Wechselspiel aus Tradition, Zugewandtheit und gelegentlicher Gefahr – denn das Leben an der See kann tückisch sein.

ostsee estland
Charakteristisch: Die Eiszeit hat der estnischen Küste Millionen von Findlingen beschert (Foto: mkozlov)
Das nördliche Baltikum ist nicht nur kulturell, sondern auch landschaftlich stark von den Launen der See geprägt. Vielen Küstenbewohnern dient sie bis heute als Erwerbsquelle, wobei der Fischfang im Laufe der vergangenen Jahrzehnte mehr und mehr durch den Tourismus bedrängt und schließlich abgelöst wurde.

Estlands Festlandküste erstreckt sich über eine Länge von rund 600 Kilometern und reicht von der kleinen Ortschaft Ikla im äußersten Südwesten bis hoch in den Nordosten des Landes, wo bei Narva das riesenhafte Territorium Russlands beginnt.

Hinzu kommen hunderte Kilometer Küstenlinie abseits des Festlandes, schließlich befinden sich rund 1.500 zumeist wenige Quadratkilometer große Inseln in estnischem Besitz.

Doch es gibt Ausnahmen: Mit Saaremaa und Hiiumaa lagern dem westlichen Festland zwei der größten Inseln in der Ostsee vor.

Die eine, Saaremaa, ist mit etwa 2.600 Quadratkilometern Fläche fast genauso groß wie das deutsche Saarland (namentliche Ähnlichkeit natürlich zufällig).

Die andere, Hiiumaa, ist zwar weniger als halb so groß, hat aber mitnichten weniger Sehenswertes zu bieten.

Recht angesagte Seebäder – für estnische Verhältnisse

Hier wie dort konnte die Zivilisation der Natur (zum Glück) nichts anhaben. Vor allem abseits der Küste bieten beide Inseln ihren Besuchern – in erster Linie handelt es sich um Wanderer und seetüchtige Tagestouristen – Ruhe und Abgeschiedenheit.

Weniger ruhig, aber längst nicht so beengt wie in vielen Hotspots an Mittelmeer und Nordsee, geht es dagegen in den recht zahlreichen Seebädern des Landes zu.

Den klimatischen Vorzügen der Ostsee verdanken beispielsweise das südwestlich inmitten einer breiten Bucht gelegene Pärnu und ein Stück weiter nördlich der Kurort Haapsalu ihren guten Ruf.

Pärnu firmiert unter nicht weniger als der Bezeichnung „Sommerhauptstadt Estlands“, und Haapsalu wird, auch nicht schlecht, „Venedig des Nordens“ genannt.

Ein zwar maßlos übertriebener, aber doch sehr ambitionierter Vergleich. Weitere, teils noch schönere Strände finden sich in einem etwa 40 Kilometer langen Küstenabschnitt zwischen Klooga und der Landeshauptstadt Tallinn.

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Naturgemachte Bruchkante zwischen Land und See: kilometerlange Steilküste in Estland. (Foto: Erik_Karits)

Eiszeitliche Prägung

Landschaftlich ist jedoch ganz Estland stark von der Ostsee geprägt, genauer gesagt von deren Vorläufer, einem mächtigen Eispanzer, der vor rund 12.000 Jahren noch weite Teile Nordeuropas bedeckte.

Erst als sich die gefrorenen Massen langsam zurückzogen, kam es zur Entstehung der Ostsee. Im Landesinneren zeugen bis heute Millionen von teils übermannshohen Findlingen von der kältesten aller denkbaren Epochen – der Eiszeit.

Wie ein gigantischer Hobel muss das abschmelzende Eis auf seinem Weg in Richtung Süden über das darunter gelegene Land geglitten sein. Bleibt man bei diesem (zugegebenermaßen schrägen) Vergleich, handelt es sich bei besagten Findlingen um die Späne.

Nicht wenige der tonnenschweren Brocken haben es in der estnischen Mythologie auf Spitzenplätze geschafft, werden verehrt, sagenumwoben und angebetet.

Keine Frage: Die Ostsee hat auch im Landesinneren tiefe Spuren hinterlassen.

Weiterführende Informationen zum Thema Ostsee:

  • Hintergrund Ostsee: Die Ostsee ist ein über 400.000 Quadratkilometer großes Binnenmeer. Die maximale Tiefe beträgt 459 Meter, der gesamte Rauminhalt rund 20.000 Kubikkilometer. Entstanden ist das auch Baltisches Meer bzw. Mare Balticum (lat.) genannte Gewässer vor ca. 12.000 Jahren, als sich mit dem Ende der letzten Eiszeit der gewaltige Eispanzer Nordeuropas nach und nach zurückzog.

    Der Meeresspiegel stieg, die Landmassen erhoben sich und zwischen der Skandinavischen Halbinsel und Zentraleuropa bildete sich eine schmale Rinne, die fortan Ost- und Nordsee miteinander verband: Das Kategat, ein schmaler Seeweg zwischen der Nordostküste Dänemarks und der Südwestküste Schwedens.

    Hierbei handelt es sich um die einzige Verbindung der Ostsee zum Rest der Weltmeere, da sie ansonsten komplett von den angrenzenden Ländern umschlossen ist. Dies sind: Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Deutschland und Dänemark.

    Das Leibnitz-Institut in Warnemünde hat der Ostsee einen eigenen Forschungsschwerpunkt gewidmet. Über aktuelle Erkenntnisse und Forschungsvorhaben – häufig im Bereich des Umweltschutzes – informiert die sehr interessante Webseite des Instituts.

  • Webseite: www.io-warnemuende.de (auf Deutsch)

sh

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