Eine Stadt an der Schnittstelle der Kulturen und Geschichten

Narva will Kulturhauptstadt Europas 2024 werden

| 26.01.2018 - 12:07 Uhr

Narva, die Grenzstadt im Nordosten Estlands, bewirbt sich um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2024.

Hermannfeste in Narva Kulturhauptstadt 2024

Hermanni linnus in Narva (Foto Zentsik, CC BY-SA 3.0 ee)


Die estnische Präsidentin, Kersti Kaljulaid, hält Narva für überaus geeignet für diesen Titel. Zum Anlass des offiziellen Bewerbungsstarts, diese Woche Dienstag, sagte sie in ihrer Ansprache:

„Narvas Eignung und Potential sind beeindruckend. Die Stadt liegt an der Schnittstelle der Kulturen und Geschichten – solche Orte ragten in der Geschichtsschreibung immer heraus. Narva wird Estlands nächste Erfolgsgeschichte. Es ist die drittgrößte Stadt Estlands. Es wird Zeit.“

Kaljulaid wies zudem darauf hin, dass Narva sich in den letzten Jahren sehr gewandelt habe. Die Stadt habe bereits so viele gute Initiativen ins Leben gerufen, auch ohne Kulturhauptstadt Europas zu sein.

Narva ist die östlichste Stadt Estlands. Mit ihren 57.103 Einwohnern (Stand 2017) liegt sie am Grenzfluss Narva gegenüber der russischen Stadt Iwangorod.

Die Stadt im Mittelalter

Die erste Erwähnung der Siedlung stammt von 1172. Während der dänischen Herrschaft in Estland wurde am Fluss, unterhalb der Mündung am Finnischen Meerbusen, eine Burg errichtet, die Hermannsfeste. Die Siedlung Narvia wurde 1241 im Waldemar-Erdbuch erwähnt, einem Steuererfassungsbuch des dänischen Königs Waldemar II.

Um die Feste herum entwickelte sich eine noch größere Siedlung. 1345 wurde Narva schließlich das Lübecker Stadtrecht verliehen. Ein Jahr später verkaufte der dänische König das Gebiet an den Deutschen Orden.

Die Stadt im Zweiten Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt durch sowjetische Bombardements zu 98 Prozent zerstört. Die damals vor der Zerstörung geflohenen Esten durften nach dem Krieg und der Annexion durch die Sowjetunion nicht in die Stadt zurückkehren. Stattdessen beschloss die Zentralregierung in Moskau, dort Russen aus allen Teilen der Sowjetunion anzusiedeln. Heute ist die Stadt mit über 90 Prozent russischsprachiger Bevölkerung das Zentrum dieser Minderheit in Estland.

Die bei den Bombardements 1944 zerstörte barocke Altstadt hätte nach dem Krieg wieder hergestellt werden können, da die Fassaden der Häuser noch standen. Doch beschloss die sowjetische Regierung Anfang 1950, die Ruinen abzureißen, und Wohnblöcke kommunistischer Machart hinzustellen. Nur drei Gebäude der Altstadt wurden erhalten, darunter das barocke Rathaus.

Kulturhauptstädte Europas 2024

Drei europäische Städte werden 2024 den Titel Kulturhauptstadt Europas innehaben. Eine aus Österreich, eine aus Estland und eine aus der Europäischen Freihandelsassoziation (Island, Norwegen, Liechtenstein und Schweiz) oder eine Stadt eines EU-Beitrittskandidaten oder eines potentiellen EU-Beitrittskandidaten.

Für Estland geht neben Narva die Universitätsstadt Tartu ins Rennen. Der Gewinner wird im Frühjahr 2019 verkündet.

ap

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