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Ausbildung für den Ernstfall

Estland: Immer mehr Frauen greifen zu den Waffen – „müssen vorbereitet sein“

Der friedliebende Teil der Welt erkennt sich bald selbst nicht mehr wieder, könnte man meinen. In Estland zum Beispiel greifen aus Sorge vor einem weiteren russischen Waffengang immer mehr Frauen zu den Waffen, um sich für den Ernstfall zu wappnen.

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Die Women’s Voluntary Defence Organisation in Estland zählt inzwischen 3.200 potenzielle Kämpferinnen. (Foto: www.naiskodukaitse.ee)

„So lächerlich das im Jahr 2022 auch klingt: Wenn ich kämpfen muss, werde ich kämpfen“, teilte etwa die 41-jährige Kristel Eriks gegenüber Reuters mit. Sie lebt und arbeitet in Norwegen und ist zuletzt extra nach Estland gereist für einen Militärkurs, der es in sich hat.

Sie ist nun Teil der Women’s Voluntary Defence Organisation, einer paramilitärischen Einheit zur Verteidigung Estlands, die inzwischen 3.200 potenzielle Kämpferinnen zählt. Und man kann sagen: Für die völlig freiwillige Ausbildung nehmen die Frauen im Alter von 20 bis 60 Jahren bemerkenswerte Strapazen auf sich.

Eiskalte Nächte werden in selbstgebauten Zelten verbracht. Theorie, Drill, Tarnen im Gelände, Navigieren. Fast das volle Programm, nur das Schießen wird bei der Einführung ganz in der Nähe des NATO-Stützpunktes Amari noch nicht geübt.

Genau, die NATO: Estland, Lettland und Litauen sind seit 2004 Mitglieder des westlichen Verteidigungsbündnisses. Zwar sorgt seither das Prinzip „einer für alle, alle für einen“ in den drei baltischen Staaten für die gewisse Extraportion Sicherheit. Ganz anders – leider – als bei der Ukraine.

Aber so richtig traut man dem Braten in Estland dann doch nicht, wobei der Braten in diesem Fall Putin ist – und nicht die NATO, die seit Beginn des Ukrainekriegs keinen Zweifel aufkommen lässt, wo die rote Linie verläuft.

Jeder Quadratmeter des Bündnisses werde verteidigt, heißt es fast gebetsmühlenhaft, ganz gleich, ob man nun Biden, Stoltenberg, Macron, Johnson, Scholz oder sonst wen dazu befragt. Aber Putin? Ihm haben die Esten schon im Frieden nicht getraut. Wie also jetzt?

„Aufgrund der Situation in der Ukraine möchte ich in jeder Krisensituation gewappnet sein“, bewertet die 38-jährige Merle Vimb die Situation. Eigentlich ist sie gerade wegen ihres zweiten Kindes in Mutterschaftsurlaub. Und sieht sich – leider – dennoch genötigt, den paramilitärischen Kurs zu absolvieren.

„Die meisten von uns im Baltikum leben in einer beängstigenden Situation, wir müssen uns vorbereiten. Ich kann nicht einfach dasitzen und abwarten, was passiert“, sagt die zweifache Mutter. Wer’s nicht glauben mag: Einen Videobeitrag zum Thema gibt es bei Reuters.

Unser QUIZ zum Thema ESTLAND

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