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Berichte über lange Schlangen und Handgreiflichkeiten

Großbritannien: Treibstoff liefert in den kommenden Tagen das Militär

Der britische Wirtschafts- und Energieminister Kwasi Kwarteng hat nun tatsächlich angekündigt, dass in den kommenden Tagen bis zu 150 Soldaten zu einer ganz besonderen Mission abkommandiert werden: zur Belieferung von Tankstellen mit dringend benötigtem Treibstoff.

England Militär Armee Benzin
„Britische Soldaten stürmen eine Tankstelle“.
(Fotomontage: Nordisch.info, Defence Imagery, CC BY-NC 2.0, Juan Carballo Diaz)
Seit Wochen schon berichten britische Medien über alltägliche Auswirkungen des erheblichen Mangels an Lkw-Fahrern auf der Insel. Zwischen 50.000 und 100.000 Stellen sollen inzwischen unbesetzt sein. Teils bedingt durch den Brexit, teils durch Corona.

Im Ergebnis bleiben derzeit immer mehr Supermarktregale leer – und auch die Tankstellen ächzen gewaltig unter mangelndem Nachschub. Hamsterkäufe und lange Autoschlangen sind quer über das Vereinigte Königreich gut sichtbare Konsequenzen der Krise.

Kwarteng zur Situation: „Ich denke, in den nächsten Tagen werden die Menschen einige Soldaten sehen, die die Tankwagenflotte unterstützen. Die letzten Wochen waren schwierig, aber ich glaube, die Lage stabilisiert sich. Wir werden das Problem in den Griff bekommen.“

Zweckoptimismus, der auf Nachfrage aber gleich ins Wanken gerät. Von Journalisten befragt, ob der Minister denn Engpässe zur anstehenden Weihnachtszeit ausschließen könne, lautete die Antwort: „Ich garantiere gar nichts. Ich sage nur, dass ich glaube, dass sich die Situation stabilisiert.“

Das Lagebild zur morgendlichen Rushhour war auch heute wieder angespannt, wie der Guardian aktuell berichtet. In und um London sowie auf der stark befahrenen Autobahn M25 soll es an den Zapfsäulen wieder lange Autoschlangen gegeben haben, begleitet von Handgreiflichkeiten und für UK ganz und gar unüblichen Drängeleien.

Ferner wird berichtet, dass eine zunehmende Zahl von Tankstellen keinen Treibstoff mehr anbietet, was nun offenbar zu Forderungen nach einem privilegierten Spriterwerb für bestimmte Berufsgruppen geführt hat.

Ärzten beispielsweise, Krankenschwestern und anderen „systemisch“ wichtigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern solle das Recht eingeräumt werden, vorrangigen Zugang zu Treibstoff zu erhalten, lautet die Forderung.

Großbritannien ist Anfang dieses Jahres aus dem EU-Binnenmarkt ausgetreten, sodass die Spediteure derzeit größte Probleme haben, Lkw-Fahrer auf dem europäischen Festland anzuwerben.

Um den Fahrermangel zu beheben, hat die britische Regierung zuletzt angekündigt, 5.000 ausländischen Fahrern befristete Visa zu erteilen. Eine Maßnahme, die London zuvor strikt abgelehnt hatte. Aber wie heißt es so schön: Not macht erfinderisch.

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sh

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