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Ehemaliger Villenkomplex in Rutland

England: Erst Scheune, dann Luxusdampfbad – extravagante römische Altbausanierung entdeckt

Wer hätte gedacht, dass Altbausanierungen schon in der Römerzeit eine Rolle spielten? In England haben Archäologen vor wenigen Tagen genau diese Entdeckung gemacht. Und zwar anhand eines zuvor rein landwirtschaftlich genutzten Gebäudes, aus dem später ein luxuriöses Dampfbad wurde.

Fotos: Historic England / Facebook

Das Bad war Teil eines römischen Villenkomplexes in der Grafschaft Rutland in den östlichen Midlands, in dem vor rund 1700 Jahren sehr wohlhabende Besitzer gelebt haben müssen. Gefunden wurde die Villa schon vor gut zwei Jahren, nachdem Spaziergänger auf einem Acker auf einmal Fragmente römischer Töpferwaren in Händen hielten.

Damals schaffte es der Fund vor allem durch das Mosaik des Hauses in die Schlagzeilen, das die Ilias von Homer abbildet – und das Experten schnell als eine der aufregendsten Ausgrabungen dieser Art im gesamten Vereinigten Königreich bezeichneten.

Danach wurde es kurzzeitig etwas ruhiger um das Objekt, wobei eigentlich klar war, dass bei nachfolgenden Grabungen wieder etwas Besonderes zum Vorschein kommen würde. Dies scheint nun der Fall zu sein.

“Fund für Verständnis vom Leben im spätrömischen Britannien von größter Bedeutung“

Den neuen Erkenntnissen zufolge ließen die damaligen Besitzer besagtes Wirtschaftsgebäude, eine einfache Holzscheune, zumindest in Teilen in einen luxuriösen Nebentrakt mit Dampfbad, Wärmeraum und einem kalten Tauchbecken umbauen.

Die Scheune wurde ursprünglich von Holzpfosten gestützt und hatte möglicherweise zwei Stockwerke. Im 3. oder 4. Jahrhundert wurde sie dann zu einer Steinscheune umgebaut, wobei ein Ende zu einem mehrstöckigen Wohnhaus ausgebaut und das andere weiter für landwirtschaftliche Arbeiten genutzt wurde.

Hauptmerkmal der Wohnung war besagtes Bad im römischen Stil mit einer ausgeklügelten Fußbodenheizung und in die Wände eingebauten Heizungsrohren. Ein Tank außerhalb des Gebäudes diente möglicherweise dazu, Wasser vom Dach zu sammeln.

John Thomas, stellvertretender archäologischer Direktor der Universität Leicester, zu dem Fund: „Man kann die Bedeutung dieses Villenkomplexes für unser Verständnis vom Leben im spätrömischen Britannien gar nicht hoch genug einschätzen.

Während frühere Ausgrabungen einzelner Gebäude oder kleinerer Villen uns eine Momentaufnahme geliefert haben, ist diese Entdeckung in Rutland viel vollständiger und liefert ein deutlich klareres Bild.“

Ähnlicher Meinung ist auch Duncan Wilson, Leiter von Historic England, der ebenfalls an der Ausgrabung mitgewirkt hat: „Diese Stätte wirft viele spannende Fragen über das Leben im römischen Britannien auf.“

Die Bedeutung der Villa im Ganzen werde erst in den nächsten Jahren durch weitere kleinteilige Untersuchungen noch deutlicher werden, sagte Wilson laut einem aktuellen Artikel im Guardian weiter.

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