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„Sehr aufregende Entdeckung“

England: Seltene Bergkristalle dienten im frühen Neolithikum zur Markierung von Grabstätten

Neueste archäologische Forschungen unter Leitung der Universität Manchester zeigen, dass auf der britischen Insel im frühen Neolithikum seltene Bergkristalle der Markierung von Grabstätten dienten. Zuvor müssen die quasi transparenten Quarze über weite Entfernungen herbeigeschafft worden sein.

Bergkristalle Neolithikum
Beispiele für größere Stücke aus der Dorstone Hill-Assemblage, darunter Kerne und Stücke mit Kristallrändern. (Quelle: Universität Manchester)
In Zusammenarbeit mit Experten der Universität Cardiff und dem Rat der Grafschaft Herefordshire unternahmen die Archäologen aus Manchester zuletzt eine Ausgrabung in Dorstone Hill, etwa eine Meile südlich von Arthur’s Stone.

Untersucht wurde ein Komplex von 6.000 Jahre alten Grabhügeln und Einfriedungen. Neben einer Reihe von Artefakten – darunter Keramik, Steingeräte und verbrannte Knochen – entdeckten die Forscher an der Stätte besagten Bergkristall.

Dieser ist zwar wie Feuerstein gekantet bzw. geformt worden, aber nicht zur Nutzung als Werkzeug oder Pfeilspitze, sondern ganz offensichtlich als Beigabe und Markierung von Grabhügeln. Zuvor gab es lediglich Vermutungen über die prähistorische Nutzung der Edelsteine, aber keine Beweise.

Interessanterweise sind bislang nur an sehr wenigen Orten auf den britischen Inseln reine Bergkristalle gefunden worden, die groß genug sind, um als Basismaterial für den Fund von Dorstone Hill in Frage zu kommen.

Konkret befinden sich die nächstgelegenen Orte allesamt im Norden und Südwesten von Wales, was bedeutet, dass die Quarze vor ihrer Verwendung etliche Kilometer zurückgelegt haben müssen. Zwischen 50 und 100 Kilometer, um exakt zu sein.

„Sehr aufregende, außergewöhnlich seltene Entdeckung“

Daher gehen die Forscher davon aus, dass der Bergkristall dazu genutzt worden sein könnte, um die Verbindung der Menschen zu anderen Orten auf den britischen Inseln zu demonstrieren.

„Es war eine sehr aufregende Entdeckung. Die Kristalle sind außergewöhnlich selten. In jener Zeit, in der es noch kein Glas gab, müssen die durchsichtigen Stücke etwas ganz Besonderes gewesen sein“, teilte der leitende Forscher Nick Overton mit.

Zum Gebrach stellt der Archäologe fest: „Wir gehen davon aus, dass ihre Verwendung denkwürdige Momente geschaffen hat. Die Kristalle brachten die Menschen zusammen, schufen lokale Identitäten und verbanden die Lebenden mit den Toten – mit deren Überresten sie dann niedergelegt wurden.“

Als nächsten Schritt planen die Forscher nun, die an anderen Grabungsstätten gefundenen Materialien zu untersuchen. Ziel ist es herauszufinden, ob die Menschen dort auf ähnliche Weise mit diesem Material gearbeitet haben.

Darüber hinaus soll die chemische Zusammensetzung des Kristalls untersucht werden, um herauszufinden, ob dessen spezifische Quelle ausfindig gemacht werden kann. Der vollständige Forschungsbericht findet sich auf der Webseite der Cambridge University unter diesem Link.

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