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Dänische Forscher sagen, Schwedens Strategie könnte richtig gewesen sein

Schwedens Corona-Epidemie „könnte beendet sein“

Einer der prominentesten Epidemiologen Dänemarks sagt, dass die Coronavirus-Pandemie in Schweden aufgrund der Immunität in der Bevölkerung „möglicherweise beendet“ sei, obwohl das Land noch weit von der klassischen Herdenimmunität entfernt sei.

Corona Schweden
Feskekörka, eine im Stil einer gotischen Kirche errichtete Fischmarkthalle in Göteborg.
(Foto: Jens Junge)
„Es gibt Anzeichen dafür, dass die Schweden eine Stufe der Immunität gegen die Krankheit erlangt haben, die zusammen mit dem, was sie sonst noch unternehmen, um die Ausbreitung der Infektion zu verhindern, ausreicht, um die Krankheit auf niedrigem Niveau zu halten“, sagte Kim Sneppen, Professor für Biokomplexität am Niels-Bohr-Institut in Kopenhagen, gegenüber der Zeitung Politiken.

Nach den von OurWorldinData zusammengestellten Zahlen, hatte Schweden in den vergangenen sieben Tagen im Tagesdurchschnitt 24 Fälle pro Million Menschen registriert, verglichen mit 61 Fällen in Dänemark, 20 in Norwegen, 21 in Deutschland, 78 in Österreich und 35 in der Schweiz.

Sneppen räumte jedoch ein, dass das Land in den Monaten April, Mai und Juni eine wesentlich höhere Sterblichkeitsrate als in Dänemark zu verzeichnen hatte.

„Das war der Preis, den sie bezahlt haben. Positiv zu bemerken ist, dass sie nun mit der Epidemie durch sein könnten“, so der Epidemiologe.

Sneppen entwickelte zusammen mit Lone Simonsen an der Universität Roskilde ein Modell zur Erklärung des Verlaufs der Pandemie in Schweden und Dänemark, das die Bedeutung sogenannter Superspreader hervorhob, einer Minderheit in der Bevölkerung, die das Virus unverhältnismäßig stark verbreitet.

In einer von Tom Britton an der Universität Stockholm im August veröffentlichten Studie wurde geschätzt, dass, wenn man davon ausgeht, dass die geselligsten und aktivsten Mitglieder der Gesellschaft als erste infiziert werden, die Schwelle für eine volle Herdenimmunität bei 43 Prozent der Bevölkerung liegen könnte, weit unter der 60 bis 70 Prozent, die in der Epidemiologie die klassische Schwelle darstellt.

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„Nur 20 Prozent Immunität machen einen ziemlich großen Unterschied, denn diejenigen, die zu Beginn der Epidemie infiziert wurden, waren am anfälligsten für das Coronavirus und am sozial aktivsten“, sagte Britton gegenüber Politiken.

Auf einer Pressekonferenz am Dienstag warnte der dänische Staatsepidemiologe Kåre Mølbak, dass sich Dänemark noch immer in der „ersten Infektionswelle“ befinde, weil die Welle im Frühjahr keine Zeit hatte, „sich vollständig zu entwickeln, weil wir uns in Winterschlaf begaben hatten“.

Søren Riis Paludan, Professor für Biomedizin an der Universität Aarhus, sagte, dass immer mehr Beweise darauf hindeuteten, dass die schwedische Gesundheitsbehörde mit ihrer Strategie, die eine kontrollierte Entwicklung der Immunität ermöglichte, richtig gelegen haben könnte.

„Man kann argumentieren, dass sie [die Schweden] den richtigen Lösungsansatz gewählt haben, aber sie waren anfangs schlecht vorbereitet und konnten die Schwachen der Gesellschaft nicht schützen“, sagte er.

Andere Wissenschaftler sagten jedoch, es bestehe immer noch die Gefahr weiterer Ausbrüche in Schweden.

„Ich glaube nicht, dass schon jetzt ausgeschlossen werden kann, dass es auch in Schweden zu einem Aufflammen wie in Dänemark kommt“, sagte Allan Randrup Thomsen, Professor für Virologie an der Universität Aarhus, gegenüber der Zeitung.

ap

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