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Wieder mal Geduld gefragt

Schweden sieht neue Untersuchung zum Estonia-Unglück frühestens 2021

Für Laien ist es wahrlich nicht einfach, die Irrungen und Wirrungen rund um die neu entflammte Diskussion über die Estonia-Tragödie nachzuvollziehen.

Estonia Estline Fähre
Die Fähre Estonia des estnische-schwedischen Unternehmens EstLine. (Quelle: EstLine/Facebook)
Gut ein Vierteljahrhundert nach dem Untergang der Ostseefähre mit 852 Todesopfern waren zuletzt aktuelle Unterwasseraufnahmen mit möglicherweise neuen Hinweisen zum Hergang des Unglücks an die Öffentlichkeit gelangt – dank einer Dokumentation des Discovery Channels.

Die Aufnahmen zeigen eine bislang unbekannte und gleichsam mysteriöse Beschädigung am Rumpf des Wracks. Ein metergroßes Loch. Nun wurde laut einem Bericht des News-Portals ERR.ee bekannt, dass auf nicht gesendetem Rohmaterial vom Wrack weitere Beschädigungen zu sehen sein sollen.

Soweit die Ausgangslage, die verständlicherweise schnell Rufe nach einer neuen offiziellen Untersuchung zur Estonia-Katastrophe laut werden ließ.

Hinzu kommt, dass erhebliche inhaltliche Zweifel an der 1997 abgeschlossenen Erstuntersuchung der Tragödie die Trauerarbeit der Hinterbliebenen und Überlebenden schon seit Jahren begleiten.

Nun hat sich in der Angelegenheit die schwedische Unfalluntersuchungsbehörde (SHK) zu Wort gemeldet und angezweifelt, dass es noch in diesem Jahr zu einer Entscheidung über eine weitere Untersuchung kommen werde.

Jörgen Zachau, leitender Ermittler der Behörde, dazu wörtlich im schwedischen Rundfunk: „Frühestens nach dem Jahreswechsel wird es soweit sein können.“

Dazu führen einerseits strukturelle Fragen, denn in eine etwaige Folgeuntersuchung müssten drei Länder einbezogen werden. Konkret: Estland, Finnland und Schweden, deren Zusammenarbeit in Sachen Estonia-Unglück schon in der Vergangenheit nicht immer reibungslos verlaufen ist.

Zum anderen dürfte es auch um eine rein ethische Frage gehen, nämlich die Wahrung der Ruhestätte des Wracks, die ja sozusagen auch Friedhof der Opfer und damit von zentraler Bedeutung im Gedenken der Hinterbliebenen ist.

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Ein entsprechendes Abkommen zur Wahrung der Grabesruhe der beteiligten Länder gibt es. Nur müsste dieses eben angepasst bzw. aufgeweicht werden, um im Falle einer neuen Untersuchung weitere Tauchroboter mit Film- und Fotoausstattung auf den Grund der Ostsee zu schicken.

Denn: Das Filmmaterial aus der neulich veröffentlichten Dokumentation geht auf einen unbewilligten bzw. unrechtmäßigen Tauchgang zurück, wodurch auch die Verwertbarkeit der Aufnahmen juristisch in Zweifel gezogen werden kann.

Es ist alles sehr kompliziert, was zu bedauern ist. Gerade aus dem Blickwinkel all jener, die endlich Gewissheit haben wollen, was in der Unglücksnacht des Jahres 1994 wirklich geschehen ist.

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sh

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